Kolumne

Wann? Wer? Wo? Warum? Online-Tracking muss transparenter werden [Kolumne]

Online-Tracking zu Werbezwecken ist Gang und Gäbe im Netz. Das Problem ist jedoch weniger, dass Daten erhoben werden, sondern dass die Datensammler es im Geheimen tun. Wie Nutzer sich dennoch informieren können und warum die Branche transparenter werden muss, beschreibt Andreas Weck in seiner Aufgeweckt-Kolumne.

Nur mal eben auf Amazon nach einem Fahrrad oder auf Zalando nach ein paar Schuhen gesucht – und schon verfolgen Werbeanzeigen ähnlicher Produkte den Suchenden auf Schritt und Tritt. Zumindest solange, bis ein neues Produkt im Netz gesucht wird und der Vorgang wieder von vorne beginnt. Doch es sind nicht nur die unzähligen Online-Händler, die sich den Webseitenbesuchern an die Fersen hängen. Es sind auch Nachrichtenseiten, Soziale Netzwerke, Bookmarking- und E-Mail-Dienste sowie Banking- und Streaming-Plattformen, die das Besucherverhalten aufzeichnen.

Möglich wird das durch Cookies und sogenannte Tracker, die über die angewählte Webseite auf Rechner, Smartphone oder Tablet im Browser platziert werden und sämtliche erfassten Daten durch das Netz zurück an die eigenen Server schicken. Etliche Verfolger gehören zu den Webseiten selbst, viele zu Facebook und Google und andere wiederum zu Werbedienstleistern und Marketingfirmen. Jeder setzt sie ein – bis auf ganz wenige Ausnahmen.

Fehlende Transparenz in der Online-Werbebranche

Online-Tracking: Wann? Wer? Wo? Warum? Wer weiß das schon? (Bild: Flickr-Sara Cimino / CC BY 2.0)

Online-Tracking: Wann? Wer? Wo? Warum? Wer weiß das schon? (Bild: Flickr-Sara Cimino / CC BY 2.0)

Eine Neuigkeit ist das freilich nicht – und ob die Methode gut oder schlecht ist, liegt wie so oft, im Auge des Betrachters: Der eine begrüßt beispielsweise personalisierte Werbung und hat kein Problem damit, dass sein Nutzerverhalten dafür getrackt und analysiert wird. Der andere hingegen fühlt sich durchleuchtet und will nicht, dass seine Spuren im Netz aufgezeichnet und gespeichert werden. Beide Sichtweisen sind legitim.

Wenig legitim ist allerdings die fehlende Transparenz auf Seiten der Dienstleister. Denn Nutzer, die über Art und Umfang der Tracking-Methoden informiert sein wollen, stehen viel zu oft allein auf weiter Flur. Und auch die Gegenwehr kann nur mit kleinen Hilfsprogrammen geschehen – doch wie vielen der geschätzt drei Milliarden Internetnutzern weltweit sind die bekannt?

„Ghostery wurde allein für Chrome bereits 1,8 Millionen Mal heruntergeladen.“

Da wären Plugins wie Ghostery und Collusion, beide Lösungen sind tausendfach im Einsatz. Ghostery, als bekannteste Alternative, wurde allein für den Chrome-Browser 1,8 Millionen Mal heruntergeladen. Beide Programme ermöglichen es Nutzern nicht nur alle Tracker auf einer Seite anzuzeigen, sondern sie bei Bedarf auch zu blockieren. Auch ist es möglich, die jeweiligen Tracker nur auf bestimmten Seiten auszuschalten – beispielsweise auf den oben erwähnten Plattformen von Amazon oder Zalando. So findet sich auf etlichen Seiten beispielsweise der Nugg.Ad-Verfolger, der von einem gleichnamigen Tochterunternehmen der Deutschen Post ins Rennen geschickt wird. Oder das DoubleClick-Programm, der Werbetracker von Google, der den weltweit größten Adserver überhaupt mit Daten füttert.

Auch wenn Werbetreibende und Webseitenbetreiber das anders sehen: Tools wie Ghostery und Collusion sind gut und notwendig, denn sie geben Nutzern einen Einblick in die Branche und ihre Interessen, der eigentlich selbstverständlich sein sollte. Und sie geben ihnen die Möglichkeit entscheiden zu können, wie weit sie sich den Unternehmen offenbaren wollen. Besser wären natürlich eigens bereitgestellte Lösungen – Popups etwa, die den Nutzer über die laufenden Programme auf einer Seite informieren und die mittels Opt-in zugelassen oder durch einen Opt-out ausgeschaltet werden können.

Online-Tracking im Alltag: „Gefressen und gestorben!“

Online-Tracking. Was auf den Servern der Data-Miner liegt, wissen oft nur sie selbst. (Bild: White78 / Shutterstock.com)

Online-Tracking. Was auf den Servern der Data-Miner liegt, wissen oft nur sie selbst. (Bild: White78 / Shutterstock.com)

Bisher werden Besucher nur über kleingedruckte Datenschutzbestimmungen am Ende der Webseiten informiert – dort aber auch nur oberflächlich. So erfahren Leser nur, dass Tracker eingesetzt werden, jedoch nicht welche – und schon gar nicht haben sie die Möglichkeit, dem zu widersprechen. „Friss oder stirb“ ist die Devise – allerdings auch nur auf den ersten Blick, denn in dem Moment, in dem der Nutzer die Webseite angewählt hat, haben sich die Tracker schon auf dem Rechner festgebissen. Also schon bevor der Nutzer überhaupt die Chance gehabt hat, entsprechende Hinweise zu lesen. „Gefressen und gestorben“ – das passt eigentlich besser.

„Max Mustermann weiß eigentlich gar nicht, was da im Hintergrund passiert!“

Diese Haltung hat System. Denn klar ist, dass Max Mustermann eigentlich gar nicht weiß, was da im Hintergrund passiert. Etwaige Popups dürften insofern eher schlafende Hunde wecken und dafür sorgen, dass einige Nutzer der Profilbildung widersprechen, sobald sie die Wahl haben. Die Tracking-Anbieter und Webseitenbetreiber würden zwar im Sinne des Verbrauchers und eines fairen Miteinanders im Netz handeln, das aber, zu einem hohen Preis. Und den ist kaum ein Unternehmen bereit zu zahlen. Hinzu kommt, dass die Rechtslage sie auch nicht dazu zwingt. So wie es die Anbieter machen, ist es im Einklang mit den Gesetzen. Zwar fordern vor allem deutsche Datenschützer strengere Regeln, bislang finden die jedoch wenig Anklang. Eine EU-Datenschutznovelle steht in den Startlöchern, in welche Richtung sie die Debatte führen wird, lässt sich jedoch noch nicht sagen.

Bleibt schlussendlich die Frage, ob der durchschnittliche Internetnutzer sich überhaupt dafür interessiert – und ob er derartiges Fachwissen tatsächlich auch verdauen will. Die Antwort dürfte „Jein“ lauten, denn mit Sicherheit hat nicht jeder Lust und Muße, sich durch den digitalen Werbedschungel zu schlagen. Doch nur weil es Hinz nicht interessiert, wird Kunz nicht informiert? Das darf kein Argument sein. Wer das Vertrauen und die Loyalität seiner Kunden nicht aufs Spiel setzen will, sollte ehrlich mit ihnen umgehen.

Dieser Kolumnen-Beitrag wurde als Teil der findet ihr hier.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Ein Kommentar
hans
hans

„Wer das Vertrauen und die Loyalität seiner Kunden nicht aufs Spiel setzen will, sollte ehrlich mit ihnen umgehen.“ Schreibt einer und verwendet mindestens 12 verschiedene Tracker. Da passt irgendwas überhaupt nicht zusammen. „Friss oder stirb“, leider auch bei t3n. Schämt euch!

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung