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MIT Technology Review Feature

Ökonomie trifft Ökologie: Diese Frau beziffert den Geldwert einer Honigbiene

Die Umweltforscherin Gretchen Daily berechnet den ökonomischen Wert von Flora und Fauna. Ihr Ziel ist Naturschutz, der sich sowohl für die Gesellschaft als auch die Wirtschaft auszahlt.

Von MIT Technology Review Online
4 Min.
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Gretchen Daily erforscht, wie wertvoll die Natur für den gesellschaftlichen Wohlstand ist. Auch privat weiß sie den Wert der Natur zu schätzen, hier mit Huhn Joshie.

Foto: Patrick Tehan

Wie hoch ist der Geldwert einer Honigbiene, der eines Bergbachs oder der eines Mangrovenbaums? Gretchen Daily, Mitbegründerin des Stanford Natural Capital Project, hat sich beruflich der Beantwortung solcher komplexen Fragen gewidmet. Mithilfe neuer wissenschaftlicher Daten und innovativer Open-Source-Software hilft Daily Regierungen, internationalen Banken und Nichtregierungsorganisationen, den Wert der Natur zu quantifizieren. Und sie beziffert, was die Erhaltung und Wiederherstellung von Ökosystemen wirtschaftlich einbringt.

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Die US-Ökologin promovierte in den 1990er-Jahren in Stanford. Es sei, wie sie sagt, eine revolutionäre Zeit für interdisziplinäre Ansätze zur Bewältigung wirtschaftlicher und ökologischer Krisen gewesen. In einem von der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften veranstalteten Gipfeltreffen kamen erstmals Ökologen und Ökonomen an einen Tisch. Sie wollten die Vorteile eines gemeinsamen Ansatzes zur Entwicklung von Wirtschafts- und Umweltpolitik erörtern.

Der Anstoß zum Umdenken

„Die Menschheit ist lange davon ausgegangen, dass die Natur unendlich ist“, sagt Daily. „Wir wussten zwar, dass Zusammenbrüche von Zivilisationen zumindest teilweise auf das Zerstören der lokalen Umwelt zurückzuführen waren. Aber niemand dachte, dass das auf globaler Ebene passieren könnte.“ Der Klimawandel und seine unzähligen Auswirkungen hätten schließlich den Anstoß zum Umdenken gegeben. „Diese Krise hat uns alle gezwungen, die Annahmen zu überdenken, auf denen die Wirtschaftssysteme beruhen. Sie hat auch die Schwachstellen verschiedener Forschungsrichtungen aufgezeigt, die sich über Jahrzehnte und sogar Jahrhunderte hinweg aufgebaut hatten.“

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Dieser Text ist zuerst in der Ausgabe 3/2024 von MIT Technology Review erschienen. Darin beschäftigen wir uns damit, was nach ChatGPT und Co. kommt. Hier könnt ihr die TR 3/2024 bestellen.

Im Jahr 1997 erschien Dailys Buch Nature’s Services: Societal Dependence on Natural Ecosystems. Es war eines der ersten zum Konzept der Ökosystemleistungen, die den Wert von Ressourcen wie sauberem Wasser, fruchtbarem Boden und Lebensräumen für die Artenvielfalt quantifizierten. Und das Buch regte eine noch nie da gewesene interdisziplinäre Zusammenarbeit an. „Vielen von uns wurde bewusst, dass Umweltprobleme im Grunde wirtschaftliche und soziale Probleme sind. Wir können die Vitalität und Sicherheit der Biosphäre nicht erhalten, wenn wir die Natur nicht wertschätzen“, betont Daily.

Wert der Natur

Diese Erkenntnis inspirierte die Ökologin, 2005 das Natural Capital Project zu gründen – eine internationale Kooperation zwischen Stanford, der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, der Nature Conservancy, der Universität von Minnesota und dem World Wildlife Fund. Die Grundidee der Initiative: Die Kartierung und Modellierung des monetären Wertes der Natur würde auch die führenden Politiker der Welt dazu bringen, die inhärenten Vorteile der Naturerhaltung zu erkennen. Und tatsächlich arbeitet das Natural Capital Project mit Banken, Regierungen und gemeinnützigen Organisationen auf der ganzen Welt zusammen.

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Um den Wert der Natur zu ermitteln, hat die Organisation das Open-Source-Softwaremodell InVEST entwickelt. Es kombiniert Unmengen an Daten, unter anderem aus Satellitenaufnahmen, Bodenuntersuchungen, Klimamodellen und Karten.

Die Asiabank ADB unterstützt den Schutz von Feuchtgebieten in den Philippinen. Das hilft nicht nur beim Klimaschutz, sondern sichert auch den Lebensunterhalt der Fischer.
Foto: Jess Silver / Natural Capital Project

Der kolumbianischen Regierung half die Initiative zum Beispiel, einen Schutzplan für den karibischen Golf von Morrosquillo und sein Hinterland zu entwickeln: Der Fluss Río Sinú ist eine wichtige Trinkwasserquelle für viele flussabwärts gelegene Gemeinden. Allerdings entspringt er einem Gebiet, das finanziell auf Holzeinschlag, Viehzucht und Landwirtschaft angewiesen ist. Als Folge der Bewirtschaftung lagert sich zunehmend erodierter Boden im Fluss ab. Mithilfe von InVEST konnten Daily und ihr Team die Folgekosten der Schlammablagerung bezogen auf die Trinkwassergewinnung und die Wasserkraft beziffern. Sie ermittelten außerdem den Wert der flussaufwärts gelegenen Wälder, die wie ein Filter für erodierte Böden wirken und die Verstopfung der Flüsse verhindern können. „Die Gemeinden der Region profitieren in einer Weise von diesem Wald, die ihnen gar nicht bewusst war“, sagt Lisa Mandle, leitende Wissenschaftlerin beim Natural Capital Project. Die kolumbianische Regierung habe jetzt einen starken Anreiz, die Menschen bei Erhalt und Pflege dieses äußerst wichtigen Waldes zu unterstützen.

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