Analyse

Microsofts Office-Zukunft liegt im Web, weniger auf Windows

Ein Blick ins Microsoft Envisioning Center. (Foto: Microsoft)

Microsoft hat sich auf der Build 2019 für die Zukunft der Arbeit in Stellung gebracht. Dabei steht die Plattform Microsoft 365 im Fokus – interessanterweise spielt dabei Windows 10 eher eine Nebenrolle.

Die Redmonder werkeln seit Jahren an der Zukunft der Arbeit: Ihr Ziel ist dabei unter anderem, Menschen besser und effizienter von überall auf der Welt zusammenarbeiten zu lassen, Aufgaben schneller und an jedem Gerät erledigen zu können. Dabei hat Microsoft nicht nur womöglich revolutionäre Kollaborationslösungen im Blick, sondern denkt ganzheitlicher an eine neue Organisationskultur und die Ausgestaltung des Arbeitsplatzes an sich.

Wie sich der Softwareriese die Zukunft der Arbeit vorstellt, beschreibt das Unternehmen dabei nicht nur in Textform und durch neue Tools, sondern versucht es zumindest intern auch greifbar zu machen. Hierfür ist schon 2013 in Gebäude 33 des Redmonder Microsoft-Campus das sogenannte Envisioning Center eröffnet worden. Auf der etwa 600 Quadratmeter großen Fläche sind verschiedene Arbeits- und Wohnszenarien mitsamt Prototypen aufgebaut, die darstellen sollen, wie man in drei bis sieben Jahren arbeiten und leben könnte.

Ein Blick ins Microsoft Envisioning Center. (Foto: Microsoft)

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Wie The Verge schreibt, sind die Räume etwa mit riesengroßen Bildschirmen à la Surface Hub und Whiteboards für kollaboratives Arbeiten ausstaffiert, in Besprechungsräumen werden die Meeting-Teilnehmer automatisch erkannt und die Schreibtische sind eher große, berührungsempfindliche Displays. Die Interaktion mit der Hardware könne über Touch-, Sprach- und sogar Augmented Reality-Anwendungen erfolgen. Microsofts Desktop-OS Windows sei lediglich eine Plattform unter vielen.

Microsoft baut an der Zukunft der Arbeit – abseits von Windows

Bei der Software wird selbstredend auf Eigenentwicklungen wie Word oder Powerpoint, die Slack-Alternative Teams, Suche sowie das Microsoft-Bot-Framework Cognitive-Services gesetzt. Auch der Sprachassistent Cortana kommt zum Einsatz, der künftig eine elementare Rolle in Business-Anwendungen des Konzerns einnehmen soll. Als Grundgerüst, das gewissermaßen alles zusammenführt, dienen Microsofts Graph, der mehrere Dienste und Geräte verbindet, und der Cloudservice Azure, für die im Zuge der Build neue Tools angekündigt wurden.

Während bei Microsoft in der Vergangenheit der Fokus auf der Modernisierung von Windows und Office gelegt wurde, scheint sich der Fokus verstärkt auf webbasierte (Microsoft-)Dienste und die Open-Source-Community verlagert zu haben. Mit diesem Ansatz erreicht das Unternehmen eine weit größere Nutzerschaft als „nur“ Windows-Anwender. Mittlerweile spielt sich schließlich immer mehr auf Mobilgeräten als auf dem Desktop ab. Seit Jahren lautet Microsofts Motto – insbesondere nach dem Aus von Windows 10 Mobile –, dass man mit den eigenen Produkten dorthin gehe, wo die Nutzer sind. Diese Strategie zeigt sich weiterhin deutlich. Außerdem zielt das Unternehmen verstärkt auf Webservices weg von nativen Apps. Aus diesem Grund hat sich das Unternehmen von der eigenen Rendering-Engine verabschiedet und sich für eine quelloffene Version basierend auf Chromium mit besserer Kompatibilität für viele Websites entschieden. Der neue Browser wird nicht nur für Windows 10 und ältere Versionen, sondern auch für macOS, iOS und Android entwickelt.

Fluid Framework: Microsoft verabschiedet sich vom klassischen Dokument

Microsoft 365: Fluid Framework in Aktion. (Bild: Microsoft)

Microsoft 365: Fluid Framework in Aktion. (Bild: Microsoft)

Der neue Browser mit aktueller Engine dürfte ein wichtiges Puzzlestück für Microsofts künftige Dienste sein. Denn sie sollen sowohl für Mobil- oder Desktopgeräte optimiert sein und dynamisch in Echtzeit mit allen Nutzern bereitgestellt werden. Dafür hat das Unternehmen das sogenannte Fluid Framework entwickelt, bei dem einzelne Inhalte eines Dokuments wie Tabellen, Text und Grafiken in Module wie Lego-Bausteine zerlegt und als Webkomponenten in viele Microsoft-Produkte (etwa Word oder Teams) oder Websites eingebunden werden können. Dabei wird nicht nur der eigene neue Edge-Browser unterstützt, sondern auch Chrome und Firefox.

Microsoft 365: Fluid Framework in Aktion. (Bild: Microsoft)

Microsoft 365: Fluid Framework in Aktion. (Bild: Microsoft)

Laut Microsoft ist das Framework auch für Audio und Videoinhalte ausgelegt, zum Start im Laufe des Jahres aber noch nicht integriert. Das Fluid Framework sei dabei wie der Browser und andere Komponenten des Unternehmens quelloffen, sodass die Entwickler-Community sich damit austoben könne.

Sprachassistent, KI-Tools und mehr: Microsoft 365 mit vielen Neuerungen

Das Fluid Framework soll nicht nur eine neue Art der Kollaboration ermöglichen, sondern es beherbergt darüber hinaus diverse weitere Tools. Unter anderem wird der digitale Assistent Cortana integriert, mit dem etwa Echtzeitübersetzung von Text in verschiedene Sprachen gleichzeitig ermöglicht wird.

Microsofts Spracherkennung kann künftig zwischen Sprechern unterscheiden. (Foto: t3n)

Microsofts Spracherkennung kann künftig zwischen Sprechern unterscheiden. (Foto: t3n)

Spannend etwa für Mitschriften zur Dokumentation oder auch für Interviews ist eine Funktion, die Microsoft im Zuge einer Campus-Tour demonstriert hat: Das Unternehmen arbeitet daran, Gespräche und Meetings mit mehreren Personen in Echtzeit zu transkribieren und die Inhalte den jeweiligen Sprechern zuordnen zu können.

Die neuen Funktionen Microsofts erinnern an die Zukunft, die das Unternehmen seit Jahren in seinem Envisioning Center erträumt. Eine von Microsofts größten Herausforderungen dürfte nun sein, die Features so in seine existierende Plattform zu integrieren, dass sie vom Nutzer auch verstanden und eingesetzt werden können.

Eine ähnliche futuristische Marschrichtung können wir womöglich auch bei Windows erwarten, wenngleich das Unternehmen auf der Build kaum ein Wort über sein Betriebssystem verloren hatte. Es mehren sich seit Monaten die Hinweise, dass eine neue Variante von Windows künftig modular aufgebaut ist und so auf jeder Plattform und Gerätekategorie – auch auf Foldables, dem Surface Hub 2s oder der Hololens 2 – laufen könnte.

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Disclosure: Die Reise unseres Autors zur Build 2019 wurde von Microsoft finanziert. Einfluss auf die Berichterstattung hat das nicht.

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Ein Kommentar
Dominik

Innovativ denken und investieren können die US-IT-Giganten. Aber ich sehe dies nicht nur positiv. Kernprodukten die den Hauptumsatz ausmachen vermissen zunehmend die Detailliebe. Teilweise wird auch am wirklichen Bedarf der Nutzer vorbeigeschossen, nur um sicherzustellen nicht einen erwarteten Trend zu verpassen oder gar zu Gunsten vorheriger gescheiterter Projekte einen Trend zu entwickeln. Hier sehe ich genug Weichen für EU-Unternehmen den besseren und effizienteren Weg in der Firmenstrategie zu ebnen. Nur die Bürokratie wird uns noch viele Jahre das Leben schwer machen.

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