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„Merkel-Filter“: Wie Youtuber den Protest gegen die Uploadfilter anführen

Youtuber wie LeFloid überreichen Justizministerin Barley eine Petition gegen den Artikel 13. (Foto: dpa)

Bei dem Thema Uploadfilter prallen wieder einmal Welten aufeinander. Auf der einen Seite: Krawatten-tragende CDU-Abgeordnete. Auf der anderen Seite: das Internet, angeführt von Youtubern.

Langsam scheint die Debatte um Artikel 13 und die Uploadfilter auch bei Angela Merkel angekommen zu sein: Sie habe schon viele „Shitstorms“ über sich ergehen lassen müssen. „Upload-Filter heißen ja schon Merkel-Filter“, sagte sie am Dienstag auf eine Digitalkonferenz in Berlin.

Neuland versus sogenannte „reale Welt“

Trotzdem, so scheint es, stellt man sich im Kanzleramt (und in der CDU) das Internet immer noch als quirliges „Neuland“ vor, in dem die „reale Welt“ und die Berliner-Politik mal so richtig durchregieren müsste. Die Frage sei jedoch, wie Regeln aus der realen auch in der digitalen Welt bestand haben könnten, sagte Merkel auf der Digitalkonferenz. Auch das Internet könne kein Raum sein, in dem geistiges Eigentum überhaupt nicht mehr geschützt werde. „Und diesen Kampf müssen wir weiter austragen,“ so Merkel.

Die Gegenseite führen in diesem „Kampf“ vor allem die an, die einen guten Teil des geistigen Eigentums produzieren, das die Deutschen sich so im Internet anschauen: Die Youtuber.

Unter den größten deutschen Youtubern mit Millionen von Abonnenten haben sich die meisten gegen den berüchtigten Artikel 13 in Stellung gebracht. Denn: In jetziger Form würde dieser Artikel 13 des Gesetzes Plattformbetreiber wie Youtube dazu verpflichten, Inhalte, die Nutzer hochladen, vor dem Upload mit Filtern zu überprüfen. Die Youtuber fürchten um ihr Medium.

Youtuber gegen Axel Voss und die CDU

Seit ungefähr einer Woche trommeln die größten deutschen Youtuber daher wieder gegen die Uploadfilter. LeFloid, der von Merkel immerhin für so wichtig gehalten wird, dass sie ihn für ein Interview ins Kanzleramt einlud, schimpft in zwei Videos (mit zusammen fast einer halben Million Views) über Artikel 13. Und über diejenigen, die er dafür verantwortlich macht, wie den CDU-Abgeordneten Axel Voss.

Am Montag brachte LeFloid, zusammen mit einem, wie er sagte „who-is-who der Artikel 13-Hasser“, bestehend aus anderen reichweitenstarken Youtubern wie Thomas Hackner (HerrNewstime), über vier Millionen Unterschriften einer Petition gegen den Artikel 13 zu Justizministerin Barley .

Demo auf der Straße – und live auf Youtube

Aber der Protest ist nicht nur in den Youtube-Kommentarspalten und Browser-Fenstern der Online-Petitionen geblieben: Vergangenen Samstag brachte die von den Youtubern angeführte Protestwelle in Köln rund eineinhalb Tausend Menschen auf die Straße – natürlich live gestreamt von den Youtubern selbst.

Die Wut der Youtube-Community schwappte dabei auch auf Twitter über: neben etlichen Tweets, die sich mit dem CDU-Mann Voss beschäftigten, trendete auch das Hashtag #niemehrcdu.

Abzuwarten bleibt noch, wie viele Anhänger die Youtuber noch auf die Straßen bringen können, bis das EU-Parlament im März über die Reform des Urheberrechts und damit auch über Artikel 13 abstimmt. Für den 23.03. jedenfalls sind schon die nächsten Demonstrationen angemeldet.

Ursprünglich hatten CDU, CSU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag einen Uploadfilter, so wie er sich jetzt aus dem Artikel 13 ergeben würde, abgelehnt. Der Grünen-Politiker Konstantin von Notz erklärte gegenüber t3n, dass er das „Spiel über die europäische Bande“ für kalkuliert halte. „Gleichzeitig merken gerade auch zahlreiche vormalige Befürworter des derzeit auf dem Tisch liegenden Kompromisses wie groß der öffentliche Protest ist,“ so von Notz.

(mit dpa)

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*Artikelbild wurde nachträglich geändert.

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2 Kommentare
Burkard
Burkard

DAS Meme ist euer Artikelbild? Sexismus pur? Typ der geiert, Freundin die sich ziert, hübsche Frau, der alle hinterherschauen? Ich habe das Meme schon vorher gesehen und es ist absolut unpassend. Nicht nur aus den genannten Gründen, sondern auch weil es uns (das Internet) als zickige Freundin darstellt. Wieder eindrucksvoll bewiesen, warum ich früher jeden Tag auf T3N war und inzwischen nur noch wöchent- oder monatlich.

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P. Eter
P. Eter

Gehst wahrscheinlich auch zum weinen in den Wald?

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