Kommentar

Warum du den Mut haben solltest, auch ohne Plan B zu kündigen

Kündigen ohne Plan B. (Foto: Shutterstock-Eldar Nurkovic)

Ohne Plan B kündigen? Das geht doch nicht! Doch, meint t3n-Autor Andreas Weck. Auch wenn es gute Gründe dagegen gibt, sollten Ängste nicht die Oberhand gewinnen. Ein Kommentar.

Seit einigen Jahren folge ich einer Devise: „Love it, change it or leave it!“ Was du nicht liebst, solltest du ändern. Und wenn es sich nicht verändern lässt, solltest du es hinter dir lassen. Mit dieser Einstellung kommt man im Leben voran, so meine Erfahrung. Dass man allzu lange auf der Stelle tritt oder sich mit unliebsamen Dingen arrangiert, ist so ziemlich ausgeschlossen. Egal, ob es sich um eine enttäuschende Freundschaft, eine erkaltete Liebe oder einem demotivierenden Job handelt. Wenn es nicht mehr passt und es keinen Ausweg gibt, heißt es für mich – und sicher auch viele andere Leser und Leserinnen –, weiterzugehen. Schon Hesse schrieb in seinem Gedicht „Stufen“ passend: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“

Eine Kündigung hat einen reinigenden Charakter

Viel zu oft verharren Menschen jedoch im Status quo. Das große Aber treibt sie um. Ohne Plan B unternehmen sie keinen Schritt – so beispielsweise im Job: Kündigen, ohne eine neue Stelle zu haben? Das geht doch gar nicht! Sagen wir es so: Es geht. Auch wenn es natürlich beruhigender ist, während der Kündigung bereits etwas in der Hinterhand zu haben, muss es jedoch nicht zwangsläufig so sein. Mehr noch: Manchmal ist es sogar besser, keinen Plan B zu haben und trotzdem erst einmal den Job zu kündigen. Denn wer auf einmal nicht mehr im Hamsterrad strampelt, bekommt plötzlich einen neuen Blick für das Wesentliche und kann sich ernsthaft existenziellen Lebensfragen stellen: Wer bin ich? Und was will ich eigentlich?

„Eine Kündigung ohne Plan B geht oft mit Furcht einher.“

Das klingt für viele Menschen, deren Leben von Verpflichtungen flankiert ist, wie ein Scherz. Gerade der Job lässt sich nicht immer so leicht abschütteln. Viele Menschen stecken bis zu beiden Ohren in der Lohnfalle. Sie haben eine Familie zu ernähren oder einen Kredit auszulösen – manchmal sogar beides. Doch daran liegt es oft gar nicht, dass sie nicht einfach kündigen. Bei genauerer Betrachtung würden sie es sogar tun, hätten sie nur ein paar Ersparnisse. Das Argument ist natürlich völlig legitim. Und trotzdem würde ich auch diesen Menschen raten, sich nicht allzu lange von Ängsten stoppen zu lassen. Auch für sie gibt es Wege – ein Aufhebungsvertrag oder finanzielles Polster für die ersten drei Monate bieten ein Mindestmaß an Sicherheit.

Eine Kündigung ohne Plan B geht oft mit Furcht einher. Ich glaube jedoch, dass die meisten Ängste sich nur bedingt bewahrheiten und die wenigsten Menschen ihre Entscheidung im Anschluss wirklich bereuen. Denn eines ist klar: Wer im „Leave it“-Modus steckt, hat oft schon einen langen Leidensweg hinter sich. Sobald die Angst vor der Kündigung jedoch überwunden ist, hat man den Kopf endlich frei, um über einen neuen beruflichen Weg nachzudenken. Und wer seinen alten Job verlassen und anschließend ein paar Wochen für sich hat, kann auch neue Kraft tanken und aufgeschobene Aufgaben ganz ohne knappen Rahmen angehen. Kurz gesagt: So eine Kündigung hat in der Regel einen enorm reinigenden Charakter.

„Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten. An keinem wie an einer Heimat hängen“, lautet eine andere Zeile in Hesses berühmten Gedicht. Sie besagt, dass ein ausgefülltes Leben immer auch Veränderungen mit sich bringt. Und Veränderungen setzen immer auch Mut voraus. Diesen Mut zur Veränderung kann einem niemand einfach so einpflanzen. Den muss jeder selbst aufbringen. Dass das nicht immer leicht ist, ist nachvollziehbar. Aber wer sich nicht mit den Umständen arrangieren oder sie verändern kann, muss eben gehen. Auch wenn das manchmal heißt, keinen Plan B zu haben. Im Leben ist es oft doch so: Je üppiger die Pläne blühen, desto verzwickter wird die Tat. Leben ist das was passiert, während du Pläne machst.

Erfolgreicher im Job: Diese Apps helfen euch bei der Karriere
Jobsuche: Die kostenlose Truffls-App für iOS und Android ist ein Tinder für Bewerber. Wer auf der Suche nach einem interessanten Job ist und fündig wird, swipt einfach nach rechts und schickt einen Lebenslauf ab. Antwortet das Unternehmen, kommt es zum Match. (Grafik: t3n / dunnnk)

1 von 15

Übrigens, auch dieser Beitrag könnte dich interessieren: Kein Bock mehr auf Tretmühle? Wenn Frust zum Dauerzustand wird, hilft nur noch ein Jobwechsel. Lies auch: Jobwechsel – 12 Anzeichen, warum du kündigen solltest

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

4 Kommentare
Ben
Ben

Das kann nur jemand schreiben der keine Kinder hat, somit also keine Verantwortung im Leben trägt.

Antworten
Sunny
Sunny

Das sehe ich genau so wie der Autor. Das hat auch nichts damit zu tun, ob man Kinder oder Familie hat. Wer immer fleissig bis zu seinem Rentenalter einem Job oder einer Taetigkeit nachgeht, den/die er gar nicht mag, macht sich kaputt, ohne es zu merken. Es liegt in der Natur des Menschen, immer mehr erreichen zu wollen, worauf sie hinarbeiten, ohne darauf zu achten, was sie sich und ihrem Koerper damit antun. Nicht umsonst sind Burnout und Depressionen die Volkskrankheiten Nummer 1 in Deutschland. Nur dieses immer mehr und immer besserer Lebensstandard kann doch gar nicht gehalten werden. Die Rente entspricht nur einem Bruchteil dessen, was man waehrend seiner Arbeitszeit verdient. Drastische Einschraenkungen oder Altersarmut sind die Folge. Ein Haus kann vielleicht gar nicht mehr finanziert werden. Da stellt sich doch die Frage, fuer wen man eigentlich 40 Stunden die Woche arbeitet? Sicher nicht fuer sich selbst. Das kurze Leben rauscht in der aktiven Taetigkeit nur so an einem vorbei. Wo liegt denn da das Problem, wirklich einen Schritt zu wagen, die ganze Arbeitskraft anstelle in eine fremde Person (naemlich dem Chef der Firma, der sich n Porsche und ne tolle Villa und vor allem viel Freizeit mit Deiner Arbeitskraft leisten kann) in sich selbst steckt? Man weiss dann wenigstens wofuer man arbeitet, tut das, was einem Spass macht und ist sehr wahrscheinlich gut darin. Denn jeder, der etwas macht, was einem richtig gut gefaellt, macht das hervorragend. Es ist in unserer Gesellschaft, in unserem System leider nur so, dass sehr oft und erfolgreich mit Aengsten gespielt wird. Die Menschen haben vor jeder kleinen Veraenderung Angst. Aber warum eigentlich? Man sollte sich mal die Frage stellen, was im
schlimmsten Fall passieren kann, wenn ich den ungeliebten Job kuendige? Ich verdiene nix und meine Plaene klappen auch nicht, weil ich zb. zu wenig dafuer tue. Dann geht man halt zum Amt und laesst sich Hartz4 geben, bis man was Neues hat. Man hat halt damit weniger zur Verfuegung, aber kommt um die Runden. Miete und Versicherungen wuerden dann das Amt uebernehmen. Also realistisch betrachtet braucht man sich besonders in Deutschland keine grossen Sorgen zu machen. Das Potenzial jedoch etwas eigenes zu starten, und damit erfolgreich zu sein, ist soooo viel hoeher als den Rest seines Lebens in einem ungeliebten Job abzuhaengen und sich krank zu machen. Solche Saetze wie „das kann nur jemand schreiben, der keine Kinder hat“, kommen von Menschen, denen die Angst schon im Gesicht steht und die keine Ahnung haben, was sie sinnvolles mit ihrem Leben anfangen können. Aber an solche Menschen richtet sich dieser Artikel wahrscheinlich nicht. Ich habe den Schritt gemacht und bin aus dem Hamsterrade des Lebens mit eigenen Ideen ausgestiegen. Und ich habe es nie bereut. Deshalb stimme ich dem Text und seinem Autor zu.

Antworten
Titus von Unhold
Titus von Unhold

„Nicht umsonst sind Burnout und Depressionen die Volkskrankheiten Nummer 1 in Deutschland.“

Das liegt eher daran dass die Deutschen ein sehr rechtes Land sind noch immer den katholischen Arbeitsethos mit massiver Monstranz vor sich her tragen und gegen jeden Angriff verteidigen. Jedenfalls sehe ich das als Luxemburger so.

Stefan
Stefan

Ich kenne keine Land, in dem die Angestellten dermaßen loyal, nahezu hörig zu ihrem Arbeitgeber sind. Alles, weil man diese Vollkaskomentalität vor sich herträgt. Verknüpft mit einem Lebenstil, der vor allem aus Verpflichtungen und vermeintlichen das-macht-man-doch-so-Lifestyle besteht, legen sich viele Leute eine Kette an. Von der sich zu befreien dann zwischen Arbeit, Familie, Haus und Drittwagen keine Kraft mehr besteht.

Gleichzeitig gibt es kaum ein Land, indem man dermaßen abgesichert mal den einen oder anderen Versuch eines selbstbestimmten Lebens starten kann.

Jeden Job kann man kündigen, und wer sich finanziell von einem Arbeitgeber abhängig gemacht hat, ist ein Sklave. Im Gegensatz zu früher hat man es aber selbst in der Hand, seinen Zustand zu ändern. Ich hab den Schnitt auch gemacht, trotz Familie mit Kind und uns auf eigene Füße gestellt. Niemals wieder werde ich mich von einem Arbeitgeber abhängig machen. Nichts gegen angestellt sein, aber dann nur mit ordentlich Fuck-you-Money in der Hinterhand.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung