Interview

Mozilla-CEO Chris Beard: „Wir werden eine Premium-Version anbieten“

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t3n: Wie genau funktioniert das? Cookies einfach nicht speichern?

Dave Camp: Wenn ein Dritter ein Cookie anlegen will, sagen wir: „Ok, vielen Dank. Du hast das Cookie angelegt. Aber wenn sie das nächste Mal fragen, welche Cookies da sind, sagen wir: „Wir haben nie ein Cookie gesehen. Du hast diese Person noch nie gesehen.“

t3n: Es geht nicht nur um Cookies. Vor ein paar Tagen ging die Nachricht rum, dass Google alle Rechnungen und damit alle Einkäufe von Gmail-Nutzern speichert.

Chris Beard: Du kannst deine Kaufhistorie der letzten zehn Jahre anschauen und solche Sachen. Wir wissen, dass die großen Firmen solche Daten anhäufen. Und wir glauben, Menschen sollten beides haben: Transparenz und Kontrolle darüber.

t3n: Könnt ihr Menschen mit dem Privacy-Argument überzeugen? Wie groß ist euer Marktanteil?

Chris Beard: Das ist schwer zu sagen. Eigentlich bräuchte man dafür den perfekten Überblick über das Internet. Ich würde sagen, Google hat diesen Überblick. Wir nicht. Aber die Statistiken, die es gibt, sagen uns, wir haben einen Marktanteil, also einen Desktop-Anteil, von ungefähr zehn Prozent. Wenn du den ganzen Markt betrachtest, inklusive Mobile, sind es fünf Prozent. Ungefähr 280 Millionen Desktop-Nutzer, und 30 bis 40 [Millionen] mobil.

t3n: User entscheiden sich selten bewusst gegen Privatsphäre. Sind euer Problem Technik und Features – oder eher die Bekanntheit?

Dave Camp: Deswegen haben wir die Enhanced Tracking Protection ja entwickelt. Es ging uns nicht darum, zu sagen: „Wenn du die Einstellungen richtig machst, schränkt es dich nur ein bisschen ein, aber es ist privat.“ Unser Ziel ist es, dass man keine Kompromisse eingeht. Wir sollten in der Lage sein, die Lösungen anzubieten, ohne dass man darüber nachdenken muss. Es soll keine schwere oder schwierige Entscheidung sein, aber einfach die Grundeinstellung.

„Jetzt sind die Menschen das Produkt.“ – Mozilla-CEO Chris Beard

t3n: Microsoft baut den Browser jetzt auch mit Chromium, der Technologie von Google Chrome. Das sorgt nicht unbedingt für mehr Diversität im Netz.

Chris Beard: Es ist eine kritische Zeit für das Internet. Wir sehen mehr und mehr, dass das Internet im Großen und Ganzen nicht mehr so gut für die Menschen ist. Wenn du über die Versprechungen des Internets und des Webs nachdenkst: eine dezentrale, offene Plattform, auf der jeder veröffentlichen kann, jeder das auch finden kann und auf der es keine Gatekeeper gibt, keine Kontrolle – das ist mit Sicherheit nicht passiert. Wir sehen das Gegenteil. Und jetzt sind die Menschen das Produkt. Deine Aufmerksamkeit wird gehandelt, ebenso Daten und Privatsphäre. Und die Behörden – der Regulator – versuchen, aufzuholen.

t3n: Okay, aber das ist ja nichts ganz Neues. Warum ist es jetzt plötzlich kritisch?
Die Menge an Daten, die über Individuen gesammelt werden, und der Einfluss und die Kontrolle, die sich in den Händen von ein paar großen amerikanischen Firmen gesammelt haben, sind an einem kritischen Punkt für das Internet. Wir realisieren nicht das Potenzial, das eine globale, verteilte Plattform hat, um der Menschheit zu helfen – nicht nur ein paar Firmen oder bestimmten Bürgern. Ich würde sagen, es ist ein dunkler Moment in der Zeit. Und es ist eine Herausforderung. Aber wir sind Herausforderer. Und die Rolle, die wir spielen, ist, den Status quo herauszufordern, weil wir glauben, dass er nicht gut für die Menschen ist.

„Wir sind kleiner als die Marketing-Abteilungen von all unseren Konkurrenten.“ – Mozilla-CEO Chris Beard

t3n: Wenn du Herausforderung sagst, meinst du euer Produkt, eure Bekanntheit oder die Politik?

Wir sind kleiner als die Marketing-Abteilungen von all unseren Konkurrenten. Unsere größte Herausforderung ist es, Aufmerksamkeit zu erregen und die Leute zu erreichen.

t3n: Ihr bekommt aber auch Geld von Google, wenn Leute über das URL-Fenster im Firefox Browser bei Google suchen. Ihr fordert die Leute heraus, die eigentlich eure Geschäftspartner sind?
Chris Beard: Ja, ich würde sagen Search ist heute unser Haupteinkommen. Wir haben Partnerschaften mit den großen und ein paar kleinen Suchmaschinen. Es hängt ein bisschen von der Geografie ab, Yandex in Russland, Baidu in China, Google in vielen Ländern, und wir haben noch zweite Positionen, wie Ebay oder Amazon und sowas. Search macht einen Großteil unseres Einkommens aus.

t3n: Ihr lebt von den großen Internet-Konzernen, und kritisiert sie?

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Dein t3n-Team

5 Kommentare
marvin-guth

Mal schauen, ob Mozilla sich mit so einem Abo Modell unabhängiger macht kann. Ich denke es ist der richtige Weg.

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NoMad
NoMad

Hey Mozilla, wenn Ihr Geld für die Entwicklung von Firefox wollt, dann bietet doch einen Abo-Service an mit dem Nutzer individuelle Builds mit benutzerdefinierten Einstellungen erhalten. Sowas wie vorinstallierte Skins, Proxy-Einstellungen, Addons, Config-Variablen wie die PUSH URL und die URL zur Erkennung von Captive Portals (damit der Fuchs nicht bei jedem Start nach Hause telefoniert…)
Das würde auch viele Unternehmen interessieren für einfaches Deployment.

Sonst wird es bald eine „Edge Version“ von Firefox geben ohne den ganzen unnötigen Kram: Werbung auf der Startseite, Browserverlauf-Synchronisation in die Cloud, Werbung beim Online-Banking…

> Wir können feststellen, wenn du in einem öffentlichen WLAN bist und Onlinebanking machen willst und sagen: „Wow, du solltest wirklich VPN benutzen.“

Also wird in Zukunft basierend auf meiner Aktivität im Netz Werbung angezeigt? Klar kann das „offline“ erkannt werden, also ohne dass mein Browserverlauf an Mozilla geschickt wird, aber wer will beim Online-Banking mit einem Werbe-Popup genervt werden? Und was bringt ein VPN bei Online-Banking, welche Bank hat denn bitte kein TAN-Verfahren mit dem jede Transaktion durch 2FA abgesichert wird? Welche Bank bietet kein HTTPS?

Investiert das Geld von den Suchmaschinen lieber in ordentliche QA damit ihr beim nächsten mal nicht verpennt das Zertifikat für AddOn-Signierung zu verlängern, ihr Amateure!

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Thomas
Thomas

Wenn sich Mozilla zusehends kommerzialisiert, wozu braucht man es dann noch?

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Steve
Steve

„Wow, du solltest wirklich VPN benutzen.“

Wow, ihr trackt also nicht nur was ich im Web mache, sondern schnüffelt auch wie ich den Zugang zu !10. bekomme? Wow, das ist mal wirklich ein wow-vektor, um in euren speak zu talken.

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Marc Mertens

Das Hauptproblem in den heutigen Zeiten des Internets ist, dass wir uns alle daran gewöhnt haben viele Softwares und IT-Produkte im ersten Blick „kostenlos“ zu erhalten. Oftmals stehen oder standen dahinter pfiffige Entwickler (m/w/d) ohne Gewinnabsichten oder eine Art NPO (non-profit-organization) oder auch studentische/akademische Teams.

Bei den großen Internet-Dinosauriern wie Facebook, Google, Amazon und anderen bezahlt man natürlich mit seinen Daten und den enormen Speichermengen bzw. vorgeblichen intelligenten Algorithmen, welche die Daten analysieren, damit man die „beste Kundenerfahrung“ machen kann. Damit lassen sich mittlerweile Umsätze wie ganze BIPs von anderen Nationen erzielen und wird damit immer erfolgreicher, sowie geradezu gefühlt unangreifbar.

Underdogs oder unabhängige Entwickler haben hier das Nachsehen, weil die politischen Regierungen mit den agilen Möglichkeiten des WWW naturgemäß nicht hinterher kommen und dem Überwachungskapitalismus nicht Herr werden. Zumindest hier hat in einigen Zügen die DSGVO/GDPR einiges an Arbeit und Impulsen geleistet.

Mozilla sollte nun versuchen, dass es weiterhin eine Daseinsberechtigung hat und der letzte Zertifikats-GAU hat gezeigt, dass es bei Problemen relativ gut reagieren kann und transparent mit dem Problem umgegangen ist. Das sehe ich als Pluspunkt für Mozilla.

Allerdings ist die Infopolitik durch eine zu große Entfernung zu den Nutzern ein Nachteil (Idee, registrierte Firefox-User mehr aktivieren oder Registrierung mehr erzeugen) und ich würde mir klar wünschen, dass man lieber den Browser offen und ehrlich mit einem kleinen Euro bezahlt, dafür aber so wenig externe Verbindungen zu Google oder „Sponsored Content“ hat, wie nur irgend möglich! Der wesentlichste Faktor ist, dass ich bereit wäre auch gerne Geld zu geben ist, dass ich die dafür erhaltene Qualität oder die Datenhohheit erkennen möchte. Wenn zig Smartphone- oder Betriebssystem-Appstore-Anbieter die dämlichsten Spiele- oder Pipifax-Apps für kleines Geld verhökern können, warum dann nicht für einen echt guten Browser etwas bezahlen?

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