Interview

MyEnso-Gründer: „Was Amazon macht, kann uns egal sein“

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Absolut, das ist eine unserer Strategien. Wir bringen den Supermarkt ins Dorf zurück. In vielen Ortschaften haben sich die Nahversorger zurückgezogen. Gerade für ältere und nicht so mobile Menschen ist das ein Problem. Seit Anfang Mai beliefern wir Blender, ein niedersächsisches Dorf in der Nähe von Verden, mit Lebensmitteln und schaffen eine Wochenmarktstruktur gemixt mit persönlicher Belieferung und einem Stützpunkt beim örtlichen Bäcker. Mit diesem Modell decken wir nicht nur eine offenstehende Bedarfslücke, sondern erschließen auch logistisch optimiert die Regionen außerhalb der Städte. MyEnso ist nicht nur ein Onlineshop, sondern ist da und so wie die Menschen ihn brauchen.

t3n.de: Logistik scheint immer noch eines der Hauptprobleme bei Lebensmitteln via Internet zu sein. Wie löst ihr das Frischeproblem und die Risiken, dass ein Paket nicht auf dem ersten Versuch beim Kunden landet? Was und wie trackt ihr da?

Wir arbeiten eng mit SGS Fresenius zusammen, die uns rund um die Zertifizierung betreuen. Darüber hinaus führen wir eigene Tests in Klimakammern durch, um sicherzustellen, dass Temperatur zu führende Ware auch bis zur Haustür in dem jeweils benötigten Klima bleibt und Kühlketten sicher eingehalten werden. Einen weiteren Beitrag liefert unser Partner auf der letzten Meile, Liefery, mit seinen sehr kurzen Auslieferungszeiten und Nachbarschaftszustellung. In keinem Fall ist die Ware nach Verlassen unseres Lagers länger als 24 Stunden unterwegs bis zur Zustellung an die Haustür. Und der Kunde kann bis 4 Stunden vor Auslieferung die Lieferadresse und das Zeitfenster noch ändern. All das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Kunde auch bereits im ersten Versuch seine Bestellung zugestellt bekommt. Livetracking und eine außergewöhnliche, intensive Kundenkommunikation zum Letzte-Meile-Status runden dieses ganze Konzept ab. Und unsere Frischware werden wir in Zukunft direkt, also ohne Umweg über Handelspartner, vom Großmarkt beziehen. Damit ist unsere Frischware dann um mindestens einen Tag frischer als in den meisten stationären Supermärkten.

t3n.de: Was sind eurer Meinung nach die besonderen Herausforderungen für Lebensmittel-Startups im Vergleich zu anderen E-Commerce-Unternehmen?

Zwei Dinge machen das Leben eines E-Commerce-Lebensmittelangebotes entscheidend schwerer als das von Schuhen, Büchern und anderen Waren: erstens die enorme Komplexität, die ein Lebensmittelvollsortiment aus 25.000 Produkten mit Artikeln vom feuergefährlichen Haushaltsreiniger über frisches Gemüse und Fleisch bis Tiefkühlware im Lager und in der Auslieferung in Verbindung mit unterschiedlichen Haltbarkeitszeiträumen und Drehgeschwindigkeiten mit sich bringt. Und zweitens die erheblich geringere Handelsmarge, mit der aber das gesamte System finanziert werden muss. Das kriegt man nur gelöst, wenn man groß denkt. Dazu wird eine sehr smarte und vorausschauende infastrukturelle Gesamtlösung benötigt, die sich erst ab einer bestimmten Größenordnung lohnt. Das können Nischenanbieter, Spezialsortimenter, Startups in der Regel nicht abbilden. Allein die Intralogistik wird da irgendwann zu einer natürlichen Wachstumsbremse. Deswegen bieten wir diesen Unternehmen die Möglichkeit, unsere Infrastruktur zu nutzen und damit nicht nur Kosten zu sparen, sondern auch das eigene Wachstumshemmnis damit lösen zu können. Hinzu kommt das Vertrauen, denn es geht um Lebensmittel, mit denen ich meinen Körper füttere.

t3n.de: Welche Wege sind es, die euch bekannt machen und mit denen ihr Kundenbindung erreichen wollt?

Wir haben anders als die meisten anderen Marktteilnehmer gesellschaftliche Relevanz, sind Teil einer umfassenden Wertebewegung, die in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Bei MyEnso hat der Kunde das Sagen, wir sind nur die Steuermänner. Deshalb beteiligen wir unsere Pioniere auch am Unternehmen. Dazu haben wir eigens eine Genossenschaft gegründet. Wir setzen klassische Instrumente ein wie PR und Content-Marketing. Außerdem haben wir eine eigene Videosendung „Foodpioniere“, bei der wir Kunden und Hersteller direkt zusammenbringen. Hier können sich Hersteller mit ihren Produkten bei den Kunden um Aufnahme ins Sortiment bewerben.

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