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Kommentar

Du bist offline? Der Super-Gau für heutige Apps

Zu viele Apps funktionieren ohne Internet nicht mehr. (Grafik: Shutterstock/Aekotography)

Der Internetzwang ist allgegenwärtig. Viele Apps funktionieren offline überhaupt nicht. Wer im U-Bahntunnel per App ein Taxi rufen will, ist aufgeschmissen. Dabei liegt es einfach an einem schlechten Anwendungs-Design.

Wer bei seinem Smartphone die Internetverbindung kappt, wird erschreckt sein, wie viele Apps kaum oder gar nicht mehr funktionieren werden. Selten ist eine App für diesen Fall vorbereitet. Ganz nach dem Motto: Wer offline ist, hat eben Pech gehabt. Dabei ist das kein seltener Fall.

Warum Internet keine Voraussetzung sein sollte

Auch heute noch gibt es zahlreiche Situationen, in denen wir keinen oder nur sehr schlechten Zugang zum Internet haben. Wenn wir in einen Tunnel fahren oder im Flugzeug sitzen beispielsweise. So kompliziert muss es aber gar nicht sein: In Deutschland reicht es schon, sich in den Zug zu setzen, um zwischen den Bahnhöfen nicht nur vom Internet, sondern auch von zahlreichen Apps abgeschnitten zu sein. Oder das Datenvolumen ist wieder aufgebraucht. Dann wird die Datenverbindung in Deutschland meist so stark gedrosselt, dass ich froh bin, wenn Chat-Dienste überhaupt noch funktionieren.

In Indien greifen Nutzer von unterwegs kaum auf das Internet zu. Es ist schlicht nicht möglich. (Grafik: theatlas.com)
In Indien greifen Nutzer von unterwegs kaum auf das Internet zu. Es ist schlicht nicht möglich. (Grafik: theatlas.com)

Aber auch wenn ich an andere Länder denke, ist eine aktive Internetverbindung nicht so selbstverständlich wie in weiten Teilen Europas. In Indien beispielsweise ist eine mobile Netzwerkverbindung – nicht nur im ländlichen Raum – deutlich schlechter als in Deutschland.

Mit Duolingo hat es sich ausgelernt sobald ihr offline seid. Sprachlektionen können nicht gestartet werden. (Screenshot: t3n.de)
Mit Duolingo hat es sich ausgelernt, sobald ihr offline seid. Sprachlektionen können nicht gestartet werden. (Screenshot: t3n.de)

Ich rede nicht davon, dass Apps komplett auf Internet verzichten sollten, auch wenn einige Anwendungen es durchaus könnten. Ich spreche viel mehr davon, dass ohne eine Internetverbindung trotzdem – wenn auch mit Einschränkungen – die elementaren Funktionen gewährleistet sein müssten. Apps wie Twitter, Facebook oder Whatsapp sind dazu durchaus in der Lage. Chats und Posts können euch hier zumindest teilweise angezeigt werden. Bei Twitter und Facebook fehlen jedoch die meisten Bilder und Videos. Wollt ihr selbst einen Post veröffentlichen, laden beide Social-Media-Netzwerke so lange, bis ihr wieder mit dem Internet verbunden seid. Dann werden eure Inhalt hochgeladen. Durchaus akzeptabel, jedoch ist das UI-Feedback an den Nutzer mehr als mangelhaft. Bei Twitter erscheint schlicht eine Benachrichtigung mit endlosem Ladebalken und der Hinweis, dass der Tweet gerade gepostet wird. Und wenn ihr euch nicht wieder mit dem Internet verbindet, dann lädt Twitter bis heute – oder der Akku leer ist.

SMS ist oldschool, aber zuverlässiger als mobiles Internet

Offline: So schlecht reagieren die meisten Apps darauf
Per SMS bei Foodora bestellen? Denkste! Foodora erkennt nicht mal, wo genau das Problem liegt. (Screenshot: t3n.de)

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Für den Up- und Download von Posts ist selbstverständlich eine Internetverbindung nötig. Doch eben nicht, um bereits vorher heruntergeladene Posts anzuzeigen. Auch nicht für das Erstellen eines neuen. Das könnte alles ohne Internet funktionieren. Nutzerorientiert wäre beispielsweise eine app-weite Meldung wie: „Du bist offline. Die App funktioniert nur eingeschränkt.“ Habe ich einen Post erstellt, könnte dieser erst lokal abgespeichert und automatisch hochgeladen werden, sobald ich wieder online bin.

Baxi funktioniert on- wie offline. Hat der Nutzer keine Internetverbindung, läuft die Server-Kommunikation per SMS. (Screenshot: Baxi)
Baxi funktioniert on- wie offline. Hat der Nutzer keine Internetverbindung, läuft die Server-Kommunikation per SMS. (Screenshot: Baxi)

Aber auch andere Apps und Dienste fern von Social Media könnten offline weiterhin funktionieren. Wie haben Leute früher ohne Internet Essen oder ein Taxi bestellt? Es wurde zum Telefonhörer gegriffen. So oldschool Telefon oder auch SMS klingen mögen: Mit der klassischen Technologie könnte ein Großteil weiterer Apps die elementarsten Funktionen weiterhin zur Verfügung stellen. Das Unternehmen Baxi hat das Problem genau so gelöst. Denn das Unternehmen stand vor der schwierigen Aufgabe, eine Taxi-App für Indien zu entwickeln, die eben auch offline funktionieren musste. „Bei Echtzeit-Apps führt eine sporadische Internetverbindung immer zu einer schlechten Benutzererfahrung“, schreibt Baxi-Entwickler Sahil Narain auf Medium. Deswegen kann die Kommunikation zwischen Server und Client bei Baxi per SMS ablaufen. Die App kann entsprechend eingehende SMS einlesen und in der App die wichtigen Informationen parsen und anzeigen.

Es muss nicht SMS sein

Möchte man ohne Internetverbindung einen gecachten Inhalt einer Pinnwand hinzufügen, kommt das einem Totalausfall gleich. Dem Nutzer werden debugähnliche Fehlermeldungen gezeigt. (Screenshot: t3n.de)
Will man ohne Internetverbindung einen gecachten Inhalt einer Pinnwand hinzufügen, kommt das einem Totalausfall gleich. Dem Nutzer werden debugähnliche Fehlermeldungen gezeigt. (Screenshot: t3n.de)

Jedoch ist die Server-Kommunikation über SMS für viele App-Anwendungen schlicht unrealistisch. Auch weil SMS beim Nutzer durchaus weitere Kosten verursachen können. Trotzdem fehlt bei den allermeisten Apps ein entsprechendes Design für eine fehlende Internetverbindung. Sie wird einfach vorausgesetzt. Doch außer bei Online-Games oder Streaming-Diensten muss kaum eine App stetig online sein.

Dabei ließe sich das Problem ohne extrem großen Aufwand umgehen: Daten intelligent zwischenzuspeichern, ist ein wichtiger Teil davon. Erstellt der Nutzer Inhalte offline, könnten sie vorab lokal abgespeichert und später mit dem Server synchronisiert werden. Zu guter Letzt wird ein ansprechendes UI benötigt. Dem Nutzer muss klar sein, dass sich die App in einer Art Offline-Modus befindet. Dann könnte beispielsweise auch Pinterest ein Element aus der gecachten Liste einer Pinnwand hinzufügen. Doch solange die Entwickler Apps nur für eine dauerhafte Internetverbindung schreiben, werden wir darauf warten müssen, bis in Deutschland flächendeckend mobiles Internet vorhanden ist. Mal sehen, welches Szenario zu erst eintritt.

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