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Mitarbeiterkritik: Signals Wachstum wirft ethische Fragen auf

Signal Messenger. (Foto: Shutterstock)

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Die Whatsapp-Alternative Signal wächst mit rasanter Geschwindigkeit. Mitarbeitern des Dienstes geht das zu schnell. Sie fürchten, für die falschen Personen attraktiv zu werden.

Whatsapps erzwungene Zustimmung zu geänderten Datenschutz-Bestimmungen treibt Menschen in Scharen zu alternativen Messengern. Signal profitiert in besonders hohem Maße davon.

Signal verdoppelt Nutzerzahlen innerhalb eines Monats

Offizielle Zahlen gibt es zwar nicht, aber Zählungen von Dritten sehen den Messenger, der Ende 2020 noch bei 20 Millionen weltweiten Nutzern gelegen haben soll, inzwischen bei 40 Millionen.

Damit hätte sich die Nutzerzahl innerhalb eines Monats verdoppelt. Oder – anders ausgedrückt – Signal hätte in vier Wochen so viele Nutzer akquiriert wie in den sechs Jahren davor. Das ist indes nicht ohne Reibungsverluste abgegangen.

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Immer wieder war es zu Ausfällen oder Verzögerungen im Versenden und Zustellen von Nachrichten gekommen. Zeitweise konnte der Dienst wegen Überlastung keine neuen Nutzer bestätigen. Auch dieser Tage kommt es immer wieder zu Verzögerungen im Nachrichtenverkehr.

Mehr zum Thema: Signal-Messenger: Tipps und Tricks für den Einstieg

Signal-Mitarbeiter sehen steigende Popularität kritisch

Das ist sicherlich nicht zielführend auf dem Weg, eine echte Whatsapp-Alternative für die breite Masse zu werden. Es ist allerdings nicht dieses Thema, das nach einem Bericht von The Verge Teile der Mitarbeiterschaft des Non-Profit-Messengers beunruhigt.

Vielmehr sehen manche Mitarbeiter Signals es als kritisch an, dass der Dienst keine expliziten Richtlinien dafür hat, wer als Nutzer akzeptiert werden soll und wer nicht. Sie fordern Regeln, die es ermöglichen, bestimmte Nutzer vom Dienst auszuschließen, etwa, wenn sie Signal zur Koordination von Vorfällen wie dem Sturm auf das Kapitol nutzen würden.

Signal-Chefs sehen sich als Infrastruktur-Anbieter

In der Leitung des Non-Profits treffen diese Stimmen auf eine Form von Unverständnis. Immerhin habe man Signal genau zu dem Zweck gegründet, dass Menschen miteinander kommunizieren können, ohne abgehört zu werden. Nicht umsonst hätte nicht einmal der Dienst selber die Möglichkeit, die versendeten Nachrichten einzusehen und nicht umsonst würden die Nachrichten nicht auf zentralen Servern gespeichert.

Für Signal-Gründer Moxie Marlinspike ist die Sache klar. Er wolle den Messenger nicht in einen „pseudo-neutralen Konflikt zwischen guten und bösen Akteuren“ treiben und darin aufreiben. Immerhin gebe es rund um den Globus eine ganze Menge an Unterdrückten und Aktivisten, die auf einen absolut sicheren Kommunikationsweg angewiesen seien. Jede Art von Aufweichung, die erfolgen müsste, um „Bad Actors“ zu finden, würde zwingend die Sicherheit derer beeinträchtigen, die die Anonymität lebenswichtig benötigen.

Auch Brian Acton, Mitgründer von Whatsapp und inzwischen bei Signal an Bord, findet klare Worte. Signal sei keine „Nanny Company“, habe also keine „Kindermädchen-Funktion“, sondern stelle lediglich eine sichere Technologie zur Verfügung. Böse sei schließlich nie eine Technologie, sondern eventuell die Personen, die diese Technologie benutzen. Deshalb müsse man stets die Personen, nicht die Technologie betrachten.

 

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3 Kommentare
davids
davids

Es mag gute Gründe gegen die Wünsche der Mitarbeiter geben, aber
„Technology ist selbst nie böse“ ist Schwachsinn. Damit liesse sich jegliche Deregulierung
rechtfertigen.

Antworten
hexachlor
hexachlor

Es geht doch gar nicht um die (De-)Regulierung von Signal. Was und wie will man denn da (de)regulieren? Um Fieslinge rauszuwerfen, muss man entweder schon vorher wissen, das es Fieslinge sind und diesen gar keinen Zugang zur Technik geben. Oder man muss wissen was die Fieslinge untereinander schreiben. Das wissen Sie aber beides nicht, wegen nicht vorhandenem Zugriff auf Führungszeugnisse/Strafregister und der Verschlüsselung. Ende der Diskussion zum Thema Regulierung.

Eigentlich geht es um rumgeunke von Menschen die auf rumgeunke reagieren. Weder bei Verge noch hier wird darauf eingegangen welche und wieviele Mitarbeiter da besorgt sind. Genannt werden immer nur 2:
– Gregg Bernstein, jemand der sein Geld damit verdient andere zu beraten, wie sie Anwenderverhalten beobachten und auswerten können (vorher bei Mailchimp und Vox Media)
– Brian Acton – einer der Mitgründer von Whatsapp.

Wer da (sonst noch) aus welchen Gründen rumunkt wird in den Artikeln auch nicht klar. Ist es die Angst, vom Staat an die Kandarre genommen zu werden? Ist es die Tatsache das man sich auf ein sehr wackeliges Geschäftsmodell eingelassen hat und befürchtet das die Felle davonschwimmen? Wer weiß?

Zum Thema zweischneidige Technik: Man kann Moxie Marlinspikes Argumente und seine Indifferenz zur dargelegten Problemetik schon gut nachvollziehen. Die Verschlüsselung hat die gleiche Funktion wie ein Briefumschlag. Wenn der Staat/eine Firma physische Post öffnet und mitliest ist der Aufschrei groß: Big Brother, Stasi, etc.pp.. Bei digital verschlüsselter Kommunikation soll das jetzt OK sein?

Dann stelle ich mal die steile These in den Raum das wir unbedingt Steine regulieren oder gar verbieten müssen. Man kann damit ein Haus bauen, oder Mehl mahlen. Man kann damit aber auch einem anderen Menschen den Schädel einschlagen oder Mordwaffen wie Messer schärfen.

Antworten
davids
davids

„Weder bei Verge noch hier wird darauf eingegangen welche und wieviele Mitarbeiter da besorgt sind. “

Wir wissen: es sollen mehrere sein. Die Belegschaft weiß ja von der Veröffentlichung, die Gelegenheit
zum Widerspruch hat genau EINER anonym genutzt – nicht 2, 3 oder „mehrere“. Da gehe ich erstmal
davon aus, dass die veröffentlichte Meinung keine Einzelmeinung ist, sondern mindestens eine relevante
Minderheit repräsentiert. Alles Andere „einfach so“ zu vermuten wäre unlauter.

„Wer da (sonst noch) aus welchen Gründen rumunkt wird in den Artikeln auch nicht klar. “

Ja doch, es sind Mitarbeiter, die sich zweierlei Sorgen machen:
1) erstens dass Signal vermehrt für Aktionen genutzt wird, die sie ablehnen. Signal hat dafür keinerlei
Vorbereitungen getroffen, es gibt zB keine zustimmungspflichtige Nutzungsbedinung(Policy), die
dir verbietet, Signal im Rahmen einer Terroraktion zu nutzen. Es gibt auch
keine technischen Möglichkeiten, dich in dem Fall von der Nutzung auszuschliessen.
2) Die Sorge, dass der Staat, abgesehen von einer vermuteten Überwachungsgeilheit genau wegen diesen
Gründen Gesetze erläßt, die Signal in seinen Funktionen drastisch beschneiden.
Die ist durchaus gegeben, da die Diskussion um „wieviel Anonymität darfs denn sein?“ in den meisten
Demokratien erst jetzt so langsam heiß diskutiert wird und nicht wie zB in China „abgeschlossen“ ist.
Und worauf man sich dann einigt, ist auch in den USA noch nicht klar: es gibt eben auf beide Seiten
gute Argumente. Mehr Mißbrauch durch Nutzer liefert allerdings auch den Befürwortern einer
strengeren gesetzlichen Regulierung mehr Munition, das sollte auch klar sein.

Und zu meinem eigentlichen Kommentar, was „Nanny State“ angeht xD:
die USA sind, was Meinungsfreiheit angeht, eher am gegensätzlichen Ende der Waage, man darf
also schon viel mehr Unsinn verbreiten, auch im Vergleich zu anderen Demokratien.
Wer da von „Nanny State“ faselt, und das bei einem Selbstregulierungsvorschlag der Mitarbeiter,
hat keine Ahnung wovon er redet. Oder (da der Brian ganz sicher Ahnung hat) er will den Vorschlag
von vornherein diskreditieren, denn in den USA ist der Bammel vor dem „big state“ unverhältnismäßig
groß. Das hat also nichts mit den durchaus legitimen Argumenten gegen den Vorschlag der Mitarbeiter
zu tun.

Sry für den langen Text, ich höre jetzt auch auf :P

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