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Wie Mixed Reality schon heute die Arbeitswelt verändert

(Foto: Trimble)

Mixed Reality ist längst in einigen Unternehmen angekommen. Wir verraten euch, wie die Technologie bereits in verschiedenen Branchen eingesetzt wird.

Es klingt wie Science-Fiction, ist aber bereits Realität: Über eine in einen Schutzhelm integrierte Mixed-Reality-Brille können Vorarbeiter die dreidimensionalen Pläne eines Baus über den aktuellen Stand legen und so sofort sehen, welche Arbeiten nicht plangemäß umgesetzt wurden. Das System des Software-Unternehmens Trimble setzt dazu auf Microsofts Mixed-Reality-Brille Hololens und erlaubt es dem Träger sogar, Abmessungen aus der realen Welt mit den exakten Planvorgaben zu vergleichen.

Trimble ist jedoch längst nicht das einzige Unternehmen, das Mixed-Reality-Software für den Unternehmenseinsatz entwickelt. Einige der bereits aktiv genutzten oder noch in der Entwicklung befindlichen Mixed-Reality-Programme konnten wir am 15. Mai 2018 im Rahmen eines Pressetermins in Microsofts Büros in London testen. Dort wurde schnell klar, dass die Technologie eine ganze Reihe von Branchen nachhaltig verändern könnte – zumal einige Produkte bereits aktiv zum Einsatz kommen.

Mixed Reality hilft Chirurgen bei der Arbeit

Ein Beispiel dafür ist der Einsatz von Mixed Reality in der plastischen Chirurgie. Eine entsprechende Lösung wird bereits im Londoner St. Mary’s Krankenhaus getestet. Mit Erfolg, wie uns Mediziner vor Ort berichten. Auch das Hamburger Startup Apoqlar arbeitet an Mixed-Reality-Anwendungen für den medizinischen Bereich. Ihr System soll in der chirurgischen Praxis, aber auch in der Lehre zum Einsatz kommen.

In einer Demo konnten wir beispielsweise einen dreidimensionalen Scan eines Gehirntumors und einer Knochenfraktur ansehen. Laut Apoqlar-CEO Sirko Pelzl arbeitet das Startup mit einem Beratungsgremium zusammen, das sich aus Medizinern aus verschiedenen Fachrichtungen zusammensetzt. So sollen beispielsweise Neurochirurgen oder Radio-Onkologen genau die Werkzeuge erhalten, die in ihrem jeweiligen Fachgebiet benötigt werden. Das Interesse der Mediziner sei enorm, so Pelzl.

Auch in der Chirurgie wird Mixed Reality bereits eingesetzt. (Foto: Imperial College London)

Auch in Produktion und Wartung wird Mixed Reality bereits eingesetzt. So setzt Thyssenkrupp die Hololens ein, um Fahrstuhltechnikern bei der Wartung zu helfen. Eine Lösung aus dem Produktionsbereich, die wir selbst testen konnten, stammt von dem Technologieunternehmen PTC. Sie zeigten, wie ungelernte Mitarbeiter durch eine interaktive Anleitung durch den Zusammenbau einer Batterie geführt wurden. Die Demo war vielleicht nicht die beeindruckendste des Tages, zeigt aber nochmal deutlich, welchen Einfluss die Technologie letztlich nicht nur auf die generelle Produktivität, sondern auch den Arbeitsmarkt haben könnte.

Virtuelle Steh-Meetings statt Videokonferenzen

Die meisten der vorgestellten Lösungen beschränkten sich auf Arbeitsbereiche, in denen Computer oder Tablets schon allein deswegen keine gute Wahl darstellen, weil die eigentliche Tätigkeit nun mal zwei freie Hände erfordert. Daher fiel auch Kazendis virtuelle Meeting-Lösung Holomeeting zunächst etwas aus der Reihe. Die Software des Startups wurde zunächst als internes Tool zur Durchführung virtueller Steh-Meetings entwickelt und sollte dem über den Globus verteilten Team die Zusammenarbeit erleichtern. Die Software kam jedoch auch bei den zugeschalteten Kunden so gut an, dass Kazendi daraus ein kommerzielles Produkt entwickelt hat, das bereits in einigen Großunternehmen eingesetzt wird.

Alle Teilnehmer des virtuellen Meetings werden als 3D-Avatare dargestellt, die sich frei durch den Raum bewegen können. Der Clou ist jedoch eine in der Mitte des Raums dargestellte Box, in der Meeting-Teilnehmer von einem Kanban-Board bis hin zu allen möglichen Dateien wie PDF oder Präsentationen ablegen können. Die können dann im Team besprochen oder mit aufgemalten Hinweisen versehen werden. Praktischerweise zeigt ein kleiner Pfeil auch an, wohin die einzelnen Nutzer gerade schauen. Wer Probleme damit hat, sich bei längeren Videokonferenzen zu konzentrieren, dürfte schnell verstehen, welche Vorteile in einer solchen Lösung liegen.

Mixed-Reality-Brille: Die Hololens von Microsoft vermischt Virtuelles mit der Realität. (Foto: Microsoft)

Mixed Reality im Unternehmen: Wir stehen noch ganz am Anfang

Geht es nach Meinung der Microsoft-Führung, dann wird Mixed Reality unsere Arbeitswelt genauso verändern, wie es der Siegeszug des PC getan hat. Nur dass Hololens und Konsorten nicht unbedingt die Arbeit im Büro, sondern vor allem die Arbeitsbereiche verändern sollen, für die klassische Desktop-Computer und Tablets eben nicht geeignet sind. Das Potenzial ist zweifelsohne vorhanden. Zwar setzen die meisten Unternehmen Mixed Reality noch eher zaghaft ein, eine Skalierung nach oben bleibt in einigen Bereichen aber wohl nur eine Frage der Zeit.

Ein limitierender Faktor bleibt auf absehbare Zeit allerdings die Hardware. Wirklich schwer ist Microsofts Hololens mit unter 600 Gramm zwar nicht, zumal auch der Tragekomfort durchaus in Ordnung geht. Um sie jedoch den ganzen Tag zu tragen, müssten kommende Versionen wohl doch noch etwas abspecken. Ob es schon bei der nächsten Iteration so weit sein wird, bleibt abzuwarten. Immerhin wissen wir bereits, dass die Hololens 2 deutlich energieeffizienter arbeiten soll. Verfügbar ist die Brille vermutlich ab Anfang 2019.

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Disclosure: Die Reise unseres Autors nach London wurde von Microsoft finanziert. Einfluss auf die Berichterstattung hat das nicht.

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