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OFFF 2018: Design-Highlights und Trends vom Festival in Barcelona

Logo des OFFF-Festivals. (Screenshot: t3n.de)

„Oyster Flavoured Food Festival“, „Orange Fringe Fathers Festival“  oder „Overdressed Ferocious Faces Festival“ – das Designfest schlechthin, die OFFF 2018, hatte viele Namen und viel Kreatives zu bieten. Unsere Gastautoren berichten.

Kleine Leute – große Ideen

Einmal im Jahr verwandelt sich Barcelona zum Mekka für tausende Designer und Künstler. Sie wollen den Großen der Branche lauschen, sich vom Flair des Festivals inspirieren lassen und die neuesten Trends diskutieren. Natürlich waren auch in diesem Jahr wieder die großen Namen der Designbranche wie Stefan Sagmeister, Malika Favre oder die Agentur Pentagram am Start. Davon abgesehen wussten 2018 aber besonders die „Kleinen“ zu überzeugen – darunter das in Barcelona ansässige Studio Amigo Total. Sie boten eine Reizüberflutung an kreativem Output aus diversen Disziplinen (Print, Web, Motion, Video). Provokativ, frech und frisch.

Herausragend waren dabei vor allem ihre Kampagnen für das MIRA Festival in Barcelona und ihre Miniserie „Tocho“, die in kurzen Episoden die Abenteurer einer drogenabhängigen, pubertären Mauer erzählt. Richtig gelesen, einer Mauer. Einfach genau die Ideen, die andere lieber in der Schublade lassen beziehungsweise eventuell gar nicht zu denken wagen. Hard to believe! Aber hinter dieser Menge an kreativem und crazy Output stecken lediglich fünf Leute.

Designprozesse neu denken

Während der größte Teil der OFFF-Speaker die Kreation von Neuem behandelt, dreht es sich bei den Designern von Facebook zu 90 Prozent um die Weiterentwicklung von Bestehendem. Facebook Design Systems präsentierte eigens entwickelte Tools, die seit einiger Zeit im Design-Team von Facebook erfolgreich zum Einsatz kommen und die Arbeit des gesamten Teams extrem erleichtern.

Neben dem bereits weit verbreiteten Prototyping-Tool Origami wurden die Sketch-Plug-Ins Layoutkit, Interfacekit, Glyphkit, Colorkit und Typekit vorgestellt. Alle administriert ein kleines Team, aktualisiert und füttert sie stetig mit neuen Inhalten. Die Kits beinhalten aktuelle UI-Elemente, Stylings, Icons und sogar komplette Layouts und stehen den weltweit über 600 Facebook-Designern sofort zur Verfügung.

Neben den Plugins sorgte vor allem das neueste Update von Pixelcloud für große Augen. Dabei handelt es sich um ein Browser-basiertes Echtzeit-Collaboration-Tool, das die Zusammenarbeit noch weiter erleichtert. Der Clou: Die neuen Designs lassen sich mit nur wenigen Klicks mit echtem Content der persönlichen Facebook Profile von Mitarbeitern füttern und machen so „echtes“ Testing möglich. Ob diese Tools, ähnlich wie Origami, uns irgendwann allen zur Verfügung stehen werden, bleibt abzuwarten.

Die Lücke schließen. Mit Tools

Natürlich ließ es sich auch Adobe nicht nehmen, einer der großen Sponsoren der OFFF 2018 zu sein. Neben den üblichen Giveaways konnten alle die neuesten Features von Adobes UX- und Prototyping-Tool Adobe XD ausführlich testen, welches jetzt kostenlos genutzt werden kann. Unser Fazit: Die aktuelle Zusammenarbeit von Adobe mit Nutzern zahlt sich aus. Überfällige Features wurden zugefügt und damit die Wünsche der Community berücksichtigt. Ziel ist es natürlich, das Tool immer weiter zu verbessern und auszubauen.

Auch die Tools anderer Hersteller ließen sich testen. Darunter Apply, mit dessen Hilfe Designer native Apps ohne Coding-Knowledge erstellen können. Ähnlich wie bereits bekannte Homepage-Baukästen sind auch hier die Möglichkeiten sicher noch etwas eingeschränkt, aber dennoch sollten Designer unbedingt einen Blick darauf riskieren!

Jetzt kaufen! Digitale Elemente in Comics

Ein Highlight in Barcelona war zudem Tom Muller, der hauptsächlich für seine Cover-Artworks und Logos diverser DC-Comics bekannt ist. Die Arbeiten des belgischen Grafik-Designers kommen auf den ersten Blick nicht wirklich digital daher. Das aber auch an ihm das Digitale nicht spurlos vorbei zieht, spiegelt sich vor allem in seinen Arbeiten für die Comic-Reihe „Motor Crush” wider. Banner, Skyscraper-Ads fiktiver Firmen, „Learn More“-Buttons und diverse Browser-UI-Elemente heben die jeweilige Story visuell auf eine digitale Ebene. Fun-fact: Nachdem die digitale Version der Reihe den Weg auf die iPads der Comic-Fans fand, hagelte es Beschwerde-Tweets über die fehlende Funktion der Buttons ... Well done, Mr. Muller!

Erschaffe Dinge, die es verdient haben, zu existieren

Zu den absoluten Highlights der OFFF 2018 gehörte Brendan Dawes Vortrag. Unter dem Motto „Erschaffe Dinge, die es verdient haben, zu existieren“ motiviert sich Dawes zu kreativer Arbeit. Der aus Großbritannien stammende Künstler untersucht in seinen Arbeiten die Interaktion zwischen Objekten, Menschen und Technologie. Dabei verknüpft er charmant Daten und Codes mit analogen Dingen. „Daten allein sind nicht genug – sie brauchen Poesie!“. So werden bei ihm aus Wetterdaten im 3D-Druck kleine Holzobjekte. Praktisch Daten zum Anfassen. Diese können so der Natur wieder zurückgegeben werden und der Kreis wird geschlossen. Aus Natur werden Daten. Und aus Daten Natur.

Schnell, billig oder gut – such dir 3 aus!

„Mehr Output pro Marke. Knappere Timings für Studios“ – mit diesem Statement beschreibt Jeff Boddy, Head of Design und Creative Director bei The Mill in Chicago, dass die Nachfrage nach Design-Spezialisten abnimmt und nach Generalisten, die mit vielen Disziplinen vertraut sind, steigt.

Knappe Timings und mehr Output bei gleichbleibendem oder geringerem Budget lassen es einfach nicht mehr zu, für jede Task einen Spezialisten zu engagieren. Und zu bezahlen. Schnell, billig und gut muss es natürlich trotzdem sein! Die Bedeutung von kleineren Agenturen und Kreativ-Schmieden nimmt folglich stark zu. Während früher aus einem Werbebudget ein Asset  produziert wurde, wollen Marken heute aus dem gleichen Budget Hunderte von Assets generieren.

Digital. Analog. OFFF!

Überall geht es immer wieder darum, die reale Welt mit ihren physikalischen Gesetzen ins Digitale zu übertragen. Schwerkraft bleibt Schwerkraft und oben wird nicht plötzlich unten. Inhaltlich und strukturell gibt es daher für das OFFF Festival auf jeden Fall noch Luft nach oben. Zudem waren Datenskandale und Datenschutz überhaupt keine Themen. Dabei wären kreative Ansätze und Lösungen zu diesen wichtigen Aspekten durchaus interessant und spannend. Das Topic wird von den Kreativen noch stiefmütterlich behandelt.

Nichtsdestotrotz: Die OFFF in Barcelona lohnt unbedingt einen Besuch. Die hohe Dichte an kreativer Inspiration hilft, die eigene kreative Position zu überprüfen und macht direkt Lust, die Grenzen, die man sich immer wieder setzt, täglich neu zu überwinden.

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Eine Reaktion
Julia Nikolaeva

Ein super Artikel! Farbenfroh, kontrastreich und lebendig. Hat mir die OFFF nach Hause gebracht :) Selten einen so schönen Bericht über ein Event gelesen. Thanks!

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