Porträt

Dieses Familienunternehmen digitalisiert eine jahrhundertealte Technik

Seite 2 / 2

Anders als in vielen anderen Branchen stößt Nautiluslog mit seiner Idee aber nicht sofort auf offene Türen. Bei den Reedern ist Interesse an digitalen Lösungen ist durch hohen Wettbewerbsdruck und zunehmende Dokumentationspflichten zwar vorhanden, doch mit dem Wandel tut sich die Branche schwer.

Vor allem die vielen Regulierungen bremsen Innovationen aus. Ohne Zertifikate und Genehmigungen läuft nichts, zudem müssen auch Prüfbehörden und Flaggenstaaten vom Nutzen einer neuen Technologie überzeugt werden. Nicht zuletzt sind Startups für viele Schiffsbetriebe buchstäblich noch Neuland. Das bekommen auch die Klemkes zu spüren. „Nicht selten ergeben sich konkrete nächste Schritte für eine Partnerschaft erst Monate nach einem Erstgespräch“, sagt Otto Klemke.

Neue Verordnung könnte den Durchbruch bringen

Den Durchbruch könnte nun aber ausgerechnet eine neue Verordnung bringen: die sogenannte Inventory of Hazzardous Materials – kurz: IHM. Sie verpflichtet Schiffseigner dazu, die Gefahrstoffe an Bord von neuen und bestehenden Schiffen zu dokumentieren. Spätestens bis 2020 muss das erledigt sein.

Nautiluslog hat seine App bereits mit einer entsprechenden Funktion ausgestattet. Anfang des Jahres wurde an Bord eines Containerschiffs auf der Fahrt von Hamburg nach Rotterdam eine erste Praxisprobe bestanden. „Das hat das Interesse eines großen Reeders und mehrerer internationaler Klassen geweckt“, sagt Klemke. Derzeit führe Nautiluslog konkrete Verhandlungen über Zertifizierungen und Preise. Gut möglich, dass bald weitere Schiffsbetriebe bei den Klemkes anrufen .

Potenzielle Kunden gibt es aus Sicht der Familienunternehmer jedenfalls genug. Weltweit seien mehr als 78.000 Schiffe mit einem Gewicht von 100 Gigatonnen unterwegs, die mit der App von Nautiluslog ausgestattet werden könnten. Bei einem Marktanteil von fünf Prozent und Einnahmen von 1.000 Euro pro Schiff und Jahr ergebe sich ein Marktpotenzial von 3,9 Millionen Euro, rechnet Klemke vor. Nach dem großen Millionengeschäft klingt das auf Anhieb nicht. Das Startup will sich deshalb nicht nur auf die absolute Zahl der Schiffskunden beschränken. „Wir wollen auch an alle Akteure und Dienstleister drumherum verkaufen“, erklärt Klemke. Das multipliziere das Marktpotenzial.

Erste Einnahmen will Nautiluslog noch dieses Jahr realisieren. Um die Zeit bis zur Profitabilität zu überbrücken, will Klemke aber externe Geldgeber an Bord holen. „Wir streben eine Finanzierung zwischen 500.000 Euro und einer Million Euro an“, sagt er. Mit dem Geld sollen weitere Entwickler angestellt und das Produkt ausgebaut werden.

Passend zum Thema: Ihr könnt über die Digitalisierung deutscher Konzerne jammern – oder euch Bosch ansehen

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Ein Kommentar
Homo Analogis
Homo Analogis

Seltsam, zumindest einer der drei Firmengründer kennt sich doch angeblich in Fragen der Nautik aus!? Dann sollte diese Person aber auch wissen, dass Redundanz auf Schiffen das oberste Gebot ist. Da gerade die elektronische Technik immer ausfallen kann (z.B durch Blitzschlag) ist es besonders wichtig, dass so viele der Vorgänge an Bord wie nur irgend möglich auch händisch erledigt werden können. Wenn ausgerechnet das besonders wichtige und nicht ganz einfache Feld der Navigation nicht mehr regelmässig geübt wird, kann das sehr schnell zu schwersten Unfällen führen. Man stelle sich nur einen Öltanker vor, der wegen eines Navigationsfehlers erst auf ein Riff auf- und anschliessend ausläuft. Im Übrigen ist es bereits seit geraumer Zeit ganz normal, dass die Navigation auf Schiffen über GPS dokumentiert (geloggt) wird, aber aus Gründen der Sicherheit (!) eben auch noch auf die althergebrachte Weise in die Seekarten eingetragen wird. Soviel zu Digitalisierung: Fehlanzeige. Dem Autor dieses Artikels ist dringend zu empfehlen sich erst einmal gründlich über die Materie zu informieren (als ersten Schritt empfehle ich die Triangulation seines momentanen Standorts) bevor er einfach mal seine Ansichten ‚raushaut‘. Setzen: 6!
Digitalisierung ist in vielen Bereichen sinnvoll, aber eben doch nicht die Lösung für Alles. Und Althergebrachtes ist nicht automatisch schlecht, nur weil es nicht mit dem Smartphone kommuniziert.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung