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Onlyfans: Museen fühlen sich genötigt, Account auf Erotik-Plattform zu eröffnen

Weil Facebook, Instagram oder Tiktok keine Nacktheit dulden, haben sich einige Museen entschlossen, ihre Angebote auf Onlyfans zugänglich zu machen. Das mag ein PR-Stunt sein, hat aber einen ernsten Hintergrund.

2 Min. Lesezeit
Für Nacktheit auch in der Kunst sind Facebook, Instagram oder Tiktok kein geeigneter Raum. (Foto: Shutterstock)

Onlyfans, die Plattform für Erwachseneninhalte, stand in den letzten Monaten öfter im Blick der Öffentlichkeit – aus durchaus zweifelhaften Gründen. Im August dieses Jahres änderte das Unternehmen seine Richtlinien: Ab Oktober sollte „sexuell expliziter“ Content nicht mehr erlaubt sein. Hintergrund waren Statuten von Finanzdienstleistern wie Master Card, die forderten, dass Plattformen vor der Veröffentlichung jeglicher pornografischer Inhalte prüfen sollten, ob diese nicht illegal sind. So zumindest die offizielle Erklärung.

Kurze Zeit später ruderte Onlyfans jedoch schon wieder zurück. Wohl Aufgrund der großen Kritik vieler Content-Creator auf der Plattform, sollen pornografische Inhalte nun doch weiterhin angeboten werden können. Dennoch herrscht in der Szene eine große Verunsicherung. Noch immer planen einige Creator, die Plattform zu wechseln, da ihnen die Position von Onlyfans zu undurchsichtig erscheint. Das Unternehmen hat also mindestens einen Knacks im Ruf.

Doch scheint Onlyfans nun eine neue, auf den ersten Blick vielleicht etwas befremdlich wirkende Nische gefunden: Museen. Im Speziellen ist es die Stadt Wien, die nun einen Account auf Onlyfans eröffnet hat. Interessierte können hier für knapp drei Euro im Monat Zugang bekommen und damit nicht nur einen Blick auf digitale Kunstwerke werfen, sondern auch ein Ticket für eines der Museen der Stadt – für den nächsten Besuch „in echt“.

Kein Platz für Nippel und Penis

Der Grund für diesen doch recht ungewöhnlichen Auftritt auf einer Plattform, die größtenteils für sexuelle Befriedigung genutzt wird, sind die anderen Plattformen: Facebook, Instagram, Tiktok. Die großen sozialen Plattformen also, die immer wieder stark einschränken, welche Inhalte zeigbar sind – besonders, wenn es um nackte Haut geht. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob diese Haut gemalt oder abfotografiert ist. Kunst oder Porno.

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Diesen Umstand haben die Museen Wiens anscheinend selbst schon oft zu spüren bekommen. Unter der Überschrift „Wien unzensiert – auf Onlyfans“, geht das Wiener Tourismusboard näher auf die Beweggründe ein. „So wurden ‚nackte‘ Statuen und bekannte Kunstwerke auf die Blacklist von Social-Media-Guidelines gesetzt. Und die Kanäle mancher ‚Wiederholungstäter‘ – das heißt kultureller Institutionen – wurden sogar temporär blockiert“, heißt es da. Um Nippel und Penisse im Namen der Kunst also einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen zu können, habe man sich entschlossen, die entsprechenden Kunstwerke nun auf Onlyfans auszustellen – ohne Angst vor Zensur.

Publicity vor ernstem Hintergrund

Was freilich vor allem ein Publicity-Stunt sein dürfte, hat dennoch einen ernsten Hintergrund. Die großen Plattformhalter sind besonders in Bezug auf Nacktheit äußerst restriktiv. Das betrifft die Urlaubsfotos von Usern ebenso wie anerkannte Kunst, die seit Jahrzehnten in Museen steht und hängt. Das Bild, dass ein Nippel ein größerer Affront sei als etwa die Darstellung von Gewalt wird von diesen Plattformen immer wieder aufs Neue gezeichnet – und formt damit auch mitunter Millionen Menschen, die diese sozialen Medien nutzen.

Die Stadt Wien versucht mit ihrer Aktion also wohl vor allem, ein Schlaglicht auf diesen Missstand zu werfen. Ob andere Museen und Kultureinrichtungen folgen, bleibt abzuwarten. Dass das Tourismusboard allerdings selbst eine Plattform gewählt hat, die kürzlich noch kurz davor war, seine expliziten Inhalte aufgrund der Direktive großer Finanzunternehmen einzuschränken, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

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