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Der seltsame Auftritt von Michelle Obama: Warum Zensur in Zeiten von Twitter nicht funktioniert

Michelle Obama über ihr Leben nach dem Weissen Haus. (Foto: Göpfert)

Michelle Obama spricht öffentlich, doch der Presse wird das Wort verboten. Gottseidank gibt es Twitter.

Die ehemalige First Lady der USA, Michelle Obama, hat auf der Inbound Marketing Konferenz des Marketing-Plattformanbieters Hubspot in Boston über ihr Leben nach dem Weißen Haus erzählt. Michelle Obama wurde auch der Presse gegenüber groß angekündigt. Am Abend vor dem Event wurde die jedoch wieder ausgeladen. Der Secret Service habe gebeten, weder Fotos von Michelle Obama zu machen noch über das Event zu berichten. Doch kaum betrat Michelle Obama die Bühne, toste nicht nur tobender Applaus, sondern auch tausende von Handys wurden gezückt und unzählige Tweets auf Twitter abgesetzt. Das WLAN hatte der Geheimdienst also schon mal nicht abgeschaltet.

Keine Presse. Twitter, übernehmen Sie!

Was das Ganze aber noch bizarrer macht: Es war ein ganz normales Interview, in dem die afroamerikanische Autorin Roxane Gay Michelle Obama über ihr Leben vor und nach dem Weißen Haus befragte. Okay, die ein oder andere Spitze gegen Trump – den sie übrigens nie namentlich erwähnte - blieb nicht aus. Aber gerade hier bewies Michelle Obama wieder, dass sie eine großartige First Lady war.

So sagte sie, dass die Amerikaner das Ergebnis der Wahl akzeptieren müssen - ob es ihnen gefalle oder nicht. Zugleich ermutigte sie das Publikum, sich für das einzusetzen, an was jeder glaubt und in Zukunft genau das zu wählen.

Soll das der Grund sein, dass die Presse nicht berichten soll?

Ähnlich diplomatisch verhält sie sich, als Roxanna Gay sie zum Erbe von Barack Obama befragt. Es ist nicht Baracks Erbe, es ist das Erbe der Nation. Hinsichtlich Twitter meint sie lapidar: „Was wir gelernt haben, ist, dass wir genau ausbalancieren müssen, wie wir in dieser Position reagieren. Es ist klug, herauszufinden, wann sich kämpfen lohnt, wie wir kämpfen sollten und wann ein Post angebracht ist.“

Michelle Obama und die Präsidentschaft

Die Präsidentschaft und ihr neues Leben als First Lady war für Michelle Obama, als ob sie plötzlich aus einer Kanone geschossen wurde – von einem ganz normalen Leben von jetzt auf gleich First Lady im Weißen Haus. Sie betont: „Jeder vergisst, dass ich, bevor ich First Lady wurde, ein normaler Mensch war. Ich habe in Princeton studiert, als Rechtsanwältin gearbeitet. Und erst mit über 40 kam ich ins Weiße Haus. Und was ich jüngeren Leuten mitgeben kann: Habt keine Angst! Es gibt immer Schwierigkeiten im Leben. Seid bereit, sie anzunehmen. Wann immer ihr eine Chance habt, nehmt sie an, umarmt sie und macht was draus.“

Denn eines der großen Probleme als First Lady sei, dass die Rolle nicht genau definiert ist. Und deshalb müsse jede First Lady ihre Rolle selbst finden. Michelle Obama wollte keine First Lady von Slogans werden. Sie wollte mehr tun für Familien von Militärangehörigen, sie wollte sich um eine bessere Ernährung kümmern und sie wollte sich beim Thema Bildung engagieren. Doch alles, worüber die Presse anfangs berichtete, waren ihre Schuhe und ihr Schmuck.

Doch letzten Endes ist sie auch für ihr soziales Engagement bekannt geworden. Ihr Erfolgsgeheimnis lautet authentisch sein. Tipps oder einen Zehn-Punkte-Plan „wie wirke ich authentisch“ habe sie leider nicht. Sie glaubt, es ist eine Frage des Temperaments. Und mehr noch: Es ist hart, für sich selbst einzustehen, wenn sich jemand selbst nicht liebt. Und daher rät sie: „Fragt euch immer, warum eure Meinung weniger wert sein sollte als die von anderen.“

Authentizität, Männer und Selbstvetrauen

Und in diesem Moment wendet sie sich speziell an die Frauen im Publikum, nachdem sie die Männer vorher charmant adressiert mit „Ich mag euch wirklich“ und dann mit Humor fortfährt: „Männer reden und reden und reden und nehmen viel Raum ein. Wir Frauen sind dazu erzogen, erst etwas zu sagen wenn es perfekt ist. Männer machen sich darum keinen Kopf. Blablabla. Das müssen wir erkennen, denn das hält uns davon ab, für uns zu kämpfen.“ Die Männer im Publikum nehmen es ihr nicht übel, einige schmunzeln sogar. Einmal mehr sind Michelle Obamas Waffen Charme und Humor erfolgreich.

Aber natürlich ist Michelle Obama auch sehr leistungsorientiert. Dennoch warnt sie davor, sich nicht zu viel auf den Teller zu packen. Doch gerade wer erfolgreich ist, weiss, dass die Latte der Erwartungen immer höher gehängt wird. Um zu bestehen, gilt es daher, genau das zu managen.

Nach einer Stunde und einem ganz normalen Interview mit einer Ex-First-Lady stellt sich also die Frage: Warum sollte die Presse über diese klugen Worte nicht berichten? Und es beruhigt die Tatsache, dass Twitter hier wundervolle journalistische Arbeit geleistet hat.

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