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Startups

Mega-Deal mit Comcast: Netflix besiegelt das Ende der Netzneutralität

Netflix schließt Deal mit Comcast. (Bild: Netflix)

Um die ausreichend schnelle Übertragung von Filmen und Serien zu gewährleisten, schließt der Streaming-Anbieter Netflix einen wegweisenden Deal mit dem größten Internetprovider der USA. Die Netzneutralität ist damit zumindest in den USA nicht mehr gewährleistet.

Netzneutralität adé: Netflix schließt Deal mit Comcast

Es hatte sich abgezeichnet, doch jetzt macht der größte Internetprovider der Vereinigten Staaten ernst: Comcast bittet den populären US-Streaming-Anbieter Netflix zur Kasse – um das horrende Datenaufkommen des Anbieters in Zukunft wieder schneller durch die Leitungen der Endkunden zu transportieren. Wie beide Parteien bestätigen, habe man dazu einen Deal geschlossen: „Comcast und Netflix haben eine Vereinbarung getroffen, die Breitband-Kunden von Comcast in den kommenden Jahren ein hochwertiges Netflix-Streaming-Erlebnis bietet“, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme. Dem Deal waren monatelange Verhandlungen vorausgegangen.

Netzneutralität adé: Der US-Streaming-Gigant Netflix schließt einen teuren Deal mit dem US-Provider Comcast ab. Für mehr Geld gibt es schnellere Daten. (Bild: The Orcon UFB Blog)
Netzneutralität adé: Der US-Streaming-Gigant Netflix schließt einen teuren Deal mit dem US-Provider Comcast ab. Für mehr Geld gibt es schnellere Daten. (Bild: The Orcon UFB Blog)

Netflix erliegt dem Druck der Netzneutralitäts-Gegner

„Netflix sorgt für 30 Prozent des gesamten US-Internet-Traffics.“

Mit dem Deal erliegt Netflix als erstes Internetunternehmen förmlich dem wachsenden Druck der US-amerikanischen Netzbetreiber. Anbieter wie Comcast und Verizon monieren seit Langem das hohe und stetig steigende Datenaufkommen, das vor allem durch Videodienste wie YouTube oder Netflix verursacht wird. Sie fordern die Dienste deshalb dazu auf, dafür zusätzlich Gebühren zu bezahlen. Netflix ist aktuellen Untersuchungen zufolge allein in Stoßzeiten für rund 30 Prozent des gesamten US-amerikanischen Internettraffics verantwortlich. Wer Netflix-Kunde ist, kann eine große Auswahl an Filmen und Serien direkt über das Internet abspielen. Mit 90 Millionen Menschen nutzt fast ein Viertel der gesamten US-amerikanischen Bevölkerung das Angebot, die Tendenz: rasant steigend.

Dass diese Entwicklung den Netzbetreibern ein Dorn im Auge ist, zeichnete sich in den vergangenen Wochen bereits ab. Zahlreiche Nutzer beschwerten sich über spürbar gedrosselte Datengeschwindigkeiten, wenn sie sich Filme oder Serien über Netflix ansehen wollten. Inzwischen wird angenommen, dass die Netzbetreiber die Netflix-Daten – die auf Amazons Serverinfrastruktur AWS aufbauen – vorsätzlich ausgebremst haben. Comcast, Verizon und AT&T haben sich zwar nicht zu den Vorwürfen geäußert. Dass die Provider dieses Vorgehen aber als Druckmittel gegen den qualitätsbewussten Anbieter Netflix eingesetzt haben, gilt als wahrscheinlich.

Netzneutralität: In den USA Geschichte, in Europa auf der Kippe

Durch den jetzt geschlossenen Deal erhält Comcast mehr Geld, Netflix im Gegenzug wieder schnellere Datentransporte. Für das bislang geltende Prinzip der Netzneutralität bedeutet dies hingegen das vorläufige Ende – zumindest in den USA. Netzneutralität bedeutet, dass alle Daten im Internet unabhängig ihrer Art und Herkunft mit der gleichen Geschwindigkeit und ohne gesteuerte Rangfolge durch die Leitungen der Netzbetreiber hin zu den Haushalten der Nutzer wandern. Durch ein neues Urteil in den USA sind Provider wie AT&T, Verizon und Comcast nicht mehr verpflichtet, diese Neutralität zu gewährleisten. Das hat weitreichende Folgen für die Internetwirtschaft: Während finanzkräftige Unternehmen wie Netflix, Google oder Apple problemlos mehr Geld für zuverlässige Datentransporte in die Hand nehmen können, haben kleinere Startups wohl das Nachsehen.

In Europa ist die Netzneutralität aktuell noch gegeben, doch auch das könnte bald anders aussehen. Noch im Laufe des heutigen Montags kommt das Europäische Parlament zusammen, um über einen Richtlinienentwurf zur Netzneutralität zu entscheiden. Wird die Netzneutralität nicht gesetzlich verankert, dürften in Zukunft auch deutschte Internetprovider wie die Deutsche Telekom ihre Pläne gedrosselter Datentransporte umsetzen.

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5 Reaktionen
tomte

Was ist aus den Ueberlegungen der 90er-Jahre geworden, die Downstreams mehrerer Kunden, die den gleichen Film sehen wollen, zusammenzufassen und nur z.B. alle 10 Minuten den "gemeinsamen" Film beginnen zu lassen? Waere das heute technisch machbar?
2. Gibt es Untersuchungen, wieviel Prozent der Downstreams davon profitieren wuerden (durchaus auch in monetaerem Sinne)?
Ich denke, ein Filmbeginn-Raster von z.B. 10 Minuten ist zumutbar, ein Abruecken von der Netzneutralitaet ist nicht zumutbar.

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DerWiener

Wohl noch nie etwas von Quality of Service im Zusammenhang mit dem http Protokoll gehört? Es gehört nun mal schon zum ipv4-Standard, dass manche Pakete mit höherer Priorität zugestellt werden müssen. Voice over IP wäre undenkbar, gäbe es dieses Quality of Service nicht.

So viel zur Qualität der Berichterstattung ... :-D

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Theo

Warten wir mal ab was das Europäische Parlament entscheidet...

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Neutrales Netz

Das Geld müsste eigentlich an die gedrosselten Kunden ausgezahlt werden.
Bei der Ubahn bezahlt man für manche Tarife ja auch weniger, darf aber zwischen 6-8 Uhr (Pendler, Schüler, Arbeiter fahren zur Arbeit) nicht fahren. Bei Automaut wäre ähnliches sinnvoll. Wer schlau ist und nicht dann fährt wenn die anderen fahren könnte ja Rabatte kriegen.

Wenn also Provider bei UMTS oder LTE Geld nehmen weil sie die Bandbreite nicht liefern können, sollte dieses Geld an die Betroffenen ausgezahlt werden.

Es hindert niemand Startups daran, schlank und schnell zu programmieren und Daten zu cachen. Trotzdem bin ich natürlich der Meinung das bei Broadcast-Diensten jeder gleich behandelt gehören sollte.
Das Problem ergibt sich ja auch erst wenn die Bandbreite nicht langt. Da müssten legale Zuteilungs-Methoden definiert werden. Eure Logfiles zeigen Euch die Uhrzeiten klar auf wenn viel und wann wenig gesurft wird.
Politiker und Top-Verwaltungs-Chefs müssten den meistverkauften LTE/UMTS/DSL-Tarif haben und nichts besseres kaufen dürfen. Die VW-Manager und ihre Familien müssten das meistverkaufte Auto und die meistverkaufte Ausstattung (also vielleicht ohne Klima-Anlage und ohne Standheizung) fahren müssen.
usw. Google-Manager und ihre Familien müssten das meistverbreitete Android und RAM/Flash-Ausstattung nutzen müssen.

Auch der Verbraucherschutz könnte Low-Bandwidth-Gebiete messen und veröffentlichen und Provider- bzw. Tarif-Empfehlungen geben. Sowas ist trivial und manche Apps gibts ja schon dafür.

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Oink

Ohje, ich hoffe das sich das bei uns nicht durchsetzt. Finde es ehrlich gesagt extrem problematisch. Die Provider sind meiner Meinugn nach selbst Schuld, wenn die den Traffic nicht handhaben können und sollten daher selbst Lösungen finden die alle zufrieden stellt. So wie jetzt ist es keine dauerhafte Lösung ... Ich sehe schon kommen, das man in Zukunft zu einer Flat am Ende noch Prioritäten für Dienste wie Youtube und co extra zahlen muss, damit diese nicht gedrosselt werden. Zumal das am Ende überhaupt nicht Transparent für dne Endkunden ist, drosselt der Provider oder liegt es an der Seite?! ....

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