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Obama bei Bits & Pretzels: „Diversity ist kein Akt der Nächstenliebe“

Barack Obama gab sich entspannt und optimistisch auf der Bits & Pretzels in München. (Foto: Sebastien Bonset, t3n)

Auf dem Gründerfestival Bits & Pretzels war in diesem Jahr der ehemalige US-Präsident Barack Obama der Eröffnungsredner. Er gab sich einerseits optimistisch, sparte aber auch nicht mit Kritik.

Vor zwei Jahren hatten die drei Organisatoren des Bits & Pretzels-Festivals in München noch gewitzelt, Barack Obama, Angela Merkel oder Elon Musk wären tolle Speaker, die sie gerne mal zum Startup-Festival nach München holen würden – jetzt, zwei Jahre später, ist es der ehemalige US-Präsident, der die Eröffnungsrede hält. Der Weg dorthin, das bekräftigt Andi Bruckschlögl auf der Bühne, war lang – und man habe eigentlich zwischenzeitlich nicht daran geglaubt, dass der Coup gelingt.

So traf man heute auf dem Münchner Messegelände 8.000 Zuhörer, reichlich Security-Aufgebot und einen entspannt wirkenden Barack Obama, der zunächst einmal erklärt, warum er nicht am dritten Tag mit zum Oktoberfest kommt: „Mehrere Tausend Menschen in einem Zelt direkt um mich herum – das empfinden meine Sicherheitsberater vom Secret Service als ein wenig beunruhigend“, so Obama – nicht ohne zu betonen, dass er ansonsten der Vorstellung, auf der Wiesn eine Lederhose zu tragen, durchaus etwas abgewinnen könnte.

Der knapp einstündige Talk mit Britta Weddeling gerät dann zum Ritt durch die aktuellen gesellschaftlichen Themen – und Obama gelingt es, sich wohltuend bescheiden und zurückgelehnt zu zeigen. Man merkt, dass der ehemalige US-Präsident mit vielen Positionen seines Nachfolgers nicht konform geht – und doch fällt, wie in anderen Diskussionsrunden davor, nie der Name Trump, so sehr ihm die Moderatorin auch entsprechende Vorlagen zu liefern versucht.

Obama: Diversität als Motor der Exzellenz

Klar positioniert hat sich der ehemalige US-Präsident zum Thema Diversity: Er habe bereits in seiner Amtszeit gelernt, dass der Redeanteil der männlichen Mitarbeiter zwar deutlich höher war, dass dies aber nicht immer zielführend gewesen sei. Daher habe er sich darum bemüht, mehr junge Frauen für entscheidende Posten in der Politik zu motivieren und zu fördern. Obama bekennt sich klar zur Diversität in jeglicher Hinsicht: „Diversity in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft ist kein Akt der Nächstenliebe, sondern ein Motor für Exzellenz.“ Er sehe außerdem an seinen Töchtern, dass da eine Generation heranwachse, die das deutlich selbstverständlicher einfordere als frühere Generationen.

Überhaupt präsentierte sich der ehemalige US-Präsident optimistisch im Hinblick auf die Zukunft: „Wenn dein Name Barack Hussein Obama ist und du es ins Weiße Haus geschafft hast, dann kannst du optimistisch sein.“ Ohne Optimismus, so der frühere US-Präsident, wäre er niemals dorthin gekommen. Sicherlich eine Geschichte, die Obama regelmäßig erzählt – und doch gelingt es dem ehemaligen Präsidenten, das Auditorium zu unterhalten, gleichzeitig aber auch mit seiner politische Kritik und Haltung nicht hinterm Berg zu halten.

Angesichts antidemokratischer und nationalistischer Entwicklungen sei es an der Zeit, sich mal wieder bewusst zu werden, wie gut es der Gesellschaft eigentlich geht. „Unsere Gesellschaften waren unterm Strich niemals gesünder, besser ausgebildet, wohlhabender und auch toleranter und diversifizierter als dies heute der Fall ist.“ Gleichwohl müsse man bei Change-Prozessen schauen, dass man alle mitnimmt. „Veränderungen machen vielen Leuten Angst und das führt zu Konflikten, die wir nicht ausblenden dürfen.“ Gleichzeitig sei es – diesseits und jenseits des Atlantiks – an der Zeit, sich zurückzubesinnen auf eine gesunde Kombination aus Gemeinsinn und Eigenverantwortung.

„Alles den Kräften der Märkte zu überlassen, kann nicht die Lösung sein – und auch in Schulen und Universitäten müssen wir einsehen, dass sich nicht einzelne aus der Verantwortung ziehen können und keine Steuern zahlen müssen.“ Dabei spricht sich Obama dafür aus, bereits in Schulen und Hochschulen mehr Führungsfähigkeiten und Gründergeist zu vermitteln, weil nichts eine Gesellschaft weiterbringen könne als gute Ausbildung – eine Botschaft, die bei einer Gründer- und Startup-Konferenz entsprechend gut aufgenommen wird und die in den USA sicherlich noch einmal eine andere Bedeutung hat als in Mitteleuropa.

Obama schläft inzwischen mehr – und beschäftigt sich mit Herzensthemen

Was sich für ihn selbst geändert hat, seitdem er das Weiße Haus verlassen hat, fasst Obama so zusammen: „Schlaf ist eine absolut unterbewertete Sache – das habe ich erst nach dem Ende meiner Präsidentschaft bemerkt. Und auch mit meiner Frau und meiner Familie verbringe ich inzwischen mehr Zeit“, erklärt der Präsident und wird gleich wieder ernst: „Und ich habe gemerkt, dass ich mich inzwischen intensiver mit einem Problem beschäftigen kann – weswegen ich mir bestimmte Themen herauspicke, die mir am Herzen liegen.“ Der Klimawandel und das Thema Nachhaltigkeit sind solch ein Themenfeld: „Es ist traurig, dass eine solche Bürde auf einem sechzehnjährigen Mädchen lastet. Wir sollten es jungen Menschen nicht so schwer machen – auch und gerade alte Menschen wie ich einer bin“, erklärt Obama in Anspielung auf Greta Thunberg. „Das sind Themen, die wir Erwachsene zu verantworten haben“, sagt Obama und ergänzt, er bewundere die Kraft und Beharrlichkeit der jungen Schwedin. Gleichzeitig gibt er aber zu bedenken, dass die Bewegung nicht auf eine Person zu reduzieren sei: „Es gibt überall Gretas. Ich sehe Mut, und ich sehe Innovation, und ich sehe Idealismus.“

Keinen Zweifel lässt Barack Obama zudem daran, dass er ein Anhänger von Zukunftstechnologien wie künstlicher Intelligenz und Machine Learning ist: „Es gibt eine Vielzahl von Innovationen, die unsere Welt weiter bringen werden und uns beispielsweise bei Verkehr und Stadtplanung, in der Medizin oder beim Wohnen wertvolle Dienste leisten können.“ Man sollte sich darüber bewusst sein, dass die Politik da oftmals erst drauf gebracht werden muss – dem dann aber gar nicht unbedingt ablehnend gegenüber stehe. „Denn letzten Endes dürfte das, was Wohlstand bringt, auch der Gesellschaft nützen. All das ist manchmal einfacher als gedacht.“ – er bleibt halt einfach ein Optimist.

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Ein Kommentar
Johannes
Johannes

Endlich mal wieder ein Artikel, der nicht nur abgeschrieben wirkt, Danke!

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