Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Kommentar

Netzneutralität: Warum der Internet-Wegzoll verhindert werden muss

(Foto: Free Press, Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Die Netzneutralität in der EU ist akut bedroht wie nie zuvor. Um alten Industriegiganten etwas zuzuschustern, werden Startups und Innovationen verhindert.

In den USA hat Präsident Barack Obama die Netzneutralität behördlich festschreiben lassen – in der EU ist sie gerade im Begriff, für die Lobbypolitik von Telekommunikationskonzernen geopfert zu werden. Eine Abschaffung der Netzneutralität würde allerdings das Internet als großen Innovationsmotor gefährden.

Nur noch heute können Europas Bürger die Entscheidung beeinflussen und eine Mitteilung an die Regulierer schreiben. Bislang haben knapp 500.000 Menschen davon Gebrauch gemacht. Doch der Reihe nach: Was ist Netzneutralität eigentlich?

Kurz gesagt geht es darum, dass sich auf dem Weg der Daten von einem Internetnutzer zu einem anderen nicht noch ein Internet-Zöllner in den Weg stellt und die Hand aufhält. In die Rolle des Zöllners wollen die Telekommunikationskonzerne kommen – und zwar rund um die Welt. In den USA hat die Regulierungsbehörde FCC diesem Bestreben per Obama-Dekret einen Riegel vorgeschoben, bei Europapolitikern rennen die Lobbyisten von Deutscher Telekom und Co dagegen offene Türen ein.

Digitalkommissar Oettinger stellt Lobby-Position auf EU-Website

Das von den europäischen Telekommunikationsanbietern veröffentlichte „5G-Manifest“ wurde sogar absurderweise von EU-Digitalkommissar Günther Oettinger auf der offiziellen Website der EU veröffentlicht, worauf Spiegel-Online-Kolumnist Sascha Lobo hinweist.

So erklärt die EU-Kommission das 5G-Netz. (Bild EU)
So erklärt die EU-Kommission das 5G-Netz. (Bild EU)

Warum aber ist die Beibehaltung der Netzneutralität so wichtig? Warum kämpfen WWW-Erfinder Berners-Lee und so viele andere führende Köpfe der Tech-Szene so verbissen darum? Die ungehinderte Kommunikation aller Teilnehmer untereinander ist die Grundidee des offenen und freien Internets – und die Basis für seinen Erfolg.

Google brauchte 1998 nichts weiter zu tun, als ein paar Server an eine Leitung anzuschließen, die schnell genug war – schon konnte das kleine Unternehmen damit gegen die damaligen Branchengrößen wie Yahoo und Altavista bestehen. Der bessere Suchalgorithmus reichte Google, um erst zum Konkurrenten und dann zum Platzhirsch zu werden. Das Unternehmen musste kein Geld an Telekommunikationsprovider rund um die Welt dafür zahlen, dass die Daten von Google.com genauso schnell durchgeleitet werden, wie die von Yahoo oder Altavista.

Nicht nur an Telko-Giganten, sondern auch an Startups denken

Neue Googles entstehen heute im Netz vermutlich vor allem da, wo große Bandbreiten benötigt werden: Videos mit Virtual-Reality-Anwendungen oder Cloud-Anwendungen, die sich wie normale Desktop-Programme anfühlen. Wird hier mit dem Prinzip der Netzneutralität gebrochen, bedeutet das, dass ein Startup mit Telekommunikationsprovidern in allen europäischen Ländern Verträge über das Durchleiten von Daten abschließen müsste – ansonsten wäre Schnecken-Internet für die neuen Dienste angesagt. Für Startups wäre das eine Katastrophe – Innovationen und damit auch Wertschöpfung und neue Arbeitsplätze würden verhindert.

Oettinger und andere EU-Politiker scheinen derzeit vor allem eine Politik zu betreiben, die Europas Industrie-Giganten hilft. Wer den Worten eines Telekom-Lobbyisten lauscht und diese mit den Reden von Oettinger vergleicht, wird auffällig viele fast wortgleiche Formulierungen finden. Kein Wunder: Noch immer gehört die Deutsche Telekom zu fast einem Drittel dem deutschen Staat.

Ratsam wäre es, wenn Oettinger und andere EU-Politiker bei ihren Entscheidungen zuweilen auch einmal an die Googles von morgen denken würden – denn die könnten durchaus auch aus Europa kommen.

Der Kommentar erschien zuerst bei kress.de

Mehr zum Thema Netzneutralität: Die Daten sind frei… noch!

Finde einen Job, den du liebst

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

2 Reaktionen
Horst G Ludwig

Ich stimme jedweder intensiven Warnung zu und gehe sogar soweit zu behaupten, dass sich Kinderprojekte wie Google und viele andere in der EU nie entwickeln konnten. Wir sind ein hauptsächlich konservativer Kontinent und das übersetzt man in die Vormachtstellung alter kapitaler Idioten, ob nun institutionell oder privat. Lösungen gibt es haufenweise und die erste, die ins Bewusstsein drängt ist: es kann auch weitere Internets geben da die physikalische Struktur des heutigen weit hinter dem Mond liegt und wie in schlechter Politik von einer Reform in die andere hechelt anstatt konsequent zu sein.

Antworten
Pico

Das breite Volk ist zu Dumm um das zu verstehen und Leute wie Sascha Lobo werden als Internetfuzzi hingestellt ohne ernst genommen zu werden. Wenn wir nicht auf breiter Schicht anfangen die Leute zu überzeugen und unser Wissen teilen können wir es in Europa vergessen!

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.