Reportage

Nutzer wütend: Google entfernt Open-Source-Apps wegen Spendenlink aus dem Play-Store

(Foto: Framesira / Shutterstock)

Google sieht sich wütenden Protesten ausgesetzt, seit es die kostenlose App „Wireguard“ wegen der angeblichen Verletzung von Bezahl-Regeln aus dem Play-Store verbannt hatte. Inzwischen ist die App wieder verfügbar.

Die Open-Source-App Wireguard ist Teil eines kostenlosen Projekts, dass sich weitgehend aus dem Enthusiasmus seiner Entwickler und aus Spenden finanziert. Die App kann kostenlos geladen und verwendet werden.

Spendenaufrufe sind in Android-Apps nicht zulässig

Um Nutzern den Zugang zu den Spendenangaben zu erleichtern, bauten die Entwickler in ihrer App eine Navigations-Option namens „Donation“ ein, die auf eine externe Website mit näheren Angaben zum Spendenablauf führte. Das war offenbar der Stein des Anstoßes im Hause Google.

Denn nachdem der Suchmaschinenriese die Aufnahme der neuen Version der App am heutigen Morgen zunächst bestätigt hatte, flatterte dem Hauptentwickler Jason Donenfeld nur zwanzig Minuten später eine Mitteilung Googles ins Postfach, die unerfreulichen Inhalts war.

Aufgrund einer Verletzung der Richtlinien zur Bezahlung innerhalb von Apps habe Google nicht nur die aktualisierte Version der App gesperrt, sondern das komplette App-Listing entfernt. Wireguard konnte über die Play-Store-Suche nicht mehr gefunden werden.

Donenfeld konnte sich den Vorgang nur mit dem Einbau des Donations-Links erklären, entfernte diesen umgehend und reichte die App neu ein. Inzwischen ist das App-Listing wieder online und die App kann installiert werden, enthält aber in der Tat den Spendenverweis nicht mehr.

Rege Diskussion: Sperrung durch Google richtig oder falsch?

Kurz nach der Sperrung entwickelte sich eine rege Diskussion verärgerter Nutzer auf Hacker News. Im Verlauf dieses Threads wurde deutlich, dass Wireguard nicht die einzige von einem solchen Bann betroffene App ist. Auch die offene Zwei-Faktor-Authentifizierung andOTP erhielt eine entsprechende Mitteilung aus Mountain View. Andere Entwickler berichteten vom gleichen Problem.

Gemein ist den so geschädigten Apps stets, dass sie unter der Open-Source-Lizenz stehen und sich maximal aus Spenden finanzieren.

Google indes bietet mit den In-App-Käufen und der Bannerwerbung nur zwei Möglichkeiten, eine App zu monetarisieren. Dabei schließt der Hersteller die Verwendung von In-App-Käufen zur Spendenakquisition aus. Wenn aber ein Open-Source-Projekt keine Werbung machen will und keine Spenden über In-App-Käufe annehmen kann, welche Möglichkeiten bleiben dann?

Die Diskutanten auf Hacker News sind gespalten. Während die einen glauben, dass es Google nur darum gehe, alle Wege zu schließen, die Google vom getätigten Umsatz ausschließen, betrachten andere die Sache differenzierter.

Sie argumentieren, dass eine Umgehung der Bezahlrichtlinien des Play-Store dem Betrug Tür und Tor öffnen würde, während Google im Zweifel noch dafür zur Verantwortung gezogen werden könnte. Insofern sei es nur richtig und konsequent, wenn Google Spendenaufrufe als Monetarisierungsoption blockiere.

Spenden-Links sind nicht in jedem Fall verboten

Tatsächlich dürfen gemeinnützige Projekte innerhalb von Apps um Spenden bitten. Die Wikipedia macht es etwa so. Allerdings verlangt Google in solchen Fällen den Nachweis der Gemeinnützigkeit, der mit Steuerbefreiung einher geht. Den können Open-Source-Projekte natürlich im Regelfall nicht liefern.

Das Problem ist also derzeit ungelöst. Es ist an Google, sich zu positionieren. Schließlich kann nicht jedes Projekt den Anerkennungsprozess der Gemeinnützigkeit durchlaufen müssen, nur um einen Spenden-Button in eine Android-App bauen zu dürfen. Eine Google-interne Prüfung könnte hier wohl eine Lösung sein. Die aber kann nur gelingen, wenn der Suchmaschinenriese sich dazu bereit erklärt.

Das ist Wireguard

WireGuard ist eine sehr junge Technologie für sichere und leistungsfähige virtuelle private Netze (VPN). Es handelt sich um ein Open-Source-Protokoll und eine Open-Source-Software, die eine Alternative zu etablierten VPN-Lösungen wie OpenVPN oder IPsec bieten soll und dabei vergleichsweise wenig Aufwand verursacht. Neben verschiedenen Desktop-Varianten bieten die Entwickler auch Apps für Android und iOS an.

Das ist andOTP

andOTP ist eine App für die Generierung von Codes im Rahmen einer Zwei-Faktor-Authentifizierung. Sie ist ein Fork der nicht länger gepflegten App OTP Authenticator und wird auf Github als Open Source vorgehalten.

Das komplette App-Listing im Play-Store wurde von Google, mutmaßlich wegen eines in der App enthaltenen Spenden-Links, entfernt. Der Entwickler hat reagiert und hält die App nur noch im alternativen App-Store F-Droid vor.

Passend dazu: Öffi-App: Rätselraten nach Rauswurf aus Google-Play-Store

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Ein Kommentar
asdf
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Wie löst mapple das denn?

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