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Rocket-Chef Oliver Samwer: „Investoren dürfen nicht in Panik ausbrechen“

Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer auf der Noah 2016. (Foto: Britta Pedersen/dpa)

Oliver Samwer gibt sich auf der Noah-Konferenz ungewöhnlich zurückhaltend – und erklärt, was er seit dem Börsengang von Rocket Internet bereut hat.

Dass Oliver Samwer gut für ein Bonmot ist, hat er in den vergangenen Jahren eigentlich immer wieder bewiesen. Burnout sei nichts für ihn, sagte er mal, mal erzählte er von seiner Netzwerke überschätzt seien. Kernige Aussagen und selbstbewusste Auftritte, das zählte bisher zu den Markenzeichen des Rocket-Chefs.

Wer auf der Noah-Konferenz am Donnerstag eine eben solche Showeinlage erwartete, der wurde enttäuscht. Auf dem Startup-Treffen in Berlin gibt sich der Gründer von Rocket Internet ungewöhnlich zurückhaltend. Statt auf Angriffe konzentriert er sich auf das Werben. Eine halbe Stunde lag darf Samwer erzählen, warum Rocket Internet der perfekte Partner für Unternehmen ist.

Oliver Samwer: „Wir werden keine Branchen ausschließen“

„Was ich an unserem Börsengang 2014 und auch dem Börsengang von Zalando mag, ist, dass wir unsere Erfahrungen mit Entrepreneuren teilen können“, sagt der Rocket-Chef. Wie viele Leute könnten schon sagen, dass man mit Investmentbanken vorsichtig sein müsse oder wie man Finanzinstitute oder Anwälte auswähle? Wenn man Samwers Marketingshow auf wenige Worte verkürzen müsste, wäre es: Kommt zu Rocket.

Oliver Samwer beim Börsengang von Rocket Internet 2014. (Foto: dpa)

Es wäre aber zu kurz gefasst, Samwer nur Eigenwerbung vorzuwerfen. Denn der Rocket-Chef gibt auch Einblicke in die Zukunftsvision von Rocket Internet. Früher habe man nur in Geschäfte investiert, die auf Konsumenten abzielen, vor allem E-Commerce. Das habe sich geändert. Ob künstliche Intelligenz, Mobilität, Big Data – Samwer will überall dabei sein. „Wir sind zurückgegangen zu dem Prinzip: sehr guter Entrepreneur, großer Markt, gute Idee“, erklärt er. „Wir werden keine Branchen mehr ausschließen, wir wollen offener sein.“

 „Ich hätte mehr Geld verdient, wenn ich zu allem Ja gesagt hätte.“

Später wird er noch den Grund dafür nachliefern: Jede Branche sei veränderbar. „Vor fünf Jahren hätten wir gesagt, dass keiner der großen Autokonzerne disrupted werden könnte. Und dann kam Uber.“ Jedes Tech-Unternehmen könne fast jedes Unternehmen angreifen, sagt Samwer. Deswegen hält er es als Investor für wichtig, lange am Geschäftsmodell festzuhalten. „Das Wichtigste ist: Investoren dürfen nicht in Panik geraten“, erklärt er. Man solle auch nicht gutes Geld schlechten Ideen hinterherwerfen. Aber sein größter Fehler seit dem Börsengang sei es, Investmentchancen verpasst zu haben: „Ich hätte sehr viel mehr Geld verdient, wenn ich zu allem Ja gesagt hätte“, sagt Samwer.

„Großartig, dass Leute nicht sagen: Google forever“

Er rät dazu, nicht vor Märkten zurückzuschrecken, nur weil es dort schon einen großen Spieler gebe. Als Beispiel nennt er das Verlagshaus Axel Springer, das 2014 in eine Suchmaschine investierten. „Ist es nicht großartig, dass Leute nicht sagen: ‚Google forever‘?“, fragt der Rocket-Chef. Auch deshalb setzt er vor allem auf das Wachstum, weniger auf Profitabilität. „Skaliert erstmal“, rät Samwer. Der Rest komme mit Geduld über die Zeit. Kein großes Internetunternehmen sei ohne Verluste groß geworden. Solange man groß genug sei, werde es schon gut gehen.

Komplett hat Oliver Samwer seine frühere Rhetorik übrigens nicht abgelegt. Am Donnerstagabend vergleicht er das Inkubieren eines Startups mit Kuchen backen. Man brauche gute Leute, um den Teig zu machen, und viel Mehl – sprich: viel Geld –, damit der Kuchen aufgehe. So ähnlich hatte er es schon einmal gesagt, auf der Noah-Konferenz 2015.

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