Ratgeber

Mein größter Fehler: 8 Gründer erzählen

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Falsche Investoren an Bord geholt

Nestpick-Gründer Fabian Dudek betreibt inzwischen mit Glassdollar.com ein anderes Startup. (Foto: Glassdoor)

Nestpick-Gründer Fabian Dudek betreibt inzwischen mit Glassdollar.com ein anderes Startup. (Foto: Glassdoor)

Fabian Dudek, Nestpick

Es ist normal für uns Gründer, die Motivation von Mitarbeitern zu hinterfragen und eine Kultur um die gleichen Werte und Verhaltensweisen herum zu entwickeln. Jedem Mitarbeiter bei Nestpick – einem Immobilienportal – war es wichtig, Menschen zu ermöglichen, überall auf der Welt zu leben. Dafür waren wir gewillt, kurzfristig schlechtere Zahlen zu akzeptieren. Meine Investoren habe ich allerdings nie nach ihrer Motivation gefragt. So kam es wegen Meinungsverschiedenheiten schnell zu Problemen bei Anschlussfinanzierungen, Budgetplanungen und Produktfragen.

Meine Lehre daraus: Investments sind kaum rückgängig zu machen, deshalb ist es umso wichtiger, die richtigen Geldgeber an Bord zu holen. Die ersten Investoren werden Teil des engsten Management-Teams. Man verbringt im besten Fall viele Jahre mit ihnen und sie haben viel Einfluss auf den Gründer und die Strategie. Der beste Weg, die richtige Entscheidung zu treffen, ist es vorher für ein paar Monate mit den Investoren zusammenzuarbeiten.

Den Service kostenlos angeboten

Annika Pies, tlnts.de

Bot ihren Service zuerst kostenlos an: Talants-Gründerin Annika Pies. (Foto: Talents)

Bot ihren Service zuerst kostenlos an: Talents-Gründerin Annika Pies. (Foto: Talents)

Mit Talents wollten wir eine Plattform auf den Markt bringen, mit der man einfach Jobkampagnen über Social-Media-Kanäle schalten kann. Um erste Nutzer zu gewinnen, haben wir unseren Service kostenlos angeboten. Kunden mussten einzig das Mediabudget zahlen. Wir haben dieses Angebot in unserem Netzwerk und auf Veranstaltungen angeboten, sowie ersten Leads, die Interesse an unserem Produkt gezeigt haben. Gebucht hat unseren Service letztlich aber niemand.

Dann haben wir überlegt: Okay, woran liegt’s? Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass es womöglich ein zu großes Risiko für die potenziellen Kunden ist. Gleichzeitig hätten wir es uns nicht leisten können, das Mediabudget für die Kampagnen selbst zu tragen. Wir haben also ein Preisschild an den Service gehängt – und auf einmal kam die erste Buchung. Trotzdem haben wir uns später vom Geschäftsmodell abgewendet, weil es beim Recruiting sehr große Probleme mit Schnittstellen zur Bewerbersoftware gab. Leider gibt es in der Branche bis heute auch keinerlei Standards. Heute ist Talents eine Digitalagentur für Personalmarketing in München und erfolgreich am Markt.

Zu groß gedacht

Frank Steuer, Blacklane

Warnt davor, die Geschäftsidee zu groß zu denken: Blacklane-Gründer Frank Steuer. (Foto: Blacklane)

Warnt davor, die Geschäftsidee zu groß zu denken: Blacklane-Gründer Frank Steuer. (Foto: Blacklane)

Als wir vor gut sieben Jahren anfingen, unseren Chauffeur-Service aufzubauen, haben wir vor allem einen Fehler gemacht: Wir haben eine viel zu komplexe Lösung angestrebt. Wir wollten bei Abrechnungen und Abholungen an Flughäfen nahezu jeden erdenklichen Sonderfall berücksichtigen (zum Beispiel zusätzliche Wartezeiten, zusätzliche Kilometer, Änderungen des Zielorts) und all das auch technisch abbilden. Die Folge: Es war unnötig schwierig, neue Ideen schnell und unkompliziert umzusetzen. Letztlich bedeutete das für uns auch höhere Kosten.

Wir dachten damals durch User-Interviews und unsere persönlichen Erfahrungen mit Chauffeur-Services aus Kundensicht zu wissen, wie unsere Lösung im Detail aussehen muss. Damit lagen wir leider nicht ganz richtig. Im Rückblick kann ich jedem Gründer nur empfehlen, so schnell wie möglich mit einem Minimum-Viable/Lovable-Product an den Markt zu gehen, um möglichst früh möglichst viel zu lernen und schnelle Kurskorrekturen vornehmen zu können. So kommt man schneller, einfacher und auch günstiger zu einer Lösung, die einen hohen Mehrwert für die Nutzer bietet.

Von einem Kunden auf alle geschlossen

Jan Wokittel, 4-Check

4-Check-Gründer Jan Wokittel machte den Fehler, von einem Kunden auf alle zu schließen. (Foto: Alexander Palacios)

4-Check-Gründer Jan Wokittel machte den Fehler, von einem Kunden auf alle zu schließen. (Foto: Alexander Palacios)

Jeder kennt sie aus dem eigenen Unternehmen: Checklisten. Man kontrolliert etwas und macht anschließend Haken auf einem Stück Papier. Während eines Kontrollrundgangs bei einem Unternehmen sagte mein Ansprechpartner: „Wir sind doch bestimmt nicht die einzigen, die Checklisten auf Papier abarbeiten. Wenn das einer digitalisieren würde, kann der richtig Geld verdienen.“ Gesagt, getan: Gemeinsam mit einem Freund entwickelte ich den ersten Prototyp eines Produktes, mit dem der Kunde seine Checklisten digitalisieren und automatisiert auswerten konnte. Wir testeten den Prototypen mit dem Kunden und er war begeistert. Im Nachhinein muss ich sagen, dass das keine Überraschung war: Der Prototyp war ja ja exakt auf seinen individuellen Anwendungsfall zugeschnitten. Ein großer Fehler. 

Wir haben angenommen, dass jeder potenzielle Kunde genau diesen Workflow haben würde und so entwickelten wir innerhalb eines Jahres unser finales Produkt. Danach mussten wir feststellen, dass der Checklisten-Prozess bei vielen Unternehmen zwar ähnlich, aber doch anders aussah. Er war ohne weiteres aber mit unserer Softwarelösung nicht realisierbar. Also waren wir gezwungen, einen kompletten Relaunch vorzunehmen, der ein weiteres Jahr Entwicklungsarbeit und sehr viel Geld gekostet hat. Meine Lehre daraus: Rapid Prototyping ist super und funktioniert klasse. Es braucht allerdings eine gewisse Masse an Testern, um ein wirklich aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten und zu erfahren, ob man ein echtes Kundenbedürfnis befriedigt.

Zum Weiterlesen:

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