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Neuer Ärger für Canonical: Ubuntus Snap-Store erzürnt die Open-Source-Gemeinde

Ubuntu wechselt zum Snap-Paketformat. (Screenshot: Canonical)

Mit der aktuellen Version 20.04 hat Ubuntu den Wechsel zu seinem eigenen Paketformat Snap vollzogen. Das gefällt vor allem Entwicklern nicht, die ihre Distributionen auf Ubuntu aufsetzen.

Der prominenteste Kritiker des neuen Snap-Paketformats, das Canonical seit der April-Version des Betriebssystems als Standard einsetzt, dürfte der Chefentwickler der beliebteren Distribution Linux Mint, Clement Lefebvre, sein. Linux Mint soll demnächst in Version 20 erscheinen und auf dem aktuellen Ubuntu basieren.

Canonicals Snap-Pakete sorgen für Unmut

Das war bislang kein Problem. Nun aber setzt Canonical anstatt der bisherigen offenen Debian-Pakete auf das neue Snap-Format. Snap-Pakete können nur aus einem sogenannten Snap-Store geladen werden. Und der bislang einzige Snap-Store wird von Canonical betrieben. Die Software dazu ist proprietär. Canonical will auch offenbar keine freie Lizenz ausgeben.

Im Grunde wäre es kein Problem, mit mehreren verschiedenen Paketverwaltungen zu arbeiten. Das ist gerade unter Linux gang und gäbe. Das eigentliche Problem besteht in Canonicals Implementation der Snap-Verwaltung.

Implementation als Knackpunkt

Denn die sieht vor, dass Ubuntu entscheidet, ob ein Snap oder ein Debian-Paket installiert wird. Selbst wenn Nutzer eine App als Debian-Paket zur Installation auswählen, wird Ubuntu ein Snap ausliefern, sofern es bereits eines für diese App gibt. So kommt es zur quasi unbemerkten Nutzung des Snap-Store, den Lefebvre deshalb nicht ganz unbegründet als „Backdoor“, also als Hintertür, bezeichnet.

In einem ausführlichen Blogpost zum Thema stellt er klar, dass Snaps nach Ubuntu-Lesart seinem Verständnis von Open Source nicht entsprechen. So seien sie aus Nutzeraugen im Grunde wie proprietäre Anwendungen zu betrachten. Vor allem die Festlegung auf den Snap-Store bringt den Entwickler auf. Könnte jede Distribution ihren eigenen Snap-Store betreiben, hätten die Entwickler Alternativen.

Ubuntu: Snap Store. (Screenshot: Canonical)

Mints Antwort: Keine freie Lizenz, keine Installation

Tatsächlich aber hat Canonical die Software für den Betrieb eines Snap-Store unter eine proprietäre Lizenz gestellt und niemandem sonst Zugriff gegeben. Deshalb können weder die Entwickler von Linux Mint noch die anderer Distributionen auf Ubuntu-Basis eigene Snaps anbieten.

In Linux Mint 20 will Lefebvre deshalb technisch dafür sorgen, dass Snaps nicht automatisch installiert werden können. Dazu will er den Snap-Client und den Snap-Daemon blockieren.

Lefebvre will allerdings keine völlige Blockadehaltung einnehmen, sondern es den Nutzern seines Systems überlassen, ob sie den Snap-Store nutzen wollen. Das soll aber auf der Basis einer informierten Entscheidung und nicht gleichsam durch die Hintertür per automatischer Installation erfolgen.

Chromium-Snap begründet Streit

Ausgangspunkt des Problems war der Chromium-Browser. Canonical hatte angekündigt, Chromium künftig nur noch als Snap-Paket zu integrieren und auf das konventionelle Deb-Paket zu verzichten. Da Chromium zum Grund-, aber nicht zum Standardumfang der meisten Linux-Derivate gehört, hätte Linux Mint schon bei dieser wichtigen App den Snap-Store abnicken müssen. Hierzu war Lefebvre nicht bereit.

Im Falle von Chromium ist das Problem letztlich keines. Immerhin kann der Browser unproblematisch direkt beim Hersteller geladen werden. Dennoch ist nachvollziehbar, dass die Entwickler keine quasi unkontrollierte Distribution von Software hinnehmen wollen. Bei Chromium ist es aufgefallen, bei anderen Apps würde es vielleicht nicht mal bemerkt.

Canonical kann Ärger kaum verstehen

Canonical kann die Kritik an der eigenen Vorgehensweise kaum nachvollziehen. In einer Stellungnahme gegenüber ZDNet erklärt Canonicals Community-Manager Alan Pope die Vorteile der Snap-Pakete. So sei etwa die Pflege von Anwendungen deutlich einfacher. Zudem müssten die Snap-Pakete nur einmal pro Architektur erstellt werden. Das sei eine deutliche Erleichterung zur bisherigen Vorgehensweise, bei der Anwendungen für verschiedene Versionen mit unterschiedlichen Compilern erstellt werden müssten. Zudem füge die Containerisierung der Apps als Snap-Paket eine zusätzliche Sicherheitsebene hinzu. Die Apps laufen in einer virtuellen Sandbox.

Auf die Kritik an der proprietären Ausprägung des eigenen Snap-Store geht Pope in seiner Stellungnahme indes nicht ein. Dabei ist gerade die der zentrale Kritikpunkt an Canonicals Vorgehensweise. Stünde der Snap-Server unter einer freien Lizenz, gäbe es die Aufregung wohl nicht.

Passend dazu: Windows-Alternativen: Diese Linux-Distributionen eignen sich perfekt für Umsteiger

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