Analyse

Mit dieser neuen Funktion will Google im E-Commerce mitkassieren

Google rückt mit Shopping Actions immer weiter ins Terrain der E-Commerce-Anbieter. (Bild: Bubble_Tea Stock / Shutterstock)

Google bringt jetzt im Probebetrieb seine Shopping Actions nach Europa. Das Unternehmen will mit der Direktkauf-Option Onlinehändlern Geschäfte vermitteln – und in Form einer Provision mitkassieren.

Gleich in den Suchergebnislisten kaufen – das passt in die Strategie von Google. Schon im vergangenen Jahr hatte Google in einigen Märkten mit Shopping-Funktionen experimentiert und keinen Zweifel daran gelassen, dass man an der Strategie, dem Kunden so viel wie möglich zu bieten, ohne dass er die Suchergebnisseite verlassen muss, festhält. Jetzt sind erste Beispiele aus Frankreich aufgetaucht, wonach Google zusammen mit einigen großen Handelsketten an Direktkaufoptionen unter Google Shopping arbeitet. Mit dabei sind zum Start offenbar große Handelsketten wie Auchan und Carrefour, aber auch einige kleinere, national bekannte Ketten für bestimmte Branchen.

Shopping Actions: Googles neues Kauf-Feature

Geplant sind offenbar auch Funktionen für den Google Assistant, sodass Kunden im Rahmen von Voice-Commerce quasi auf Zuruf Waren bestellen können, sofern ein entsprechender Anbieter hinterlegt ist, der zur eigenen Adresse liefert. Dabei plant Google dem Vernehmen nach keinen eigenen Marktplatz, sondern will dem Kunden „nur“ das direkte Einkaufserlebnis ohne den Umweg eines Shops bieten. „Shopping Actions ist ein Format, das unsere Werbelösungen ergänzt. Wir sind nicht dazu bestimmt, ein Marktplatz zu sein. Wir wollen die Händler so nah wie möglich an die Käufer heranführen, indem wir vermeiden, dass sie zu einem Zeitpunkt mit einer bestimmten Absicht des Käufers eine Verkaufschance verpassen“, erklärt François Loviton, Director Brands and Retail bei Google France gegenüber der französischen Ausgabe von Business Insider.

Naturgemäß nimmt Google hierbei die Vermittlerrolle ein und kann nicht – wie Amazon – für das Fulfilment sorgen. Der kooperierende Partner erhält somit eine Versandanweisung und die nötigen Daten. Natürlich lässt sich Google derartige Vermittlungsprozesse vergüten – wie hoch genau, ist bislang nicht bekannt. Hinterlegt sind auch entsprechende Lieferfristen, sodass Google die erforderlichen verbindlichen Zustellungsangaben machen kann. Offenbar ist der Dienst selbst noch nicht bei allen französischen Google-Accounts verfügbar.

Angriff auf Amazon

Überraschend kommt die Shopping-Offensive von Google nicht. Nachdem das Unternehmen im Werbeumfeld bereits heute Millionen verdient, ist der nächste schlüssige Schritt, Amazon im Shopping-Markt anzugreifen. Denn mehr als jede zweite Suche im Shopping-Umfeld startet bei Amazon – der Onlinehändler hat sich zu etwas wie dem Google für Produkte entwickelt, auch wenn daraus nicht jeder Kauf resultiert. Und der Kunde, der ein Produkt eben nicht über Google sucht, findet auch nur im zweiten Schritt (oder gar nicht) zu anderen E-Commerce-Händlern.

Es dürfte davon abgesehen Google in der Tat ein Dorn im Auge sein, dass zu ziemlich jeder Suche nach Produkten einer der ersten drei Treffer ein Amazon-Link ist – und der Nutzer dann dorthin verschwindet. Schlüssiger ist es daher, den Kunden in den SERP zu halten und im Idealfall gleich dort zufriedenzustellen und zum Kauf zu bewegen. Das ist übrigens auch eine beliebte Strategie von Preissuchmaschinen wie Idealo – frei nach dem Motto „warum den Kunden weiterschicken, wenn man das Geschäft gleich selbst vermitteln und eine Provision vom Händler erhalten kann?“. Umgekehrt würde es aber für Google keinen Sinn ergeben, Amazon bei den Suchergebnissen nach unten zu ranken, weil oberstes Credo ist, den suchenden Kunden zufriedenzustellen. Und dem kann man im Zweifelsfall nur andere Angebote machen, wie Google das mit den Shopping Actions in Zukunft tun wird.

Und nicht zuletzt erweitert Amazon selbst sein Portfolio immer mehr in Richtung Werbeformate und greift dabei vor allem im Programmatic-Markt den großen Werbenetzwerken, allen voran aber Google und Facebook, Kunden ab. Es ist also davon auszugehen, dass beide Unternehmen in den nächsten Jahren im Terrain des Konkurrenten wildern werden. Für Werbetreibende und Onlinehändler ist das eine erfreuliche Entwicklung – sie sind zunehmend nicht mehr nur auf den einen Partner angewiesen. Andere Marktplätze, etwa Ebay, werden diese Entwicklung ebenfalls begrüßen, auch wenn ihnen hier eine weitere Konkurrenz ins Haus steht.

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Ein Kommentar
David
David

Sehr interessanter Artikel. Google möchte halt überall mitspielen und Geld verdienen.
Ich bin jedenfalls sehr gespannt wie erfolgreich Google damit sein wird.

Hier ist auch ein interessanter Artikel von GlobalsInsider zum Thema E-Commerce der mir ziemlich weitergeholfen hat.

https://globalsinsider.com/e-commerce-so-starten-sie-ein-erfolgreiches-business/

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