Interview

Mytaxi-Chef: In 10 bis 20 Jahren fahren die meisten Taxis autonom

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Die Formulierung, die wir hier nutzen, lautet: Wir sind immer noch im Investment-Modus.

t3n.de: Du kamst als CEO der britischen Konkurrenz Hailo zu Mytaxi. Mytaxi ist mit viel Kapital vom Eigner Daimler ausgestattet. Kannst du was dazu sagen, wie die Kultur sich unterscheidet?

Ja, die Kultur ist unterschiedlich. Hailo wurde mit Venture Capital finanziert und ist stark an Wachstum und der Wertsteigerung seines Investments interessiert. Versteh das nicht falsch: Daimler sieht es natürlich auch gerne, wenn der Wert seines Investments steigt. Aber in erster Linie hat das Unternehmen aus strategischen Gründen investiert. Es geht um Fragen wie autonomes Fahren, und unser Geschäft wird eine Rolle dabei spielen, den Konsumenten mit den Autos der Zukunft zu verbinden. Die Investition erfolgte also aus anderen Gründen – und das schafft ein anderes Umfeld. Aber Daimler gewährt uns sehr viel Autonomie.

t3n.de: Also verlangt Daimler weniger aggressives Wachstum als die Hailo-Investoren?

Nein, Daimler will aggressives Wachstum – und ist sehr fordernd. Aber es geht dabei nicht um Wachstum um des Wachstums Willen, sondern zum Beispiel um Fragen wie: Willst du wirklich in Westafrika sein oder nicht lieber in New York, London oder Paris, wo die autonomen Autos früher fahren werden?

t3n.de: Gibt es denn konkrete Pläne, das Geschäft über Europas Grenzen auszuweiten?

Oh, ich hätte diese Orte nicht nennen sollen. Ja, wir wollen außerhalb von Europa wachsen. Wir sind schon in Südamerika aktiv – aber unter einer anderen Marke.

t3n.de: Also gibt es derzeit aktive Gespräche über Übernahmen außerhalb Europas?

Ich werde nichts zur Geografie sagen: Aber ja, es gibt Gespräche auf Märkten außerhalb Europas.

t3n.de: Wie wichtig ist euch die Beziehung zu Taxi-Fahrern und Taxi-Unternehmen, die ja beide wichtige Großkunden von Daimler sind?

Wir könnten da einen deutlich besseren Job machen. Wir sind in einer schnelllebigen Branche unterwegs und haben noch nicht genug für die Beziehungen getan. In Polen beispielsweise können Taxifahrer eine rabattierte A-Klasse bekommen. Aber solche Dinge sind noch selten.

t3n.de: Mytaxi und andere Taxi-Apps funktionieren in Städten – auf dem Land aber nicht. Wird sich das jemals ändern?

Ich glaube das wird sich ändern – aber das dauert noch sehr lange. Wenn Autos autonomer werden, wird sich der Markt verändern. Derzeit muss ich einen Fahrer überzeugen in ein Gebiet zu gehen, in dem die Dichte der Nachfrage geringer ist. Sobald die Fahrzeuge autonom fahren, wird sich das auch in den Vorstädten verbreiten.

t3n.de: Wann wird es soweit sein?

In komplexeren, reiferen und stärker regulierten Märkten wie Europa wird es länger dauern, in Singapur oder dem Nahen Osten schneller gehen.

t3n.de: Wann glaubst du, fahren die meisten Mytaxi-Autos autonom?

Meiner persönlichen Einschätzung nach – das ist keine Unternehmensmeinung – dürfte es in den kommenden zehn bis 20 Jahren soweit sein, dass die meisten Autos autonom fahren. Eher 20.

t3n.de: Viele eurer Fahrer sind deshalb vermutlich sehr verunsichert.

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