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Analyse

Net-ID: Neue Login-Allianz startet heute in Deutschland

Net ID: Diese Login-Allianz soll zum Gegengewicht zu Google, Facebook und Co. werden. (Bild: Net ID Foundation)

Der offene Login-Standard Net-ID ist heute an den Start gegangen. Kunden sollen dadurch eine Alternative zu den US-amerikanischen Login-Angeboten von Google und Facebook bekommen.

Es ist so wunderbar einfach: Jetzt mit Facebook einloggen lesen die Kunden zahlreicher Websites und Services, können mit wenigen Klicks die lästige individuelle Anmeldeprozedur umgehen und müssen sich obendrein nicht noch weitere Zugangsdaten für jede Website merken. Doch abgesehen davon, dass die Betreiber solcher Sammel-Logins eine beachtliche Marktmacht bekommen, sorgt eine Authentifizierung via Google, Facebook und Co. dafür, dass diese Dienste noch mehr Daten über das Nutzungsverhalten sammeln können. Daten, die insbesondere dazu dienen, dass die für ihn passende personalisierte Werbung an den Nutzer ausgespielt werden kann.

Mit der Net-ID geht heute eine neue Login-Allianz an den Start, die von (bisher) 60 Unternehmen und digitalen Angeboten im deutschsprachigen Raum ausgeht. Bei den Partnern aus verschiedenen Branchen können Kunden nun den einheitlichen Login-Standard verwenden. Ziel ist es, den Internet-Nutzern durch die Bündelung der Kräfte eine europäische Alternative zu den großen Konzernen aus den USA zu bieten.

35 Millionen Konten könnten Net-ID sofort nutzen

Die Unterstützer stammen dabei vor allem aus dem Umfeld von Medien- und Internetunternehmen. Ippen Digital hat den grünen Net-ID-Button auf rund 50 Portalen wie Merkur.de und tz.de integriert. Pro-Sieben-Sat1 nutzt den Login-Standard auf den Senderportalen Prosieben.de, Sat1.de, Kabeleins.de und einigen weiteren Sendern der Gruppe. Die Mediengruppe RTL Deutschland startet mit dem Kochportal kochbar.de. Dass man den Dienst noch nicht auf die eigentlichen Portal RTL Now und rtl.de implementiert hat, hängt mit einem in den nächsten Monaten anstehenden Relaunch der Portale zusammen, wie eine RTL-Sprecherin auf Nachfrage erklärt. Mit an Bord ist außerdem der Bekleidungskonzern Calida Group aus der Schweiz.

Dabei startet die Net-ID-Foundation mit einer beachtlichen potenziellen Kundenzahl: Über 35 Millionen Internet-Nutzer können sich bereits auf den Partnerseiten mit ihren bestehenden Web.de-, GMX- und 7Pass-Accounts anmelden. Wer nicht über einen solchen Account verfügt, kann sich mit einer beliebigen E-Mail-Adresse auf der Seite netid.de oder direkt auf den Partnerseiten registrieren.

Wer bereits über ein Web.de- oder GMX-Konto verfügt, kann mit wenigen Klicks Net-ID freischalten. (Bild: t3n)

Die European Net ID Foundation als dahinterstehendes Konsortium aus Unternehmen hatte im September anlässlich der Dmexco ihr Partnernetzwerk bekannt gegeben. Zu dem zählen unter anderem die Medienhäuser Süddeutsche Zeitung, Spiegel-Gruppe, Gruner + Jahr und Scout24, die E-Commerce-Anbieter Zalando, Otto Group, C&A, Conrad Elektronik und Douglas sowie der Paketdienstleister DPD. Jedes Unternehmen legt in Abstimmung mit der Stiftung individuell fest, zu welchem Zeitpunkt und auf welchen Partnerseiten der Net-ID-Login-Button integriert wird.

Net-ID wird Interessen der Medien- und Internetkonzerne vertreten

Damit sind in der Tat schon zahlreiche wichtige Partner an Bord, die auch fast alle ähnliche Interessen haben, da sie mit ähnlichen Geschäftsmodellen und Herausforderungen zu tun haben. Und so ist zu erwarten, dass das Konsortium vor allem die Interessen der Medien- und Internetwelt vertreten wird. Es ist allerdings nicht der erste Zusammenschluss dieser Art in Deutschland. Mit Verimi besteht seit einem guten halben Jahr ein weiteres Login-Konsortium aus Allianz, Telekom, Deutsche Bank, Daimler, Bundesdruckerei und etlichen anderen großen Playern. Die Erfolge dieses Zusammenschlusses sind allerdings trotz der großen Namen, die dahinterstehen, noch überschaubar.

Auch wenn es im Sinne einer weiten Verbreitung eher hinderlich ist, dass es jetzt also zwei Netzwerke dieser Art gibt, ist es ein Schritt in die richtige Richtung – hin zu einer alternativen Authentifizierungstechnologie, die deutsche Publisher und Werbetreibende (Agenturen und Unternehmen gleichermaßen) unabhängiger von den großen Login-Systemen wie Google machen soll. Denn insbesondere im Zusammenhang mit der durch die Europäische Union geplanten E-Privacy-Verordnung könnte es sonst zu einer weiteren Entmachtung europäischer Publisher kommen. Zu erwarten ist außerdem, dass sich die Net-ID-unterstützenden Unternehmen auch im Rahmen der neuen Verordnung dafür einsetzen werden, dass das europäische Datenschutzrecht so vernünftig angepasst wird, dass eine Personalisierung von Werbung weiterhin möglich bleibt.

Ob und wie schnell sich der Net-ID-Standard durchsetzt, bleibt abzuwarten. Die Net-ID startet zwar einige Monate später als Verimi, hat aber bessere Chancen, sich durchzusetzen. Klar ist nämlich, dass mit RTL, der Pro-Sieben-Sat1-Gruppe und nicht zuletzt den zur United-Internet-Gruppe gehörenden Angeboten Web.de und GMX eine geballte Medienmacht hinter der Net-ID steht. Es ist zu erwarten, dass hierdurch zumindest die Bekanntheit des neuen Standards schnell erhöht werden kann – Werbezeit und -platz steht hier jedenfalls ausreichend zur Verfügung.

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Eine Reaktion
Jens Hausherr

Das Ganze ist weder ein Standard noch offen.

Zu einem Standard fehlen technische Informationen, die eine Verifizierung der Sicherheit der Daten und des Prozesses ermöglichen.

Es gibt bestehende offene Standards wie OAuth und OpenID Connect, die im Detail und frei zugänglich spezifizieren, wie der Prozess aussieht und ein Audit der Sicherheit ermöglichen.

Zu "offen" fehlt eine echte Offenheit – die Nutzung ist nur den sog. Partnern möglich. Auch gibt es detailliertere Informationen scheinbar nur für Partner.

Warum soll ein Entwickler/Betreiber durch den Reifen der Partnerbewerbung springen, wenn Google, Facebook und Co ihre Nutzeranmeldung per OAuth wirklich frei und standardisiert zur Verfügung stellen.

Bleibt also nur die Interessensvertretung der Medienindustrie, was kein Argument für eine allgemeine Adaption des "offenen" "Standards" liefert.

Das ist keine Alternative

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