Analyse

Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer: „Ich bin kein Dagobert Duck“

Oliver Samwer, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Rocket Internet (Bild: dpa)

Erstmal keine Dividende, aber weniger Verluste – die Startup-Schmiede Rocket Internet muss ihre Anleger erneut vertrösten. Die Aktionäre sind not amused, auch wenn die volle Kriegskasse hoffen lässt.

Drei der Rocket-Internet-Beteiligungen wollte das Unternehmen bis Ende 2017 in die Profitabilität führen, so war der Plan. Daraus wird jetzt erst einmal nichts, wie das Unternehmen um die Samwer-Brüder jetzt auf einer Kapitalmarktveranstaltung mitteilen musste. Doch zunächst gab es vergleichsweise gute Nachrichten: Einige der Rocket-Internet-Unternehmen sind profitabler als bisher: „In den ersten neun Monaten des Jahres 2017 verbesserte sich die aggregierte bereinigte EBITDA-Marge deutlich von volumengewichtet minus 19 Prozent in den ersten neun Monaten des Jahres 2016 auf minus zwölf Prozent in den ersten neun Monaten des Jahres 2017. Somit verringerten sich die bereinigten EBITDA-Verluste um 48 Millionen Euro.“

Rocket Internet wird von Analysten kritisiert

Das heißt in schönstem Börsensprech, dass Rocket Internet noch lange nicht in der Gewinnzone ist. Auch wenn insbesondere im Unternehmensbereich Food & Groceries, Fashion sowie Home & Living bei einigen Unternehmen, die unter dem Rocket-Internet-Dach firmieren, das Geschäft durchaus vielversprechend läuft, sind die Aktionäre noch alles andere als zufrieden. Eine Dividende, das machte Oliver Samwer anlässlich der Vorstellung der Neun-Monats-Zahlen deutlich, werde es kurzfristig nicht geben.

Dabei hatten laut Handelsblatt einige Analysten Samwer in ungewöhnlich deutlicher Art dazu aufgefordert, eigene Anteilsscheine zu kaufen oder das Unternehmen sogar von der Börse zu nehmen. Aktuell liegt die Aktie bei unter 20 Euro, nachdem die Papiere infolge der gestrigen Zahlen zwischenzeitlich um bis zu vier Prozent nachgaben. Gestartet war man beim Börsengang mit 42,50 Euro. Rocket Internet selbst hat eine gut gefüllte Kriegskasse, die das Handelsblatt auf 1,9 Milliarden Euro beziffert. Dennoch betont Oliver Samwer: „Ich bin kein Dagobert Duck“ – man horte das Geld nicht ohne Grund, sondern wolle vielmehr in der Lage sein, bei passender Gelegenheit in interessante Unternehmen einzusteigen.

Rocket Internet muss Vertrauen an den Märkten zurückgewinnen

Und da ist noch etwas, das den Aktionären nicht gefällt: eine geringere Transparenz als noch vor zwei Jahren. Das Unternehmen lässt sich nicht mehr so in die Karten schauen, weist beispielsweise im Gegensatz zu früher nur noch detaillierte Zahlen für einzelne Geschäftsbereiche aus, nicht aber in der früheren Ausführlichkeit für jedes einzelne der betreuten Unternehmen. Hier wird nur noch der Nettogewinn ausgewiesen. Das ist im Hinblick auf mögliche Mitbewerber vernünftig, trägt aber nicht zur Vertrauensbildung an den Märkten bei. Da es offenbar einige Unternehmen gibt, die aktuell gute Gewinne abwerfen (und auch dem Vernehmen nach den Investoren von Rocket Internet sehr viel Freude bereiten) oder gar erfolgreich veräußert werden konnten, heißt das im Umkehrschluss, dass einige Beteiligungen schlechter laufen als erwartet.

Immerhin erzielte Kochbox-Lieferant Hellofresh in den betrachteten neun Monaten einen Umsatz von 652 Millionen Euro und ein bereinigtes EBITDA von minus 64 Millionen Euro. Und: In diesem Zeitraum ging das Unternehmen an die Börse, wo es nach dem Börsengang von Delivery Hero der zweite erfolgreiche Börsengang aus dem Rocket-Internet-Geschäft ist. „Wir sind stolz auf die Entwicklung von Delivery Hero und Hellofresh und gratulieren den Teams zu ihrem Erfolg“, gibt sich Oliver Samwer zuversichtlich. „Rocket Internets Investitionen im Food-&-Grocery-Sektor aus den Jahren 2014 und 2015 haben sich als erfolgreicher Investment-Fokus bewahrheitet. Wir werden uns auch weiterhin bemühen, vielversprechende Online-Geschäftsmodelle zu identifizieren, um durch Gründungen und Investments an ihnen zu partizipieren.“ Jetzt muss das Unternehmen es nur noch schaffen, dass das Menü auch den Aktionären schmackhaft gemacht wird.

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