Entwicklung & Design

Mobile HTML5-Entwicklung für iOS mit mehr Features, dank MobiUs

Die Firma AppMobi wird Entwicklern von Web Apps für mobile Geräte ein Begriff sein. Mit PhoneGap haben sie eines der mächtigsten Frameworks für mobile Web Apps im Portfolio. Darauf aufbauend wollen sie jetzt mit einem neuen iOS-Browser den nächsten Schritt hin zu vollem mobilen HTML5 gehen. Das Konzept hat allerdings Tücken…

MobiUs: Kein Browser, eher eine Plattform

Auf den ersten Blick ist der seit dem heutigen Tag im App Store kostenlos erhältliche MobiUs (iTunes-Link) ein mobiler Webbrowser. Er ist als Universal-App für iPhone und iPad ausgelegt. Lädt man ihn auf sein Device und startet die App, so fällt zunächst auf, dass MobiUs sich vor allem durch eine bis zur Unattraktivität reichende Featurearmut hervortut. Dem verwöhnten Browserverwender kommt nach dem ersten Aufruf von MobiUs sogar der Mobile Safari wie ein Funktionsbolide vor.

MobiUs: Die Stärken stecken unter der Oberfläche...

MobiUs startet im Porträtmodus und bleibt so, man kann das Gerät drehen und wenden wie man will. Ruft man allerdings etwa die mobile Twitter-Website auf und dreht das Device dann in die Querdarstellung, funktioniert es. Nicht nur das, MobiUs zieht sich in den Hintergrund zurück und lässt die mobile Twitter-Website wie eine App wirken.

Damit ist das Ziel der MobiUs-Macher aus dem Hause AppMobi bereits definiert. Web Apps sollen auf iOS-Devices nicht mehr von nativen Apps unterschieden werden können. Diesen Eindruck vermittelt die App sehr überzeugend.

Nun ist das Problem bei der Entwicklung mobiler Web Apps für iOS nur zum Teil eines der Browserfähigkeiten. Wesentlich schwerer wirken Einschränkungen, die Apple quasi künstlich aufrecht erhält, wie etwa der fehlende Zugriff auf das Dateisystem oder die integrierten Funktionalitäten, so jenige der Kamera oder des Accelerometers. Viele dieser Fähigkeiten rüstet MobiUs nach, indem es die AppMobi XDK, sowie die APIs aus PhoneGap integriert.

Auf diese, allerdings proprietäre Weise können Webentwickler unter Fokussierung auf MobiUs als Zielbrowser bereits heute echte fullfeatured HTML5-Apps entwickeln. AppMobi sieht einen großen Markt im Bereich der auf HTML5 basierenden Facebook-Spiele. Entwickler erhalten mit MobiUs Zugang zu Funktionen, die unter anderen Browsern nicht zur Verfügung stehen.

MobiUs legt einen besonderen Fokus auf HTML5-basierende Spiele

So unterstützt MobiUs neben weiteren Geräte-APIs das Offlinecaching und HTML5-Pushnotifications, sowie ein Bezahlsystem für In-App-Payments. Dadurch könntesich MobiUs zur vollwertigen Alternative zu nativen App Stores entwickeln. Sogar die Monetarisierung der Web Apps ist vorgedacht.

MobiUs: Wird der Nutzer den Weg mitgehen?

Die Umsetzung gestaltet sich im Grundsatz einfach: Entwickler fügen ihren Web Apps spezielle MobiUs-Tags hinzu, um die über den Standard hinausgehenden Funktionen nutzbar zu machen. Das Ziel ist, das Web wieder zu seinem eigenen Marketplace für interessante Apps zu machen. Das Interesse der Entwicklergemeinde dürfte gegeben sein. Immerhin liessen sich auf diese Weise die 30% Provision sparen, die sowohl Apple, wie auch Google einstreichen, wenn eine App über deren Marktplätze verkauft wird. Eine Androidversion von MobiUs befindet sich übrigens bereits in der Entwicklung und wird für Anfang 2012 erwartet.

Bleibt jedoch die Frage, welches Interesse der Nutzer an der Verwendung von MobiUs haben sollte. Immerhin muss er den Browser aktiv aus dem App Store ziehen, um damit in weiteren Schritten native Apps gegen Web Apps ersetzen zu können. Die Motivationslage, die zu solchem Handeln führen könnte, ist unklar. Solange der Nutzer keinen Nachteil in der Verwendung nativer Apps findet, wird er den einfachsten Weg nehmen und der führt über den Download der entsprechenden Software über den Hersteller-Marktplatz.

Im Falle des App Store könnte man sogar annehmen, dass es gerade die Bereitstellung über den App Store ist, die den Standardnutzer sorglos zur App greifen lässt. Immerhin gilt Apples Redaktion als recht rigide, was die Überprüfung der eingereichten Apps betrifft. Da kann eine beliebige Web App leichter ein Gefährdungspotenzial vor den unbedarften Augen eines Normalusers verbergen. Vorsichtshalber wird er womöglich die Finger davon lassen.

Im Grunde ist MobiUs entfernt mit Flash vergleichbar. So sieht es auch appMobis Technikchef Sam Abadir. Flash muss willentlich, mit Ausnahme von Chrome, auf den Rechnern der Verwender installiert werden, um die Funktionalität zu entfalten. In gleicher Weise muss der Verwender MobiUs auf seinem Gerät bereit stellen. Hat ja bei Flash auch geklappt, mag man optimistisch sagen und diesen Optimismus pflegt auch Abadir. Andererseits gibt es hunderte gegenteiliger Beispiele, in denen es Plugins und/oder Erweiterungen gerade nicht geschafft haben, das Nutzervertrauen zu gewinnen und in so hoher Zahl installiert zu werden, dass sich ein Markt darauf hätte entwickeln können.

Ich prognostiziere daher der unbestreitbar kreativen Herangehensweise von MobiUs, dass der allgemeine technische Fortschritt das Konzept noch vor dem Erreichen der kritischen Masse überholt haben wird. Immerhin könnte MobiUs als Fortschritts-Beschleuniger wirken…

Was haltet ihr davon? Könnt ihr euch vorstellen, einen Browser zu installieren, um damit bestimmte Web Apps nutzen zu können? Könnt ihr euch vorstellen, gezielt für MobiUs zu entwickeln?

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