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Onlineportale: Myhammer und Helpling wehren sich gegen Sozialabgabe-Forderung

(Foto: Shutterstock/GaudiLab)

Manche Putzkräfte oder Handwerker erhalten ihre Aufträge über Onlineportale. Die Unfallversicherung will Helpling und Myhammer deshalb zur Verantwortung ziehen. Die Anbieter widersprechen.

Für den Nutzer bieten Uber, Myhammer, Airbnb oder auch Helpling große Vorteile: Mit wenigen Klicks kann er sich auf den Plattformen einen Fahrer buchen, eine Wohnung, einen Handwerker oder auch eine Putzhilfe. Für Selbstständige sollen die Portale im Netz ein weiterer Weg sein, um an Aufträge zu kommen. Eine Win-Win-Situation? Nicht ganz.

Warum Uber und andere Portale in der Kritik stehen

Denn die Onlineplattformen umgehen Schutzbestimmungen für klassische Beschäftigte. Das kritisiert zumindest Joachim Breuer, der Hauptgeschäftsführer der Unfallversicherung, in der FAZ. Seine Forderung: „Auch die Soloselbstständigen und Crowdworker sollten in die gesetzliche Unfallversicherung integriert werden.“ Normalerweise führt der Arbeitgeber die Beiträge für die Unfall-, Renten- oder Krankenversicherung ab. Selbstständige sind dagegen nur freiwillig in der Unfallversicherung. Nach Meinung von Breuer sollen deshalb die Plattformbetreiber an die Stelle des Arbeitgebers treten.

In Frankreich ist das schon der Fall. Wer etwa als Vermieter bei Airbnb über einen bestimmten Freibetrag kommt, muss seit Januar über die Plattform Sozialbeiträge abführen. Der Selbstständige ist dabei als Arbeitnehmer definiert, der eine elektronische Vermittlungsplattform nutzt. Ein ähnliches Modell wünscht sich Breuer auch für Deutschland: Er fordert die Bundesregierung auf, entsprechende Regelungen für alle Formen der digitalen Arbeitsvermittlung zu formulieren. „Das Thema der Soloselbstständigen und Plattformworker steht zwar auf der politischen Agenda, konkrete Schritte zur sozialen Absicherung sind aber bisher nicht gemacht worden“, sagte Breuer der FAZ. Er spricht gar von einem „grauen Arbeitsmarkt“.

So widersprechen Helpling und Myhammer der Unfallversicherung

 „In der Diskussion werden Äpfel, Birnen und Bananen zusammengeworfen.“

Die Plattformen lassen die Darstellung der Unfallversicherung nicht gelten. Claudia Frese, die Vorstandsvorsitzende von Myhammer, kann die Forderung nicht nachvollziehen. „Unser Geschäftsmodell wird in einem Atemzug mit Airbnb und Uber genannt“, sagt sie auf Nachfrage von t3n.de, „dabei sind unterschiedliche Voraussetzungen gegeben.“ Während der Nutzer bei Uber und Airbnb die Plattform bezahle, gehe das Geld bei Myhammer an den Handwerker. Auch bei der Preisfindung unterscheide sich das Unternehmen, meint Frese. Bei Uber bestimme die Plattform den Preis, bei Myhammer der Kunde. „In der Diskussion werden Äpfel, Birnen und Bananen zusammengeworfen.“

Genau so argumentiert auch Benedikt Franke, der Chef des Putzhilfenvermittlers Helpling. „Helpling vermittelt Aufträge von Privathaushalten direkt an selbstständige Dienstleister. Zwischen diesen kommt es zu einem direkten Dienstleistungsverhältnis“, sagt er auf Nachfrage von t3n.de. Die Dienstleister seien frei in ihrer Gestaltung. Niemand begrüße den Abbau sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung, nur um diese Mitarbeiter dann als Scheinselbstständige weiter zu beschäftigen. Das sei wie im FAZ-Artikel geschildert ein großes Problem, etwa im Baugewerbe. Aber Franke betont auch: „Es ist kein plattformspezifisches Problem.“

Helpling-Chef Benedikt Franke (rechts) widerspricht der Forderung der Unfallversicherung. (Foto: Helpling)

Der Helpling-Chef sieht Frankreich, genau wie die Unfallversicherung, als geeignetes Vorbild. „In Frankreich haben Soloselbstständige zu vertretbaren Kosten Zugang zu sozialer Sicherung“, sagt er. „Diese ist in Deutschland aufgrund von Mindestbeiträgen gerade bei Selbstständigen mit geringem Einkommen sehr teuer.“ Franke nennt als Beispiel selbstständige Geringverdiener, bei denen der Krankenkassenbeitrag die Hälfte des Einkommens frisst. Die Neuerung in Frankreich komme dagegen allen Soloselbständigen zugute, vom Taxifahrer bis zur Reinigungskraft – nicht nur „der digitalen Bohème der Selbstständigen, die Onlineplattformen nutzen“.

Vermittler wie Myhammer, Uber oder auch Book A Tiger haben reagiert und die freiberuflichen Mitarbeiter festangestellt. Das ist aber eher die Ausnahme. Die Argumentation der Plattformen lautet, dass die meisten Selbstständigen mehr als einen Auftraggeber hätten. Sie verstehen sich als Vermittler von Aufträgen, nicht als Auftraggeber.

Zudem sind die Forderungen von Verbandschef Breuer nicht ganz uneigennützig. Der Unfallversicherung entgehen Einnahmen in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro im Jahr, weil Selbstständige ohne Mitarbeiter nicht zum Eintritt verpflichtet sind.

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