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Kommentar

MP3: Das Audioformat ist frei, nicht tot!

Musik wird auch in den nächsten Jahren noch eng mit dem Audioformat MP3 verknüpft sein. (Quelle: stevecoleimages - iStock.com)

MP3 ist nicht die Zukunft? Who cares? Es ist auf jeden Fall für sehr viele Anwender die Gegenwart – und dürfte es auch noch lange aus guten Gründen bleiben.

MP3 ist tot – so oder ähnlich titelten zahlreiche Medien in den letzten Tagen. Grund für die Nachricht war das Auslaufen des letzten Lizenzprogramms der Fraunhofer-Gesellschaft. In der Tat dürfte sie es sein, die am meisten Tränen vergießt – aber nicht aus Trauer um das Dahinsiechen eines populären Musikformates, sondern eher angesichts des zweistelligen Millionenbetrags, den man Jahr für Jahr an den Lizenzverträgen verdient hat.

Es war daher nur eine Frage der Zeit, bis sich auch MP3-Erfinder Karlheinz Brandenburg zu Wort melden würde. Er gilt als der „Vater von MP3“ und hat in den neunziger Jahren maßgeblich an der Erfindung des verlustbehafteten, aber Platz sparenden Audioformats mitgewirkt. Tot sei MP3 noch lange nicht, widerspricht der Professor vehement in der FAZ. Er verweist mit Recht darauf, dass es sich auch heute noch um das am weitesten verbreitete Musikformat handelt, das von praktisch jedem tragbaren Audiogerät abgespielt werden kann. Und dieses Musikformat ist jetzt frei – also eher ein Grund zum Feiern.

MP3 ist mehr als ein Audioformat – es ist ein Gattungsbegriff

Denn bei näherem Hinsehen hat das Musikformat noch viel vor sich, wirkt höchst lebendig, gerade wo es jetzt lizenzfrei für alle Hersteller (und nicht nur über halblegale Umwege wie den Lame-Encoder) nutzbar ist. Wohl jede mögliche Hardware, die irgendwas mit Audio zu tun hat, unterstützt das Audioformat bereits heute und wird es auch in Zukunft tun.

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In der Tat hat MP3 mindestens eine Generation in Sachen Musikkonsum geprägt und auch der Musikindustrie nach schmerzlichen Erfahrungen den Weg zu tonträgerunabhängigen Verkäufen geebnet. Fragt man heute Menschen im Musikbereich, für welches Format die Kunden am ehesten zu zahlen bereit sind, dann fällt auch im Jahr 2017 noch MP3. Für viele sei MP3 einfach der Gattungsbegriff für Musikdateien schlechthin, das Format, bei dem man sicher sein könne, dass auch noch in einigen Jahren die entsprechenden Audiogeräte in der Lage sein werden, das abzuspielen.

Das Bessere ist der Feind des Guten? Bei MP3 nicht wirklich

Dank umfangreicher Verbesserungen in den Codecs und der heute üblichen höheren Bitraten fällt es selbst audiophilen Nutzern schwer, auf bezahlbarer Hardware in einem Blindtest den Unterschied zwischen einer MP3-Datei und dem Original auf CD zu ermitteln. So schön AAC, das übrigens auch schon seit 2003 am Markt ist (ist das dann auch bald tot?), das quelloffene Ogg Vorbis oder die verlustfreien oder hochwertigeren Formate wie FLAC oder MPEG-H sein mögen, sie alle haben das Problem, das in den achtziger Jahren schon Betamax und Video 2000 hatten: Es reicht eben nicht, eine technisch bessere Lösung zu bieten, sie muss auch im Markt akzeptiert sein. Und das trifft auch im Jahr 2017 nach wie vor auf MP3 zu.

Bei Audio-Streaming-Diensten und Webradios spielt das MP3-Format in der Tat keine große Rolle mehr – Spotify und Co. sind aber nicht der einzige Weg, Musik zu konsumieren, auch wenn die Streaming-Anhänger anmerken, dass es ja „sowas von 90s“ ist, sich seine Festplatte mit Musikdateien vollzuladen. Aber hey – was ist Plattenplatz? Jeder, der schon einmal erlebt hat, dass ein Streaming-Dienst aus lizenzrechtlichen oder wirtschaftlichen Gründen Dateien entfernt hat, wird mir zustimmen, wenn ich sage „nur was ich auf meiner Festplatte habe, kann ich auch jederzeit nutzen“. Auch im Flugzeug, auf der einsamen Insel oder wo sonst ich keine (oder eine teure) Datenverbindung habe – und das auch noch in fünf Jahren. Und es mag im Sinne der Shareconomy ja tatsächlich opportun sein, sich seine Musik zu mieten. Das auf Besitz basierende Geschäftsmodell hat zumindest bei Kunden, die für Musik wirklich Geld auszugeben bereit sind, noch lange nicht ausgedient, sei es in Form von Musikdateien, als CD oder gar Vinyl.

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8 Reaktionen
Knarf

Gott sei dank gibt es ein freies Format "Opus" das besser wie mp3 ist und von allen freien Playern abgespielt wird. ( VLC )

Deshalb läuft hier ein falsche Diskussion ab!?

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Knarf

um nicht zusagen sogar besser als AAC ist.

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Bernd Schmidt

Frei verfügbar und dann auch noch kostenlos. Da muss das MP3-Format bekämpft werden. Das Internet stand einmal für Freiheit und "keinen Kommerz". Viele Opensource-Projekte legen davon Zeugnis ab. Das Bildbearbeitungsprogramm GIMP, der VLC-Mediaplayer und das Betriebssystem Unix sind lobenswerte Ergebnisse. Am Anfang, man will es kaum glauben, war google völlig werbefrei. Dann kam seitlich rechts die Reklame dazu und heute findet man das Gesuchte oft erst auf den Folgeseiten, weil sich auf der ersten Seite nur Reklamelinks befinden.

Mit MP3 hat Frauenhofer bahnbrechendes geleistet. Sehr gute Komprimierung bei sehr guter Qualität sind möglich, nicht aber das Setzen eines Kopierschutzes. Und das stört den Kommerz. Und so setzen die Kapitalinteressierten darauf das Format an den Rand zu drängen. Alle Versuche waren bisher kontraproduktiv. Es ist schlimm, wenn sich Protagonisten von Zeitschriften, auch von Fachzeitschriften, vor diesen Karren spannen lassen. Die sollten daran denken, dass der gute Ruf oft mehr wert ist als Geld.

Übrigens: Zum Thema Reglementierung des Internets. Manchmal wird ja behauptet, das ließe sich nicht oder nur schwer machen. Am Beispiel der MP3 Musik im Internet kann man das Gegenteil beweisen. Am Anfang war die Musik frei verfügbar. Tauschbörsen blühten(Beispiel NAPSTER). Dann trat der Kommerz auf. Mit einigen Musterprozessen wurden die Tauschbörsen beseitigt und danach wurde jeder belangt, der etwas in das Netz gestellt hat. Heute gibt es, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nur noch relativ wenige vom Inhaber freigegebene MP3-Musik. Ein gutes Beispiel, für die sehr wohl vorhandenen Möglichkeiten das Internet zu reglementieren.

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Ulf

Euer Artikel vom 15.5. https://t3n.de/news/mp3-tot-ende-erfolgsgeschichte-822843/
Heißt jetzt: "MP3 ist jetzt offiziell abgeschrieben: Das Ende einer deutschen Erfolgsgeschichte" (vorher stand "tot" statt "abgeschrieben")
In der URL steht noch "tot" und unter dem ersten Bild steht noch "MP3 ist jetzt offiziell tot. "
Gebt euch doch wenigstens etwas Mühe. Oder fangt diesen Artikel an mit:
"MP3 ist tot – so oder ähnlich titelten zahlreiche Medien in den letzten Tagen. Auch wir haben uns zum Clickbait hinreißen lassen."

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Ein anderer Kevin

"MP3 ist tot – so oder ähnlich titelten zahlreiche Medien in den letzten Tagen"

Ihr seid solche Heuchler. Ihr selbst habt am Montag euren Artikel, der zwischenzeitg umbenannt wurde *huch*, eben genauso betitelt.

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Sandra

Das habe ich auch gedacht ;)

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Lars

Ich bleibe meiner mp3 Sammlung auch treu und ergänze regelmässig neue/alte Sachen. Ich nutze zwar auch Spotify aber es gibt weite Bereiche der elektronischen Musik (Ambient 90er), die es bisher bei keinem der Streaming-Anbietern gibt.

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Florian

Mmmm, 90er Jahre Ambient. Nice, hier das war eine meiner ersten CDs, der trauer ich immer noch ein bisschen nach, ist leider irgendwann mal kaputt gegangen: https://www.discogs.com/Various-The-Ambient-Way-To-Dub/release/316104

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