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Software & Infrastruktur

Open Source Story (1/3): Die Wurzeln der Erfolgsgeschichte

Die Zeiten, in denen Open Source nur ein Begriff für IT-Freaks mit revolutionären Tendenzen und mit einem eindeutigen Zuviel an freier Zeit war, sind schon länger vorbei. Aber viele Zusammenhänge sind trotzdem wenig bekannt - beispielsweise zwischen Mozilla und Google. Unsere dreiteilige Serie zum Themenkomplex Open Source soll etwas Licht in das quelloffene Dunkel bringen. Den Anfang macht eine Reise in die Vergangenheit zu den Anfängen der Open-Source-Bewegung. Denn man weiß ja: Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen.

Open Source Software (OSS) wird aktuell wieder kontrovers diskutiert. Auf der einen Seite wird sie als Rettung der Wirtschaft angesehen und auf der anderen Seite soll ihr Geschäftsmodell endgültig begraben werden. Für beide Positionen gibt es entsprechende Argumente, die sich aber besser verstehen und einordnen lassen, wenn man die Historie kennt, die OSS zu dem gemacht hat, was es heute ist: Eine lizenzkostenfreie und offene Alternative zu Bezahlsoftware.

Am Anfang war... das Urheberrecht

Häufig wird der Anfang der OSS mit der Entscheidung von Netscape im Jahre 1998 gleichgesetzt: Man entschloss sich, den Quellcode des Web-Browsers Navigator zu veröffentlichen, nachdem der "Browser War" gegen den Internet Explorer verloren war. Sicherlich bekam die Open-Source-Bewegung hier einen wichtigen Impuls, aber die eigentlichen Wurzeln liegen viel tiefer und erstaunlicherweise im amerikanischen Kartellrecht begründet.

Wir reisen weitere 40 Jahre zurück. Der amerikanische Monopolist und Telekommunikationsriese AT&T wurde 1956 kartellrechtlich dazu gezwungen, alle Patente zu lizensieren und an interessierte Dritte kostengünstig abzugeben. Unter diese Regelung fiel auch das Betriebssystem UNIX, das damals häufig von Universitäten genutzt wurde.

An den Unis, vor allem in Berkeley und am MIT in Cambridge, war man es nun gewöhnt, eigene Derivate zu entwickeln und auf die eigenen Bedürfnisse anpassen zu können. Dabei entstand unter anderem die Berkeley Software Distribution (BSD).

Nach dieser Vorgeschichte führte schließlich die Zerschlagung von AT&T im Jahre 1984 zur Entstehung der Open-Source-Bewegung. Durch die Trennung von verschiedenen Bereichen war es AT&T nun nach langer Zeit wieder erlaubt, mit UNIX Geld zu verdienen. Nachdem schon IBM, HP und DEC mit kommerziellen UNIX-Varianten Erfolge erzielten, wollte nun endlich auch AT&T eine kommerzielle Verbreitung von UNIX anschieben. Eine Folge daraus: Die kostengünstige Abgabe an Universitäten war Geschichte. AT&T hob die Lizenzgebühren des urheberrechtlich geschützten Quellcodes drastisch an. Erschwerend kam hinzu, dass auch die Weiterentwicklungen der Universitäten nun unter dieses Urheberrecht fielen.

Richard Stallman und die Entwicklung von GNU

Diese Entwicklung sah Richard Stallman als Einschränkung seiner persönlichen Freiheit. Er arbeitete in der Abteilung für Künstliche Intelligenz am MIT, als ihm von AT&T die Möglichkeit genommen wurde, UNIX weiterzuentwickeln und mit anderen zu tauschen. Stallman war aber nicht bereit, diese Einschränkung einfach hinzunehmen und daher entwickelte er kurzerhand eine neue Lizenz mit dem Namen "GNU General Public License" (GNU GPL). Das "GNU" steht dabei für "GNU is Not Unix" und sollte sowohl die Verbindung als auch die Abgrenzung zu UNIX darstellen. Kernpunkt der Lizenz war das "Copyleft" als Gegenbewegung zum "Copyright". Software unter einer GNU-Lizenz war somit frei zur Nutzung und für Weiterentwicklungen, die dann wiederum unter der GNU-Lizenz standen. Eine kommerzielle Nutzung war damit praktisch ausgeschlossen.

Zusätzlich gründete Stallman die "Free Software Foundation" (FSF), die als Stiftung den Zweck hatte, freie Software zu fördern und dafür Kapital zu sammeln. Als Ziel sollte letztlich ein freies Betriebssystem entstehen, das für jeden Nutzer frei erhältlich sein sollte. Das GNU-Projekt fand schnell viele Anhänger und bis zum Anfang der 1990er Jahre fehlte zur Komplettierung eines freien Betriebssystems nur noch eins: ein Kernel. Er ist das Herzstück und die Schnittstelle zwischen der elementaren Hardware und dem System. Die Entwicklung des GNU-Kernels verlief sehr schleppend, da das Finden und Beheben von Fehlern aufgrund technischer Besonderheiten sehr schwierig und zeitraubend war.

Linux brachte den Durchbruch

Die Rettung für die Kernel-Problematik kam eher unerwartet. Der Finne Linus Thorvalds (siehe Foto) bastelte damals eigentlich an einer Möglichkeit, sich effizienter an den UNIX-Rechnern seiner Universität anmelden zu können. Daraus wurde dann aber schnell mehr, bis er selbst erstaunt feststellte, dass er ein Betriebssystem entwickelt hatte. Als Thorvalds Mitte Dezember 1992 mit der Version 0.99 die erste Linux-Version unter der GNU GPL veröffentlichte, war ein bedeutender Schritt in Richtung "Freies Betriebssystem" getan. Später sagte Thorvalds dazu: "Making Linux GPL'd was definitely the best thing I ever did".

Die Kombination des GNU-Projekts mit dem Linux-Kernel wurde schnell zur meist genutzten Variante, da kein anderer freier Kernel zur Verfügung stand. In der Folge wurden verschiedene Distributionen entwickelt, von denen einige wenige heute auch kommerziell vertrieben werden.

Freie Software vs Open Source

Die kommerzielle Nutzung ist es auch, die Richard Stallman als Erfinder der freien Software  heute noch auf einer Abgrenzung zur OSS bestehen lässt. Seiner Meinung nach vernachlässigt "Open Source" eine der grundlegenden Eigenschaften von freier Software: Freiheit als argumentative Grundlage. Auch wenn beide Begriffe häufig synonym verwendet werden und sie sehr eng miteinander verbunden sind, so besteht er jedenfalls weiterhin auf eine strikte Trennung.

Open Source wird populär

Die Herkunft von freier Software und damit letztlich (aller Trennungsstreitigkeiten zum Trotz) auch der OSS, erklärt das ursprüngliche Nischendasein: Es waren die revolutionären Verfechter der Freiheit an den Universitäten in Amerika, die große Teile ihrer Freizeit zur Weiterentwicklung genutzt haben, um sich keinen Einschränkungen hingeben zu müssen.

Erst als sich 1998 der Microsoft-Konkurrent Netscape dazu entschlossen hatte, den Quellcode des Web-Browsers "Navigator" frei verfügbar zu machen, wurde die Open-Source-Bewegung populär.

Viele Programmierer stürzten sich geradezu auf den Quellcode und schon bald entstand daraus ein Projekt mit dem Codenamen "Mozilla". Unter diesem Namen wurde zuvor auch der "Navigator" entwickelt. Heute, zehn Jahre später ist daraus der Web-Browser "Firefox" hervorgegangen, eines der erfolgreichsten Open-Source-Projekte überhaupt.

Und im zweiten Teil...

...geht es morgen um die Gegenwart von Open Source.

Fotonachweise

Linus Thorvalds: veröffentlicht unter der GNU Free Documentation License, Version 1.2. Bearbeitete Version dieses Originalbilds.
Richard Stallman: veröffentlicht unter Creative Commons von NicoBZH
Netscape Navigator: veröffentlicht unter Creative Commons von Marcin Wichary

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2 Reaktionen
Falk Hedemann

Ich denke die Diskussionen sind schon sehr viel weniger geworden. Aber da es um eine grundsätzliche Einstellung und Überzeugung geht, werden sie nie ganz aufhören. Viele wissen allerdings gar nicht, worum es bei dem Streit eigentlich geht.
Vielleicht kann dieser Beitrag auch ein wenig zur Aufklärung beitragen.

Hans Fuchs

Diese ewige Diskussion um den Unterschied zwischen den Begriffen "Open Source" und "Freie Software" nervt echt. Ich würde das als "Klagen auf hohem Niveau" bezeichnen. Wie seht ihr das?

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