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Marketing

Mobile Advertising: „Gängige Formate wie Banner sind doppelt nervig“

Mobile Advertising. (Grafik: Shutterstock)

Die Zahl mobiler Geräte steigt, doch der Werbemarkt scheint zu stagnieren: Mobile Advertising ist für Nutzer wie für Publisher ein großes Problem. Doch es gibt Ansätze für Lösungen, sagt Advertising-Experte Christof Wittig.

Mobile Advertising: Die Industrie arbeitet an nativen Anzeigenformaten

„Gängige Formate wie Banner wurden einfach auf Handydisplay-Größe herunter geschrumpft. Das macht sie doppelt nervig.“

t3n.de: Wie lange werden wir auf unseren Smartphones noch diese nervigen, unattraktiven Werbebanner sehen?

Christof Wittig: Hoffentlich nicht mehr lange! Die Industrie arbeitet daran, sogenannte native Anzeigenformate auf den Markt zu bringen. Die größten Fortschritte sieht man bei Facebook, Twitter oder auch Google Maps. Sie bieten Anzeigen-Elemente an, die nicht nur gut aussehen, sondern auch intent-driven sind. Das heißt, der Nutzer sieht die Anzeige im Kontext dessen, was er gerade beabsichtigt zu tun.

t3n.de: Ein Beispiel, bitte.

Wittig: Wenn ich auf Google Maps eine gesponserte Information zu einem Ort bekomme, nach dem ich gerade suche, ist das etwas anderes als eine Bannerwerbung, die mich erst mal davon abhält, an mein Ziel zu gelangen. Das ist vergleichbar mit einer Werbepause in einem Film – und grundsätzlich nur die zweitbeste Form von Werbung. Wenn ich gezielt eine Nachricht lese, zum Beispiel über den Flugzeugabsturz in Frankreich, will ich keine Anzeige über den neuesten Toyota sehen. Etwas anderes ist Facebook-Werbung, die weniger aufdringlich und relevanter ist – nicht zuletzt durch den Social Proof, etwa wenn meine Freunde das angezeigte Produkt schon mochten oder gekauft haben.

Werbung bei Google Maps? Etwas anderes als die klassischen Banner. (Bild: George Dolgikh / Shutterstock.com)
Werbung bei Google Maps? Etwas anderes als die klassischen Banner. (Bild: George Dolgikh / Shutterstock.com)

t3n.de: Warum ist Mobile Advertising bisher oft so uninspiriert?

Wittig: Die ursprünglichen, standardisierten Branchenformate kommen alle aus der Webbrowser-Welt: Gängige Formate wie Banner wurden einfach auf Handydisplay-Größe herunter geschrumpft. Das macht sie doppelt nervig, weil der Platz auf dem Bildschirm nun mal begrenzt ist. Am Anfang haben die Marktteilnehmer das mangels Alternativen akzeptiert, auch weil die Media-Agenturen nichts anderes verstanden und eingekauft haben.

t3n.de: Publisher haben vor allem wegen der extrem niedrigen Konversionsrate Bauchschmerzen mit den gängigen mobilen Werbeformaten.

Wittig: Das gilt nur für den Durchschnitt der Branche. Bei Facebook und Google sind die Konversionsraten im mobilen Bereich inzwischen höher als auf dem Desktop. Facebook mobil ist für jede App, die neu auf den Markt kommt, mit Abstand die Werbeform Nummer 1. Fernsehen, Print, Radio und Websuche sind dagegen erst mal völlig irrelevant.

„Man muss es eben richtig machen“

Products-Ads: Neues Anzeigenprodukt bei Facebook. (Grafik: Facebook)
Products-Ads: Ein noch recht neues Anzeigenprodukt bei Facebook. (Grafik: Facebook)

t3n.de: Trotzdem hat man den Eindruck, dass Veränderungen im mobilen Werbemarkt nur äußerst langsam passieren.

Wittig: Facebook hatte vor drei Jahren überhaupt keine mobilen Werbeeinnahmen, jetzt sind es mehr als 50 Prozent – und wir reden hier über viele Milliarden Dollar Umsatz. Das ist alles andere als langsam! Man muss es eben richtig machen. Macht man es falsch, kann man nicht erwarten, dass Zeit das Problem schon löst. Die Industrie muss sich darum kümmern, dann geht es rasend schnell – und Facebook hat das mehr als jedes andere Unternehmen vorgemacht.

t3n.de: Eine Studie zufolge werden die Ausgaben für mobile Anzeigen noch in diesem Jahr die für klassische Online-Werbung überholen. Teilen Sie diese Prognose?

Wittig: Ja. Es ist nur eine Frage der Zeit, vielleicht wird es ein paar Monate früher oder später sein.

t3n.de: Wie unterscheidet sich der deutsche vom amerikanischen Markt?

Wittig: Der deutsche Markt ist von den Werbeformaten her immer noch sehr rückständig, da herrscht viel Angst und wenig Akzeptanz neuer Formen. Ich würde sagen, dass Deutschland im Vergleich drei bis vier Jahre hinterher ist.

t3n.de: Facebook hat inzwischen eine eigene Plattform für Anzeigen, auf der das Unternehmen Anzeigenkunden und Agenturen Formate fürs Werbegeschäft anbietet. Sind solche Modelle die Zukunft?

„Facebook und Google zeigen beide ziemlich gut, wie Nutzerdaten zu besserer, gezielterer Werbung führen können.“

Wittig: Definitiv. Das Beispiel zeigt, wie ein dominierender Marktteilnehmer die Standards auf positive Weise revolutionieren kann. Dieses proprietäre Konzept hat im Netz schon immer funktioniert: Eine Firma baut ein Ökosystem auf, macht daraus einen Marktplatz und kontrolliert ihn. Diese Firmen entwickeln vorhandene Standards so weiter, dass sie kommerziell erfolgreich und angenehmer für die Nutzer sind. So geschehen bei Google und seinem Display-Network, Apple mit dem App-Store, Facebook mit seinem Ad-Network, oder Twitter mit MoPub.

t3n.de: Das bedeutet noch mehr Macht für große Internetkonzerne ...

Wittig: Das Ökosystem, das sich etwa auf dem App-Store aufbaut, hat ein gewisses Selbstkorrektiv, wodurch der Konzern seine Macht nicht missbrauchen kann. Gleichzeitig hat Apple den Einfluss, schlechte Nutzererfahrungen zu verhindern, indem er bestimmte Apps verbietet.

t3n.de: Facebook musste massive Kritik dafür einstecken, nun auch außerhalb des sozialen Netzwerks Daten über seine Nutzer zu sammeln und zu monetarisieren.

Wittig: Ich sehe das so: Hier wird endlich versucht, die von ihnen geschassten Werbebanner mit etwas zu ersetzen, was eine bessere User-Experience ermöglicht. Facebook und Google zeigen beide ziemlich gut, wie Nutzerdaten zu besserer, gezielterer Werbung führen können, die relevanter für beide Seiten und lukrativ für die Mittelsmänner zugleich sind. Eine Win-Win-Win-Situation. Warum soll dieses erfolgreiche Setup nicht auch über Facebook hinaus der Industrie zugute kommen?

Die Apple Watch: Potenzial für Mobile Advertising?

„Warum sollte jemand nicht lieber weniger für seine Apple Watch zahlen und dafür seine Herzfrequenz an einen Pharmahersteller abgeben?“

t3n.de: Bald kommt die Apple Watch auf den Markt. Eine riesiges Potenzial für mobile Werbung?

Wittig: Die Apple Watch ist natürlich sehr interessant für Werbung in Kombination mit Lokalisierungsdiensten wie iBeacon. Durch die permanent aktive Bluetooth-Funktion ist die Uhr jederzeit zu orten, wodurch sich extrem viele Nutzerdaten abschöpfen lassen. Wenn jemand zum Beispiel häufig zum selben Starbucks geht oder in einer bestimmten Region eincheckt, könnte er viel gezieltere und relevantere Werbung bekommen als bisher.

Die Apple Watch bietet durchaus Potenzial für Mobile Advertising. (Bild: Apple)

t3n.de: Die Apple Watch wird auch persönliche Daten wie die Herzfrequenz messen. Der Verkauf solch sensibler Daten wäre der Alptraum eines jeden Datenschützers ...

Wittig: Das kommt darauf an. Seit jeher hat die sich große Mehrheit von Kunden und Nutzern dafür entschieden, lieber nichts für eine Leistung zu zahlen, und dafür ein Stück Privatheit aufzugeben und Werbung zu akzeptieren. Man denke an Bezahlfernsehen versus Privatfernsehen, kostenpflichtige Apps versus Gratis- oder Freemium-Apps. Wenn für den Nutzer klar ist, was er aufgibt und was er im Ausgleich kriegt, ist das ein fairer Deal. Warum sollte jemand nicht lieber ein paar 100 Euro weniger für seine Apple Watch zahlen und im Gegenzug seine Herzfrequenz an einen Pharmahersteller abgeben?

t3n.de: Im Ernst?

Wittig: Wenn der Kunde die Wahl hat und der Deal klar formuliert wird, sehe ich überhaupt nicht, warum der Staat sich da einmischen sollte. Außer natürlich, dass er darüber wachen muss, dass die vereinbarten Regeln eingehalten werden.

Über den Gesprächspartner

Christof Wittig.

Christof Wittig ist ein Serial Entrepreneur, der in den vergangenen 20 Jahren an der Gründung zahlreicher Technologieunternehmen in Silicon Valley sowie in Deutschland maßgeblich beteiligt war. Derzeit arbeitet er an einem neuen Stealth-Startup im Bereich Machine-Learning. Zuvor war er Gründer und CEO von LiquidM, einer Firma mit Sitz in Berlin und San Francisco, die die Mobile-Advertising-Technologieplattform, ursprünglich entwickelt für Madvertise, an Drittkunden weiterlizensiert. Seit 2008 ist er an zahlreichen mobilen Unternehmen als Gründer, CEO und/oder Investor beteiligt – inklusive Kii Corporation, Hornet Networks, KeepSafe, Metago, Vespa Networks, und AppAnnie. Christof hat Abschlüsse von der TU München und der Stanford Graduate School of Business.

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4 Reaktionen
Gerti

Zitat: "Mobile Advertising ist für Nutzer wie für Publisher ein großes Problem. Doch es gibt Ansätze für Lösungen..."

Ich habe da auch eine Lösung, noch viel naheliegender eigentlich... Wenn beide ein Problem haben, dann lassen wir das doch einfach sein mit der Werbung, dann ist das Problem gelöst !

Antworten
Sascha

Die perfekte Lösung bieten wir mittels Mobile Skin!
Mobile-Addicted.com hat das Format Mobile Skin entwickelt, dass es ermöglicht endlich bei mobile Kampagnen über die Kreativität zu reden und Ideen auch umzusetzen und nicht ständig über technische Probleme zu reden! Auch ist unser Format aufmerksamkeitsstark aber nicht nervig für die Nutzer!
Wer es nicht glaubt, den überzeugen wir gerne!
Es wurde bereits etliche mal für namhafte internationale Kunden umgesetzt. Also keine beta Idee, sondern bereits erprobt!
VG Sascha Dinter

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heubergen

Jede Form von Werbung ist mir Recht, auch wenn sie damit die Privatspähre der User aushölt.
Was ich aber nicht verstehen kann/will ist wieso dass es für sämtliche Dienste und Anwendungen nicht einfach ein Premium Abo gibt. Damit könnte ich die Seite die es sich lohnen unterstützen und die anderen gar nicht ansurfen.

Antworten
Thomas

"Die Industrie arbeitet daran, sogenannte native Anzeigenformate auf den Markt zu bringen."
Klar. Eine taugliche Lösung wäre in wenigen Tagen programmiert, die gesamte Infrastruktur steht ja schon. Aber so überladen wie viele Webseiten sind, spielt die schrottige Werbung auch keine Rolle mehr. Da kommen dann erstmal 2 Popups "Wollen Sie die mobile XYZ.de herunterladen?" und man scorllt und findet irgendwo ein Nein. Dann kommt, ob man die Seite für Mobilgeräte optimiert anschauen will und wählt Ja. Dann kommt noch, ob man auf Facebook Fan werden möchte... Und dann sieht man einen Banner, der über der Seite liegt und mitscrollt und nicht geschlossen werden kann. Besser sind auch noch die Seiten, die einem eine halbe Minute Videowerbung unterschieben!
Was da im Interview alles gefaselt wird lässt sich ganz einfach auf eine Aussage runterbrechen. "Wenn der Anbieter nicht will, dass ich seine Inhalte konsumiere, dann mach ich das auch nicht." Diese Anbieter sollten ne Paywall machen und den Rest des Internets in Ruhe lassen.

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