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Mobility Inside – Initiative will Fahrt mit Bus und Bahn einfacher machen

(Foto: Deutsche Bahn)

Die Initiative Mobility Inside will ein Ärgernis beim Kauf von Fahrkarten beseitigen. Doch der Weg zu einer gemeinsamen Softwareschnittstelle der ÖPNV-Anbieter ist beschwerlich.

Der öffentliche Personenverkehr ist in Deutschland immer noch von einer beeindruckenden bis erschreckenden Kleinteiligkeit geprägt. Bahn und Fernbus auf der einen Seite, eine Vielzahl von Verkehrsverbünden, aber auch zahlreiche verbundfreie lokale Busunternehmen auf der anderen Seite sorgen dafür, dass der Weg von A nach B ohne Auto beschwerlich wie eh und je ist – auch wenn in den letzten Jahren durch die zahlreichen Apps ermöglicht wird, ohne langes Anstehen Tickets zu buchen.

Jetzt arbeitet der Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) an einer App, die es auch innerhalb der gängigen ÖPNV-Apps geben soll, mit der die Kunden Tickets von Haustür zu Haustür aus unterschiedlichen Verkehrsunternehmen kombinieren können. Ein Kunde, der etwa von Hannover nach München fährt, könnte so auch ohne die pauschalen City-Tickets der Bahn über eine App Fahrkarten kaufen, die den Bahn-Anteil, das Üstra-Ticket und das MVG-Ticket enthalten. Bisher ist es zwar ebenfalls möglich, über die Bahn-App DB Navigator Tickets für einzelne Verkehrsverbünde zu erwerben und herunterzuladen – der Kunde kauft aber im Prinzip beim jeweiligen Verkehrsunternehmen, das über eine API eingebunden wird und erhält auch nur auf Nachfrage oder per Download eine korrekte Rechnung des Verkehrsunternehmens.

In Zukunft soll das anders werden. Der Verband plant in Kooperation mit der Infra-Dialog Deutschland eine Initiative samt App namens Mobility Inside, die mittelfristig den überregionalen Kauf von Fahrkarten aus einer Hand und mit einem Geschäftspartner ermöglichen soll. Die Abrechnung untereinander (Clearing-Verfahren) und die Koordination innerhalb der Verkehrsunternehmen soll die Initiative übernehmen. Durch die Auslieferung personalisierter Werbung innerhalb der App könnten, so stellen sich das die Initiatoren vor, außerdem noch weitere Erträge erwirtschaftet werden, insbesondere im Local- und Hyperlocal-Bereich.

Mobility Inside: Angebotsbündelung im ÖPNV

Die beteiligten Verkehrsunternehmen – neun an der Zahl zu Beginn, darunter die Verkehrsbetriebe von Frankfurt, Stuttgart, München, Bochum, Dortmund und Mannheim sowie die Bahn – stehen dabei vor einer großen Aufgabe. Denn einerseits wollen die Verkehrsbetriebe hieraus natürlich Erkenntnisse gewinnen, wie man den Nahverkehr verbessern kann, umgekehrt sollen aber Datenschutz und Privatsphäre der Kunden gewahrt bleiben. Eine Single-Sign-on-Lösung soll das System für den Kunden möglichst einfach nutzbar machen. Ob man sich hier an eines der bekannten Systeme wie Net-ID oder Verimi anschließt, ist noch nicht bekannt.

All das soll als White-Label-Lösung mithilfe und auf Basis einer gemeinsamen API bewerkstelligt werden. Zwar gibt es hier bereits einige ältere Ansätze, doch die sind, das hört man von Verkehrsexperten, teilweise aus einer Zeit, in der Smartphones und Apps noch bestenfalls in den Kinderschuhen steckten. Eine Herausforderung dürfte es dabei auch sein, die zahlreichen unterschiedlichen Bedürfnisse und Standards der beteiligten Unternehmen unter einen Hut zu bekommen.

Verkehrsunternehmen könnten von Mobility Inside profitieren

Eine wichtige Haftungsfrage wird dabei auch noch die Fahrgastrechte betreffen. Denn eine durchgängig gebuchte Fahrkarte würde als eine Reise im Sinne der Fahrgastrechte zählen. Wenn also beispielsweise ein Partner den gewünschten Anschluss nicht leisten kann, bedeutet das eine anteilige Rückerstattung für den Kunden nach europäischem Recht. Doch hier stellt sich die Frage nach der Verantwortlichkeit – ein Thema, das regelmäßig schon im Bahn-Konzern für Diskussionen mit alternativen Bahnunternehmen führt, wenn beispielsweise auf einer Teilstrecke eine Privatbahn zum Einsatz kommt (oder auch umgekehrt).

Fahrplandaten, Echtzeitdaten (Stichwort Verspätungen) und Tarife lassen sich so in einem System anzeigen, das, so ist der Plan, aus der jeweiligen App des lokalen Verkehrsunternehmens heraus genutzt werden kann. Für die Initiatoren ist das eine gute Ausgangslage, weil der Kunde nicht ein spezielles System oder eine spezielle Marke „neu lernen“ muss (Stichwort Qixxit oder Ally, die zwar leistungsfähig sind, aber erst bekannt werden mussten).

t3n meint: Eine gemeinsame Plattform für die Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel – und das deutschlandweit mit nur einem Vertragspartner. Das klingt zu gut, um in absehbarer Zeit wahr werden zu können. Letzten Endes wird es für den Erfolg darauf ankommen, ob und wie schnell aus den bislang neun Partnern ein flächendeckendes Netz in Deutschland wird. Wie gut die Chancen dabei stehen, kann man nur erahnen. Denn einerseits verfügen mehr als zwei Dutzend größere Verkehrsverbünde bereits über die Möglichkeit, ihre Fahrkarten als Whitelabel-Lösung innerhalb der Bahn-App zu verkaufen. Andererseits hat die Vergangenheit gezeigt, dass gerade was die Abrechnungsmodalitäten betrifft, oft schon innerhalb eines Verbunds kaum eine Einigung zu erzielen ist. Eine Einbindung in die gewohnten Apps der Verkehrsunternehmen klingt zumindest schon nach einer guten Idee, die die Akzeptanz und Verbreitung (auch bei Gelegenheitsnutzern) erhöhen könnte. Tobias Weidemann

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