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Reportage

Zu Besuch bei Microsoft: So arbeitet es sich in der neuen Deutschlandzentrale

(Foto: Microsoft)

1.100 Arbeitsplätze für 1.900 Mitarbeiter, nicht mal die Chefin hat ihren eigenen Schreibtisch - so stellt sich Microsoft das Büro der Zukunft vor. Ein Besuch in der neuen Deutschlandzentrale.

Keine festen Schreibtische, weniger Arbeitsplätze als Mitarbeiter, Vertrauensarbeitszeit und Vertrauensarbeitsort - so arbeiten die rund 1.900 Mitarbeiter in Microsofts neuer Deutschlandzentrale in der Münchner Parkstadt Schwabing ab jetzt. „Smart Workspace“ nennt der Tech-Riese das. Arbeiten wann und von wo aus man will. Wer „nine to five“ in einem Büro sitzen will, kann das tun. Wer sich mehr Abwechslung wünscht, gerne von zu Hause oder von unterwegs aus arbeitet, kann das auch. Den Mitarbeitern soll so ein maximales Maß an Flexibilität und Selbstbestimmung gegeben werden.

Die neue Microsoft-Deutschlandzentrale im Münchner Stadtteil Schwabing. (Foto: Microsoft)
Die neue Microsoft-Deutschlandzentrale im Münchner Stadtteil Schwabing. (Foto: Microsoft)

Der Bau des Gebäudes, das am Dienstag mit großem Brimborium und prominenten Gästen aus der Politik eröffnet wurde, dauerte zwei Jahre. Den Auszug aus dem weniger zentralen Unterschleißheim und den neuen Standort in München, dem „Office mit Windows“, haben letztendlich die Microsoft-Mitarbeiter bestimmt. Nötig sei eine Änderung des Umfelds aber geworden, sagt Personalchef Markus Köhler. Das alte Gebäude war nicht mehr adäquat, die Grenzen der Möglichkeiten zur Zusammenarbeit sei erreicht worden. Zusätzlich habe sich noch die Unternehmensphilosophie geändert. „Wir sind jetzt offen, wollen Transparenz schaffen und laden jeden ein, vorbeizukommen. Das ist schwer in Unterschleißheim“, gibt Köhler zu. So wird man bei der Eröffnung auch nicht müde zu betonen, dass das Atrium für jeden offen steht. Interessierte Bürger können jederzeit in der „Digital Eatery“, einem Café mit kleinen Speisen, Platz nehmen und Microsoft-Produkte ausprobieren.

„Work-Life-Flow“ statt „Work-Life-Balance“

Microsoft spricht bei dem neuen Arbeitskonzept vom „Work-Life-Flow“. Laut Microsofts Deutschland-Chefin Sabine Bendiek stellt es den Menschen in den Mittelpunkt und ist nicht so starr wie das altbekannte „Work-Life-Balance“-Modell, das eine feste Aufteilung von Arbeit und Privatleben beinhaltet. Aber die Grenzen zwischen den beiden seien mittlerweile eben fließend. Möglich macht’s natürlich die Digitalisierung. Für Bendiek stößt sie den größten Wandel in der Arbeitswelt seit der Industrialisierung an. Und in diese schöne neue Digitalwelt passen eben keine traditionellen Bürokonzepte mehr.

In der neuen Zentrale gibt es 1.100 Arbeitsplätze für 1.900 Mitarbeiter. Das Unterangebot soll durch flexible Arbeitsorte wie beispielsweise dem Homeoffce ausgeglichen werden. (Foto: Microsoft)
In der neuen Zentrale gibt es 1.100 Arbeitsplätze für 1.900 Mitarbeiter. Das Unterangebot soll durch flexible Arbeitsorte wie beispielsweise dem Homeoffice ausgeglichen werden. (Foto: Microsoft)

Alleine hat das Windows Unternehmen das neue Konzept aber nicht entwickelt. Hilfe hat es sich beim renommierten Fraunhofer-Institut geholt. „In der Umsetzung ist Microsofts Konzept einzigartig in Deutschland, zumindest was Unternehmen in dieser Größenordnung betrifft”, so Udo-Ernst Haner, Leiter des Kompetenzteams „Information Work Innovation” des Instituts.

Um der Vision auch baulich gerecht zu werden, ist jeder der nach Arbeitsschwerpunkten wie Vertrieb, HR oder Recht aufgeteilten Bereiche in vier „Spaces“ gegliedert. Die Accomplish-Area entspricht wohl am ehesten dem klassischen Büro. Hier reiht sich Arbeitsplatz an Arbeitsplatz, es wird telefoniert, gemailt, getippt. Brauchen Mitarbeiter mehr Ruhe, können sie sich in den Think-Bereich mit Ohrensesseln zurückziehen. Im Converse-Space ist Platz für abstimmungsintensive Teamarbeit und der Share & Discuss-Bereich soll die Belegschaft zum kreativen Austausch und spontanen Zusammentreffen einladen.

„Wir verfolgen einen anderen Ansatz als Google“

Natürlich gibt es auch die obligatorischen Mitarbeiter-Goodies. „In unserer Industrie gehören Massagen, Yoga und Fitnessstudios mittlerweile zum Standardpaket“, sagt Personalchef Köhler. Trotzdem verfolge der Konzern einen anderen Ansatz als beispielsweise Google. „Unser Ziel ist es nicht, unsere Mitarbeiter so lange wie möglich am Arbeitsplatz zu halten. Wir wollen ihnen die Plattform bieten, ihre Arbeit so gut wie möglich zu machen.“

(Foto: Microsoft)

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Natürlich müsse bei all der gegebenen Freiheit der Arbeitsort immer im Kontext mit dem Team und den Aufgaben abgestimmt werden, bringt Köhler an. Und wenn ein Mitarbeiter mehr Führung oder Linie brauche, dann müsse der Vorgesetzte ihm das auch ermöglichen. In der täglichen Arbeit seien Hierarchien kaum spürbar, trotzdem gebe es natürlich Verantwortliche, betont Köhler. Die setzen sich einmal im Quartal mit den Mitarbeitern ihres Teams zusammen und besprechen Leistung, Ziele und wie gut der flexible Arbeitsort funktioniert.

Dass jemand seinen Schreibtisch vermisst, hat er bisher noch nicht gehört: „Ich arbeite schon seit vielen Jahren so und kann es mir nicht mehr anders vorstellen.“ Anders als Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter, der wie Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner anlässlich der Eröffnung gekommen ist. Es juble zwar das ganze Rathaus, besonders der Kämmerer freue auf die Steuereinnahmen, die jetzt in die bayerische Landeshauptstadt flattern. Auch auf die knapp 1.800 Quadratmeter große Dachterrasse sei der Rathauschef neidisch. Aber auf seinen Schreibtisch verzichten? Das wolle er nun wirklich nicht.

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3 Reaktionen
Meixger

Schön und gut. Ich persönlich möchte aber nicht auf einem seitlichen Beistelltisch mit gerkümmten Rücken gebückt am Laptop arbeiten.

Einen halbwegs ergonomischen Arbeitsplatz hab ich in der Galerie nicht gefunden...

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Markus

Ohne es selbst ausprobiert zu haben, hätte ich meine Meinung dazu. Ich fahre ganz bewusst an meinen Arbeitsplatz, weil ich dort ein Team in meiner Nähe weiß und mich Skype & Co nicht glücklich machen. In meinem aktuellen Umfeld würde ich sogar noch behaupten, dass mir die subtilen Informationen verloren gehen und die sind meist entscheidender als die harten Fakten. Zudem fahre ich gern an meinen Arbeitsplatz, weil da eine Umgebung auf mich wartet, die für 80% meiner Tätigkeiten perfekt auf meine Bedürfnisse abgestimmt ist. Was ich mache könnte ich überall mit Internet machen, aber nur in meinem winzigen Büro habe ich es eben perfekt abgestimmt und das macht für mich viel aus. Es hat aber auch etwas gutes. Die Gerüchteküche ist chaotischer und kann sich weniger stark auf Bereiche im Unternehmen fokussieren. Das würde oft helfen.

Egal wie meine Einstellung dazu ist, ich würde schon zugeben, dass es nur eine Meinung ist und ohne eigenes Experiment über einen längeren Zeitraum ist und bleibt es nur eine Meinung. Es ist nämlich gut möglich, dass die Nachteile (die ich bisher so rein interpretiere) durch Vorteile aufgehoben werden, die ich so nicht kenne.

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Tina

Ich bin Mutter und arbeite derzeit in Teilzeit sowohl im Büro als auch im HomeOffice. Ich find's super, dass mein Arbeitgeber da so flexibel ist. Aber ich habe meinen festen Arbeitsplatz. Ich weiß morgens. wenn ich ins Büro komme, wo ich sitze ... und wo meine Kollegen sitzen. Würde mich tierisch nerven, wenn ich mich jedes Mal neu orientieren mpsste.

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