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Blau ist das neue Grün: Diese drei nachhaltigen Startups wollen die Welt verbessern

Auf der Gründermesse präsentierten sich auch Startups mit nachhaltigen, grünen Ideen. (Foto: Bits & Pretzels, Andreas Gebert)

Abgesehen von denen, die „irgendwas mit KI“ machen, waren auf der Bits & Pretzels 2017 auch Startups vertreten, die interessante nachhaltige Projekte umsetzen. Wir stellen drei grüne Startups vor.

Die Bits & Pretzels ist die Messe für Gründer und Startups, um Investoren von ihren Ideen zu überzeugen. Mit dabei waren auch junge Unternehmen, die sich auf unterschiedliche Arten dem Thema Nachhaltigkeit widmen. Dass es sich dabei keineswegs um verträumte Weltverbesserer-Ideologie oder oberflächliche Versuche, das schlechte Gewissen zu beruhigen, handelt, zeigen diese drei Startups.

Recup: Das Pfandsystem für Kaffeebecher

Der Kaffee auf dem Weg zur Arbeit vom Bäcker nebenan gehört für viele fest zum Morgenritual. Dass dabei jede Menge Müll in Form von Pappbechern und Deckeln produziert wird, ist inzwischen hinlänglich bekannt. Einige Coffeeshops und Bäcker wollen gegensteuern und bieten ihren Kunden Rabatt, wenn diese ihre wiederverwendbaren Kaffeebecher selbst mitbringen. Aus hygienischen Gründen gilt diese Methode jedoch als nicht ganz unbedenklich. Zudem sind To-go-Becher aus Glas oder Keramik bruchgefährdet und oft auch unhandlich.

Das Team von Recup rund um die Gründer und Geschäftsführer Fabian Eckert und Florian Pachaly hat eine Alternative entwickelt: ein Pfandsystem für Kaffeebecher. Für eine Pfandgebühr von einem Euro können Kaffeeliebhaber in einem teilnehmenden Café einen Mehrwegbecher erhalten, den sie jederzeit in einem Partner-Café wieder auffüllen lassen oder zurückgeben können – wobei man dann natürlich den Pfand zurückbekommt. Recup oder das Partnercafé übernehmen die Reinigung und bringen den Pfandbecher zurück in den Handel.

Das Pfandsystem für Kaffeebecher – eine Idee von Recup. (Foto: Recup)

Der Recup ist bis zu 500 Mal wiederverwendbar, platzsparend stapelbar und vergleichsweise umweltfreundlich herstellbar. Zwar sind die Becher aus Kunststoff, doch handelt es sich bei dem verwendeten Polypropylen (PP) um einen für die Umwelt unbedenklicheren Kunststoff als alternative Materialien, da er ressourcen- und energiesparsamer produziert und recycelt werden kann. Dass Becher aus Kunststoff jedoch noch nicht das Optimum sind, ist den Machern von Recup bewusst. Es wird bereits nach Alternativen wie Biokunststoffen gesucht, die mit ähnlich guten Eigenschaften wie PP für ein Pfandsystem geeignet sind.

Doch nicht nur bei ihrem Produkt setzen die Gründer Florian Pachaly und Fabian Eckert auf Nachhaltigkeit. Auch im Bereich Arbeitsbedingungen verwenden sie Lösungen, die die vorhandenen „Ressourcen“ – also die Mitarbeiter – verantwortungsbewusst einsetzen. „Wir wollen unseren Mitarbeitern ermöglichen, ihr Potenzial individuell zu entfalten und sich in ihrer Position selbst zu verwirklichen. Gesundheit, Gleichberechtigung und Arbeitssicherheit werden bei uns großgeschrieben“, schreiben die Geschäftsführer über ihr Konzept, Gehälter offen im ganzen Team zu verhandeln.

Bio-Lutions: Verpackungen aus Agrarabfällen

Der Tatsache, dass Verpackungsmüll aus Kunststoff zu einem immer größeren Umweltproblem wird, stellen sich auch Eduardo Gordillo und Stefan Dircks, Gründer des Hamburger Startups Bio-Lutions. In Zusammenarbeit mit dem brandenburgischen Technologieunternehmen Zelfo entwickelte Bio-Lutions ein Verfahren, um eine nachhaltige Verpackungsalternative aus Agrarabfällen herzustellen.

Verpackung für Tomaten aus Tomatenpflanzen. (Screenshot: Bio-Lutions)

Bei dem Verfahren werden Pflanzenreste wie Bananenstämme, Tomatenpflanzen, Reis- und Weizenstroh oder Ananassträucher getrocknet und zu Mikro- und Nanofasern zerkleinert. Durch die Zugabe von Wasser entsteht ein selbstbindender Faserbrei, der sich ohne chemische Bindemittel in verschiedene Formen pressen lässt. So entstehen biologisch abbaubares Einweggeschirr oder Verpackungen für Lebensmittel und andere Produkte. Bio-Lutions hat drei verschiedene Verpackungslösungen entwickelt: die Basisvariante für Trockengüter, eine durch Lebensmittelzusatzstoffe öl- und wasserbeständige Variante und eine mit Bio-Kunststofffolie für Waren, die wasserdicht verpackt werden müssen.

Dank der einfachen Produktionsanlagen und der Unabhängigkeit von Rohstofflieferanten sind die Produkte von Bio-Lutions auch ökonomisch nachhaltig. Die Rohstoffe, also Pflanzenabfallprodukte aus der Landwirtschaft, können lokal bezogen und verarbeitet werden. Bio-Lutions errichtete mit Förderung der Deutschen Entwicklungs- und Investitionsgesellschaft mbH (DEG) eine Pilotanlage im indischen Bangalore. Bis Ende des Jahres soll die Produktionsfläche auf 1.500 Quadratmeter vergrößert werden. Da in Indien immer mehr Bundesstaaten den Einsatz von Plastikverpackungen verbieten, ist dort der Bedarf an nachhaltigen und preisgünstigen Alternativen besonders groß. Darüber hinaus ist Bio-Lutions im Gespräch mit Joint-Venture-Partnern und Kunden in weiteren Ländern wie Asien, Amerika, Europa und Australien.

Bio-Lutions wurde bereits mit dem Deutschen Verpackungspreis 2017 sowie dem Innovationspreis „Bio-based Material of the Year“ 2017 ausgezeichnet.

Rethink Resource: Neues Leben für Industrieabfälle

Das Schweizer Startup Rethink Resource arbeitet daran, eine Kreislaufwirtschaft in Europa zu entwickeln. Das Prinzip ist einfach: Was für den einen Industrieabfälle sind, sind für den anderen wichtige Sekundärrohstoffe. Ob Stanzteile, Papierverschnitt oder sogar Brotreste: Beinahe jedes „Abfallprodukt“ lässt sich in der Kreislaufwirtschaft in ein zweites Leben überführen.

Damn Good Bread Beer, hergestellt aus altem Brot. (Foto: Rethink Resource)

Rethink Ressource arbeitet dabei als Beratungsunternehmen, das die Abfallwirtschaft seiner Kunden prüft, den Wert von Nebenprodukten identifiziert oder alternative Bezugsquellen für Sekundärrohstoffe findet. Unternehmen werden in einem nachhaltigen und bewussten Umgang mit ihren Materialströmen geschult, um nicht nur die Kosten für Entsorgung oder Beschaffung zu senken, sondern auch, um Ressourcenverschwendung und Müllproduktion einzudämmen.

„Die Natur gibt so viel her, vor allem, wenn wir mehr nach ihren Prinzipien wirken und schaffen und in Kreisläufen denken. Diese Perspektive ist auch in Unternehmen sinnvoll, denn im Kreislauf ist ein Material, ein Stoff oder welche Ressource auch immer zu jedem Zeitpunkt wertvoll und nützlich“, erklärt Evelyne Zürcher, Projektmanagerin bei Rethink Resource, ihre persönliche Motivation und die des Unternehmens. „Wenn ich die Chance habe, mit ein paar Zeilen Code ein paar hundert Tonnen CO2 zu vermeiden, dann muss ich das tun“, ergänzt CTO Moritz Mähr.

Daneben arbeitet Rethink Resource an einer industrieübergreifenden Plattform, die produzierende und verarbeitende Unternehmen zusammenbringt, um Sekundärrohstoffe zu handeln. Derzeit richtet sich das Portal vor allem an die Lebensmittel- und Getränkeindustrie, soll aber nach und nach auf weitere Branchen ausgeweitet werden.

Mehr zur Bits & Pretzels 2017:

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VinFin

Wie sich Unternehmen zu Themen wie Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Umweltschutz positionieren und ihre Unternehmenspolitik dahingehend anpassen ist im Jahre 2017 für den Kunden immer wichtiger geworden. Der Kunde von heute ist vielleicht eher bereit dafür, mehr Geld für eine bestimmte Sache auszugeben, die ökologisch und nachhaltig vertretbar ist, als nur Geld zu sparen. Die Bedürfnisse sind keinesfalls konstant und müssen dahingehend von den Verantwortlichen regelmäßig neu beleuchtet werden. Als Kaffeeladenbesitzer konnte ich früher meinen Kaffee immer für einen recht niedrigen Preis verkaufen, solange es dem Kunden geschmeckt hat. Mittlerweile haben viele Kunden Unverträglichkeiten in Bezug auf Milch, wollen Fairtrade-Kaffee und im besten Fall einen abbaubaren Kaffeebecher.

Und genau dieses Wissen brauchen diese Start-Ups, vor allem wenn es um die Frage der Vermarktung geht. Wie mache ich auf mich aufmerksam? Welche Werbe-Kampagne ist für mein Unternehmen geeignet und wird mich im besten Fall zum Erfolg führen. Start-Ups müssen dies leider sehr schnell tun, denn ohne Kunden keine Einnahmen. In meinen Augen ist beispielsweise das Konzept Print-on-Demand besonders für Start-Ups sehr vielversprechend, da sehr spontan entschieden werden kann wie viele Stücke tatsächlich gebraucht werden. Es ist bestimmt spannend in der Situation eines Start-Up zu sein, denn es müssen in der Anfangsphase wirklich viele Entscheidungen getroffen werden.

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