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Wegen zu hoher Miete: Berliner Startup erstreitet Rekordrückzahlung für WG

Lexfox-Gründer und Rechtsanwalt Daniel Halmer. (Foto: wenigermiete.de)

Das Berliner Startup Lexfox, das die Plattform wenigermiete.de betreibt, hat für eine Kreuzberger WG eine Rekordrückzahlung erwirkt. Die Studenten können sich über 14.000 Euro freuen.

Das Geschäftsmodell sogenannter Legaltechs, also Startups, die automatisiert Ansprüche von Verbrauchern bei Zugverspätungen oder zu hohen Mieten vor Gericht durchsetzen, ist nicht unumstritten. Für Verbraucher sind sie oftmals ein Segen, weil sie auch Kleinstbeträge erstreiten – und dabei leistbar sind. Kritiker werfen den Portalen vor, Anbieter mit Klagen zu überziehen und damit viel Geld zu verdienen. Jetzt hat das vom Berliner Startup Lexfox betriebene Portal wenigermiete.de eine Rekordrückzahlung für eine WG erstritten.

Einem Bericht des Spiegel (Paywall) zufolge hatte eine Kreuzberger WG in Ermangelung des Geldes für einen Anwalt wenigermiete.de damit beauftragt, eine Ermäßigung für die weit über dem Mietspiegel liegende Miete der Wohnung zu erstreiten. Für die vier Zimmer auf 110 Quadratmeter sollten die Studenten 1.400 Euro Kaltmiete zahlen. Einen Antrag auf Senkung des Mietpreises um 200 Euro hatte die Wohnungsverwaltung zuvor abgelehnt.

Startup erstreitet 14.000 Euro für WG

Nach einem holprigen Verfahren inklusive Klagezurückweisung und erfolgreicher Berufung einigten sich Vermieter und Mieter schließlich darauf, dass die WG künftig nur noch 700 Euro Kaltmiete zahlen muss – rückwirkend. Der Vermieter muss daher 14.000 Euro zurückzahlen und 90 Prozent der Prozesskosten tragen. Von dem Geld wollen sich die WG-Bewohner jetzt „neue Möbel auf unserem großen, hellen Innenhof-Balkon“ kaufen. Lexfox sicherte sich ein Erfolgshonorar in der Höhe von 2.800 Euro, wie der Spiegel berichtet. Dabei half dem Legaltech auch die Mietpreisbremse, die seit 2015 gilt.

Insgesamt haben laut Lexfox in den vergangenen beiden Jahren 50.000 Haushalte ihren Mietvertrag auf der Website prüfen lassen. Mehrere Tausend Fälle zur Mietpreisbremse bearbeite das Startup demnach derzeit. Die Erfolgsquote soll bei 80 Prozent liegen. Nach Angaben von Lexfox werde die ortsübliche Vergleichsmiete um durchschnittlich 190 Euro überschritten, wie der Spiegel schreibt. Noch ist Lexfox aber nicht profitabel.

Beim Deutschen Mieterbund, praktisch ein Konkurrent des Onlineportals, sieht man Lexfox als nicht zwingend notwendig. Wer Mitglied eines Mietervereins sei oder eine Rechtsschutzversicherung mit Mieterschutz habe, könne seine Ansprüche auch über diesen Weg geltend machen, sagte Sprecher Ulrich Ropertz schon im Frühjahr 2017 gegenüber t3n. Das wäre für die Mieter am Ende sogar billiger. Außerdem könnte so einer möglichen Verschlechterung des Verhältnisses zwischen Mieter und Vermieter vorgebeugt werden.

Rechtlich umstritten

Lexfox und wenigermiete.de sind aber auch rechtlich umstritten. Über das Geschäftsmodell der Onlineplattform soll Mitte Oktober vor dem Bundesgerichtshof verhandelt werden. Das Landgericht Berlin führt ins Feld, dass wenigermiete.de keine Inkassodienstleistung erbringe, sondern unerlaubte Rechtsdienstleistungen. Kritisiert wird auch, dass die Legaltechs Erfolgshonorare nehmen und sich externes Geld von Investoren besorgen. Einen Namen gemacht zu haben scheint sich wenigermiete.de aber in jedem Fall. Dem Mitgründer des Portals Daniel Halmer zufolge soll mittlerweile nicht einmal mehr jeder zehnte Fall vor Gericht enden.

Hinweis: In einer früheren Version haben wir das Startup fälschlicherweise als Legalfox bezeichnet. Richtig ist Lexfox. Wir haben das entsprechend geändert.

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2 Kommentare
Torsten der Zauberer
Torsten der Zauberer

„Wer Mitglied eines Mietervereins sei oder eine Rechtsschutzversicherung mit Mieterschutz habe, könne seine Ansprüche auch über diesen Weg geltend machen…“

Auch wenn man nicht von subjektiven Erfahrungen als alles schließen kann: Ich mag den Konjunktiv an diesem Satz! Wenn es nach unserem Anwalt gegangen wäre, der uns vom Mieterbund einmal gestellt wurde, hätten wir direkt einpacken sollen. Minimal effort war da die Devise und hätten wir ihm (damals als Mieter) nicht so extrem zugearbeitet…

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Paul Müller
Paul Müller

Hm…es klingt interessant. Ich werde sehen, ob ich es später anwende.

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