Fundstück

Min: Der minimalistische Open-Source-Browser im Kurztest

(Screenshot: Min)

Mit Min geht ein minimalistischer Open-Source-Browser an den Start. Dessen Nutzer-Interface verfolgt zwar ein interessantes Konzept, unter der Haube sieht es aber bedenklich aus.

Min: Was unterscheidet den minimalistischen Browser von der Konkurrenz?

Min will die Browser-Erfahrung vereinfachen. Dazu verzichtet der Browser vollständig auf die üblichen Navigationselemente: Es gibt keine Vor- und Zurück-Buttons, keinen Reload-Button und auch die Adressleiste bleibt die meiste Zeit verborgen. Das schafft zwar am oberen Bildschirmrand ein wenig mehr Platz als bei einem Browser üblich, bringt aber auch Probleme mit sich.

Browser: Bei Min soll weniger mehr sein. (Screenshot: Min)

Wenn ihr euch in eurer Tab-Historie vor- oder zurückbewegen wollt, dann bleibt euch nur der Einsatz eines Tastaturbefehls oder ihr müsst die Aktion umständlich über einen Rechtsklick auf der Seite aus einem Menü auswählen. Klickt ihr auf einen Tab, öffnet sich die Adress- beziehungsweise Suchleiste. Die funktioniert in etwa so, wie wir es von Chrome kennen.

Min: Die weiteren Funktionen im Überblick

Die vermutlich interessanteste Funktion von Min ist auf den ersten Blick gar nicht ersichtlich. Ihr könnt eine Reihe von Tabs als sogenannte Aufgabe abspeichern. Die Idee: Für verschiedene Arbeitsaufgaben habt ihr dann ein vorgefertigtes Set an Tabs, die ihr jederzeit abrufen könnt. Min zeigt dann nur jeweils die zur aktuellen Aufgabe gehörenden Tabs an.

Die Tab-Listen sind eine praktische Funktion. (Screenshot: Min)

Außerdem gibt es eine Lesefunktion, die Onlinetexte in ein leicht lesbares Layout umwandelt. Das funktionierte in unserem Test aber nur bedingt. Außerdem verfügt Min über einen integrierten Werbeblocker. Der verfügt allerdings im Grunde über nur zwei Zustände: an oder aus. Einzelne Websites lassen sich daher nicht auf eine Whitelist setzen. Außerdem muss der Browser nach einer Änderung der Einstellungen neu gestartet werden. Wenn eine Website ihre Inhalte nur bei deaktiviertem Werbeblocker anzeigt, müsst ihr demnach erst euren Browser neu starten, wenn ihr die Funktion üblicherweise verwendet.

Min: Warum die Electron-Basis ein großes Problem darstellt

Wirklich problematisch wird es, wenn wir uns die technische Basis von Min anschauen. Der Browser basiert auf dem Electron-Framework von Github. Das wiederum nutzt Chromes Open-Source-Basis Chromium und ist dazu gedacht, native Applikationen mit Hilfe von Webtechnologien zu entwickeln. Electron kommt beispielsweise bei Githubs Atom-Editor zum Einsatz und wird darüber hinaus vor allem dafür genutzt, Web-Apps in native Anwendungen zu verwandeln. Auf die Art kommt Electron beispielsweise bei den Desktop-Anwendungen von Slack, Github oder Yammer zum Einsatz.

Der Min-Browser in Bildern

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Und auch wenn es erst mal nicht verkehrt klingt, dass Min im Grunde auf Chromium aufsetzt, ist das Ganze alles andere als optimal. Im Gegensatz zu Googles Browser verzichtet Electron prinzipbedingt auf die Abschottung der Webprozesse durch eine Sandbox. Daher raten die Electron-Macher auch entschieden davon ab, Webinhalte aus unbekannten Quellen darüber auszuführen. Konkret heißt es dazu von den Electron-Machern: „Willkürliche Inhalte aus nichtvertrauenswürdigen Quellen darzustellen, stellt ein schwerwiegendes Sicherheitsrisiko dar.“

Fazit

Da unsere Browser nicht nur das digitale Tor zur Welt, sondern auch potenzielle Einfallstore für vielerlei Angriffsformen darstellen, sollte Min nicht als Standardbrowser verwendet werden. Immerhin ist der Browser aber ein interessantes Beispiel dafür, was sich am Nutzer-Interface von Browsern verändern ließe.

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2 Kommentare
Peter
Peter

Schnarch. Monate zu spät mal wieder T3N. Ist doch längst viral gegangen, war auf allen wichtigen Plattform und jetzt kommt ihr damit auch nochmal um die Ecke haha

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J.D.
J.D.

Ein Artikel über ein Thema machen und die betroffene Internetseite nirgendwo verlinken.
Scheint mittlerweile Standard bei t3n zu sein…

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