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Kolumne

Nachhaltigkeit in Deutschland: Unternehmen müssen sich mit langfristigen Auswirkungen ihres Wirtschaftens auseinandersetzen

(Foto: Shutterstock / wk1003mike)

Klimawandel, Umweltkatastrophen und mangelnde Artenvielfalt werden unser Leben in Zukunft noch stärker negativ beeinflussen, als sie es bereits tun. Neben den Konsumenten müssen aber auch Unternehmen endlich nachhaltiger wirtschaften. Ein Appell von Kathleen Fritzsche in ihrer Kolumne „Kathleens digitale Welt“.

Bei aller Technologie- und Fortschrittsgetriebenheit der deutschen und globalen Industrie verlieren wir oft aus den Augen, wie wir unsere endlichen Ressourcen in den vergangenen Jahrhunderten und besonders in den letzten Jahrzehnten überstrapaziert haben und dies in Zukunft noch stärker tun werden. Die exponentiell steigende Produktion von Kleidung, Essen und anderen Verbrauchsgütern wie Autos und Smartphones, um unseren unersättlichen Konsumdurst zu stillen, sind nur ein paar Beispiele, die weitaus mehr Ressourcen von unserer Erde einfordern, als sie langfristig bieten kann.

Trotz aller Erfolge mit erneuerbaren Energien geht der Öl- und Kohleabbau weiter. Auch der Fleischkonsum pro Kopf wird in den nächsten Jahren weiter exponentiell wachsen, trotz aller Studien und Aufklärung, dass ein Verzicht oder zumindest eine Reduzierung für die Erde, die Umwelt und somit auch die Menschheit deutlich besser wäre. Auch die Kleidungsindustrie ist unersättlich. Schätzungen zufolge wird die Nachfrage nach Kleidung bis 2030 nochmals um zwei Drittel steigen. Die Mehrheit der 53 Millionen Tonnen jährlich produzierter Kleidung landet schon jetzt in Verbrennungsanlagen oder auf Müllhalden.

Die Probleme sind allen bekannt und werden breit diskutiert. Aber mögliche Gegenmaßnahmen sind für jeden Einzelnen oftmals zu abstrakt oder einfach nur zu überwältigend. Wo soll ich anfangen? Was kann ich allein denn überhaupt bewegen? Ist es nicht sowieso schon zu spät? Ja, die Situation verschärft sich immer weiter, aber es wäre fatal, jetzt in eine Schockstarre zu verfallen und erst recht nichts zu tun. Als Endkonsumenten können wir in unserem Alltag Zeichen setzen und somit die Nachfrage bei Unternehmen beeinflussen. Teilweiser oder kompletter Verzicht auf Fleisch und Fisch, nachhaltige Mode anstatt Fast Fashion, weniger Flug- und dafür mehr Bahnreisen sind nur einige Beispiele. So wird aus kleinen Einzelschritten nach und nach eine große Bewegung.

Eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung

Die Last der Veränderung liegt allerdings nicht nur auf den Endkonsumenten. Es muss vielmehr eine gemeinsame Anstrengung der gesamten Gesellschaft sein und somit auch eine Veränderung der Wirtschaft stattfinden, um das Schlimmste für die Menschheit zu verhindern. Wir müssen alle handeln. Die Ausrichtung der Unternehmen auf nachhaltiges Wirtschaften ist dabei ein ausschlaggebender Faktor. Alle, wirklich alle Wirtschaftsunternehmen müssen umdenken und handeln. Anstatt nur auf kurzfristige Quartalsergebnisse und Jahresabschlüsse zu setzen, müssen sie langfristige Ergebnisse ihres Wirtschaftens und dessen Einfluss auf Mensch und Natur deutlich überdenken.

Gerade der deutsche Mittelstand, der nicht permanent von Quartalsergebnissen getrieben wird, hat hier die Chance, ein wichtiges Zukunftssignal zu setzen und eine neue Art des Wirtschaftens zur obersten Priorität zu machen. Ergänzend dazu muss die Politik eine entscheidende Rolle spielen. Sie muss Rahmenbedingungen und Gesetze schaffen, die Unternehmen dazu verpflichten, zukunftsorientiert und nachhaltig zu produzieren. Der kürzlich verabschiedete EU-weite Wegwerfplastikbann ist ein guter Anfang, aber bei Weitem nicht ausreichend.

Weg mit der Wegwerfgesellschaft!

Es gilt, das längst überfällige Ende der Wegwerfgesellschaft einzuläuten, um nicht mehr nahtlos für den Müll zu produzieren. Unternehmen können zum Beispiel anhand möglichst geschlossener Ressourcenkreisläufe, der so genannten Circular Economy, verbrauchte oder kaputte Produkte wiederaufarbeiten und als Grundlage für neue Produkte nutzen.

Wiederverwertbare Produkte wie Möbel, Elektronik, Autos und Kleidung müssen nach Verkauf und Verbrauch durch die Endkonsumenten zumindest teilweise wieder in den Produktionskreislauf zurückgeschickt werden können, um daraus neue Produkte zu produzieren. Das heißt auch, dass Produkte nicht von vornherein Sollbruchstellen enthalten. So dürfen zum Beispiel Waschmaschinen nicht nach x Wäschen automatisch kaputt gehen, Handy-Akkus nach spätestens zwei Jahren nicht mehr ladbar sein und Kleidung nach fünf Wäschen auseinanderfallen.

Mit einem nachhaltigeren Wirtschaftsmodell ist also nicht nur eine zukunftsorientierte Planung gefragt, sondern generell die Verwertung vorhandener Ressourcen auf einem höheren Qualitätsniveau. Das verursacht natürlich höhere Kosten, die wiederum vom Endkonsumenten mitgetragen werden müssen. Aber durch gesparte Ressourcen in der Circular Economy könnten sie sich einschränken lassen.

Die Vorreiter sind da

Es gibt durchaus Unternehmen, die es schon mit Stil schaffen, nachhaltig zu produzieren und dennoch zu wachsen. Der Outdoor-Ausrüster Vaude aus der Bodenseeregion ist so ein Beispiel. Seit einigen Jahren hat das Unternehmen Umwelt- und Sozialstandards eingeführt, denen auch die Zulieferer unterliegen. Die Produktion wurde zum Teil nach Deutschland zurückverlegt und Vaude hat mittlerweile ein Angebot geschaffen, mit dem Kunden Ausrüstung ausleihen können und nicht kaufen müssen. Auch die Rauch-Möbelwerke aus der Nähe von Würzburg wirtschaften nachhaltig und verwenden ausschließlich Holz aus regionalen, nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. Zudem fließen alle Holzabfälle zurück in die Produktion.

Nun sind die großen Konzerne und global agierenden Mittelständler gefragt, ihren Beitrag für eine erträgliche, ressourcenoptimierte Zukunft zu leisten. Wir alle müssen das tun, vom Endkonsumenten bis hin zum Großunternehmen. Und ja, es ist möglich. Wenn wir es wirklich wollen.

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Eine Reaktion
Titus von Unhold

"Die Last der Veränderung liegt allerdings nicht nur auf den Endkonsumenten. Es muss vielmehr eine gemeinsame Anstrengung der gesamten Gesellschaft sein und somit auch eine Veränderung der Wirtschaft stattfinden, um das Schlimmste für die Menschheit zu verhindern. Wir müssen alle handeln. Die Ausrichtung der Unternehmen auf nachhaltiges Wirtschaften ist dabei ein ausschlaggebender Faktor. Alle, wirklich alle Wirtschaftsunternehmen müssen umdenken und handeln. "

Bullshit ist der höflichste Begriff der mir dazu einfällt. Das sind alles Gestaltungsaufgaben der Politik die sie durch Steuern und Verbote lösen muss. Es kann weder von natürlichen Personen noch von Unternehmen verlangt werden gegen ihre eigenen Interessen zu handeln. Und solange wir im Kapitalismus leben ist das oberste Interesse Profitmaximierung. Es werden zwar viele schöne Sonntagsreden geschwungen die das Gegenteil behaupten, aber realwirtschaftlich gehandelt wird anders.

In diesem Sinne: Nach mir die Sintflut!

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