Kommentar

Von der „Null“-Nummer zum Quotengarant? Zalando zeigt Haltung!

Logo des Online-Modehändlers Zalando. (Foto: dpa)

Zalando hat sich selbst eine neue Frauenquote auferlegt: Mindestens 40 Prozent bis 2023, auch für Vorstand und Aufsichtsrat. Gute Sache, da kann man ruhig mal klatschen. Ein Kommentar.

Anfang des Jahres erntete Zalando einen ordentlichen Shitstorm. Der Grund dafür: Das Unternehmen hatte sich nicht nur eine Null-Prozent-Frauenquote für den Vorstand zum Ziel gemacht, sondern gleich auch noch zwei neu geschaffene Vorstandsposten mit Männern besetzt. Die unfassbare Begründung: Es gäbe einfach keine Frauen mit gleicher Qualifikation.

Ziel: 40 bis 60 Prozent Frauenanteil

Dass das totaler Quatsch ist, hat der Konzern nun selber gemerkt, denn Zalando ändert den Kurs. Bis 2023 soll es in den oberen sechs Führungsebenen einen Frauenanteil von 40 bis 60 Prozent geben. Gar keine so dumme Idee, wenn man bedenkt, dass Frauen die größte Zielgruppe für das Unternehmen sind. Aber auch ohne die Wirtschaftlichkeit im Hinterkopf zu haben, kann man sich über diese Nachricht von Zalando einfach mal freuen.

Denn was ich durchaus bemerkenswert an der Pressemitteilung von Zalando finde: Der Konzern gibt ganz offen zu, dass es einfach nicht cool ist, wenn nur Männer an der Spitze stehen. Der Konzern gibt zu, zu wenig auf Diversität geachtet zu haben. Die Konzernspitze zeigt Einsicht – und präsentiert ihren Lösungsansatz gleich mit. Ich meine, wann hat man schonmal von einem CEO den Satz gehört: „Uns ist bewusst, dass es in unseren Führungsteams an Diversität fehlt und wir arbeiten intensiv daran, das zu ändern“? Das dürfte verdammt selten der Fall gewesen sein. Wenn mich nicht alles täuscht, ist das sogar die erste Meldung zur Quote, in der nicht die hohle Floskel vorkommt: „Wir wollen ja, aber wir können nicht.“

Nicht die Frauen sind schuld, sondern die Unternehmen

Klar, vielleicht könnte man an dieser Stelle kritisieren, dass die Einsicht von Zalando reichlich spät kommt. Man könnte sich fragen: Warum denn nicht gleich so? Vermutlich könnte man sogar denken, das sei alles nur eine Masche des Konzerns, um ihr angekratztes Image wieder aufzupolieren. Ich glaube allerdings, dass Zalando mit seinem Kurswechsel einen ganz entscheidenden Beitrag für mehr Diversität leisten kann, einen entscheidenden Beitrag pro Quote. Bei Zalando sind nämlich ausnahmsweise mal nicht die vermeintlich ungeeigneten Frauen schuld daran, dass sie unterrepräsentiert sind, sondern der Konzern selbst.

Warum das so wichtig ist? Es färbt ab, wenn Unternehmen kommunizieren, dass die Attribute „weiblich“ und „ausreichend qualifiziert“ nicht zusammenpassen. Es färbt ab, wenn Unternehmen die Verantwortung von sich weg und den Frauen in die Schuhe schieben. Das verzerrt die gesamte Diskussion um eine Quote. Ein Beispiel dafür: Erst vor wenigen Tagen wurde ich von einem Bekannten nach meiner Meinung zur Frauenquote gefragt. Anstatt darüber sprechen zu können, welche Vorteile eine Quote bietet, habe ich die Hälfte des Gesprächs damit verbringen müssen, zu nicken und zu sagen: „Ja, es gibt Frauen, die für einen Vorstandsposten geeignet sind.“ Das ist doch traurig.

Ein Schuldeingeständnis, wie das von Zalando, ist also unheimlich wertvoll. Statement und Vorhaben haben das Potential, ein völlig verzerrtes Bild wieder geradezurücken. Wenn jetzt noch mehr börsennotierte Konzerne gleichziehen, haben wir ganz bald einiges erreicht. Mögen den Worten Taten folgen.

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