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Analyse

N26 wird zum Einhorn: Warum der Big Deal gut für die gesamte Startup-Szene ist

N26 nimmt unter den Fintech-Startups eine Sonderrolle ein. (Foto: N26)

Aus dem Millionen-Deal für N26 können andere Startups einiges lernen, denn die Smartphone-Bank hat etwas, das vielen anderen fehlt. Davon abgesehen erhält die Fintech-Szene in Deutschland einen Schub.

N26 hat frisches Geld. Stolze 260 Millionen Euro Wagniskapital. Doch viel wichtiger als die Meldung an sich ist die Signalwirkung, die dahinter steht: Die Smartphone-Bank, die angetreten ist, um so vieles anders zu machen als die etablierten Player, ist damit das erste Fintech-Startup aus Deutschland, das in die Riege der Einhörner aufsteigt, also zu jenen Unternehmen gehört, die eine Bewertung oberhalb der Milliardengrenze erfahren. Gleich 2,3 Milliarden Euro ist die Bewertung, die nach Angaben von N26 die investierenden Unternehmen vornehmen – ganz schön viel für ein Fintech und selbst unter den Banken gibt es nicht wenige, die deutlich darunter liegen.

Die Bewertung spiegelt schon ein gerüttet Maß an Hoffnung und Fantasie wider und zeugt von dem Glauben daran, dass Valentin Stalf und sein Team in den USA und weltweit erfolgreich sein können. Noch vor ein paar Monaten sprach Stalf in einem Interview von fünf Millionen möglichen Kunden innerhalb von zwei Jahren, heute ist schon die Rede von „100 Millionen Kunden“, die man „in den kommenden Jahren erreichen“ wolle. Möglich ist vieles – schließlich hat N26 seine Kundenzahl im vergangenen Jahr verdreifacht – und das, obwohl man im Gegensatz zur Anfangszeit die für das Unternehmen kostenintensiven physischen Abhebungen schärfer reglementiert hatte.

N26: Reichlich Kapital für die US-Expansion

Dass die USA für N26 nach den inzwischen 24 europäischen Märkten ein interessanter Markt sein würden, war klar – und daran hatte der CEO Valentin Stalf ja auch öffentlich keinen Zweifel gelassen. Insofern ist es nur logisch, dass N26 die App im Laufe des ersten Halbjahrs 2019 dort ausrollen wird. Ein großer (wenn auch streng reglementierter) Markt, der in mancherlei Hinsicht aber noch deutlich analoger ist als die europäischen Länder (Stichwort: Verwendung von Schecks). In anderer Hinsicht wiederum ist man in den USA schon deutlich weiter, etwa in der Akzeptanz von digitalem Payment.

Was der Deal aber auch zeigt, ist ein Erwachsenwerden der Fintech-Szene. Auf über eine halbe Milliarde Euro frisches Geld beziffert das Beratungsunternehmen Barkow Consulting die Zuflüsse in deutsche Fintechs im Jahr 2018. Alleine 130 Millionen sicherte sich N26 im Frühjahr, doch auch die anderen größeren Startups wurden großzügig bedacht. Im Gespräch mit Investoren erfährt man, dass sich das Klima in der Fintech-Szene hierzulande gut entwickelt habe – Geld sei reichlich da, es mangele eher an Investitionsmöglichkeiten, die einer fundierten Bewertung standhalten.

Ähnlich wie in anderen Startup-Umfeldern summiert sich aber im Laufe der Entwicklung immer mehr Kapital in immer weniger Händen. Für die großen Player von Smava über Solarisbank bis Scalable dürfte also auch in Zukunft die Möglichkeit zur Expansion bestehen, für kleinere Fintechs wird es, insbesondere wenn sie in einem bereits besetzten Markt entstehen, dagegen immer schwieriger werden, Investoren zu überzeugen. Und das Leben ist keine Einbahnstraße – will sagen: Auch Konsolidierungen und Pleiten sind an der Tagesordnung,  auch wenn es für manche unter neuer Führung weitergeht.

N26 ist kein gewöhnliches Fintech

Gesprächsthema dürfte der Einhornstatus von N26 auch in den etablierten Banken sein. Denn abgesehen davon, dass N26 spätestens jetzt von der Bewertung her zu groß ist, um von anderen Banken übernommen zu werden, ist die Smartphone-Bank eine Konkurrenz und keine Ergänzung zu den Geldhäusern. Denn auch wenn man sich unter den Banken das Bewusstsein durchgesetzt hat, dass Fintechs nicht per se böse sind und man doch mit vielen gerne kooperieren oder sie gar übernehmen würde, trifft das eben nicht auf N26 zu, da die Bank das Kerngeschäft anderer Geldhäuser untergräbt. Doch N26 ist eben auch keine normale Bank, sondern eher eines jener Digitalangebote, die vor allem junge und technikaffine Zielgruppen anziehen. Ein Problem ist das einerseits für Internetbanken wie die Fidor Bank, aber auch für die Sparkassen, die in den nächsten Monaten einen zweiten Anlauf mit ihrem zielgruppenspezifischen Angebot Yomo starten wollen.

Der Fall N26 ist zudem auch ein Bilderbuchbeispiel dafür, dass es echte USP braucht, also praktische Features, die noch kaum einer vorher so gemacht hat, um dem Endkunden einen wirklichen Mehrwert zu bieten: Eine App, die in ihrer Einfachheit überzeugt und Features wie Echtzeit-Benachrichtigungen, Unterkonten mit Sparzielen, weltweit gebührenfreie Kartenzahlungen und selbst das Sperren entwendeter Karten möglich macht, ist eine denkbar einfache Idee, bei der man sich fragt, warum Banken das nicht flächendeckend anbieten.

N26 könnte Türen für die deutschen Startups aufstoßen

Abseits von der Bankenwelt hat die Investitionsrunde aber auch eine branchenübergreifende Signalwirkung für andere (große) Startups in Deutschland und Europa: Europa holt in Sachen Venture Capital gegenüber dem Silicon Valley inzwischen auf, auch wenn die Venture-Capital-Investitionen pro Kopf bei gerade mal einem Drittel im Vergleich zu den USA liegen. Verantwortlich hierfür ist die Globalisierung, namentlich das Internet und die Blockchain, die grenzüberschreitende (vertrauenswürdige) Geschäfte einfacher und skalierbarer gemacht haben. Gut möglich also, dass wir mit N26 in Zukunft ein weltweit erfolgreiches Unternehmen sehen, das zu mehr internationaler Akzeptanz der deutschen Startup-Szene beiträgt.

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Eine Reaktion
Hannes Klöpper

Grundsätzlich alles richtig. Allerdings kann man bei N26 qie ich kürzlich nach meinem Urlaub ärgerlicherweise feststellen musste eben nicht mehr kostenfrei weltweit abheben. Und das es jetzt dank Blockchain mehr VC Investment in Europa gibt, entspringt glaube ich ebenfalls der Fantasie des Autors.

Antworten

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