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Digitale Wirtschaft

Wenn schon Wahlcomputer, dann Open Source: San Francisco könnte zum Vorreiter werden

(Foto: Shutterstock)

San Francisco könnte die erste Stadt der USA werden, die Wahlmaschinen einsetzen, auf denen quelloffene Software läuft. Wir verraten euch, was hinter den Plänen steckt.

San Francisco: Erste US-Metropole mit Open-Source-Wahlcomputern?

Wahlmaschinen sind eine interessante Idee: Sie könnten potenziell die Auszählung der Wählerstimmen deutlich beschleunigen. Letztlich handelt es sich dabei aber um Computer, und die sind, wie wir alle wissen, nun mal nicht vor Angriffen gefeit.

Während Schadsoftware für Privatpersonen ärgerlich und bisweilen kostspielig ist, könnte sie in Bezug auf Wahlcomputer sogar unsere grundlegendsten demokratischen Rechte aushebeln. Dabei hilft es auch nicht gerade, dass wir als Bürger im Regelfall keine Ahnung haben, wie die Software auf den Wahlcomputern aussieht.

Das Leben in San Francisco ist teuer (Foto: Moritz Stückler)
Open Source: San Francisco könnte die erste Region der USA werden, in der quelloffene Wahlsoftware zum Einsatz kommt. (Foto: Moritz Stückler)

Zwar sollte die Software von entsprechenden staatlichen Organen vorab geprüft werden, Skepsis bleibt aber trotzdem angebracht. Zumindest für dieses Problem könnte Open Source die Lösung darstellen. Die Einsicht scheint sich auch in San Francisco durchgesetzt zu haben. Ende Oktober 2015 hat sich die dortige Wahlkommission für die Einführung quelloffener Wahlcomputer ausgesprochen.

Sollten diese Pläne tatsächlich zeitnah umgesetzt werden, könnte es der erste Wahlbezirk der Vereinigten Staaten werden, in dem die Auszählung der Wählerstimmen von Open-Source-Software durchgeführt wird.

San Francisco: Einen konkreten Zeitplan gibt es nicht

Die Wahlkommission von San Francisco konnte sich bei ihrem letzten Zusammentreffen noch nicht dazu durchringen, über einen konkreten Zeitplan abzustimmen. Es wird allerdings erwartet, dass dieses Thema beim nächsten Kommissionstreffen weiter erörtert wird. Neben San Francisco verfolgen auch das texanische Travis County und Los Angeles Pläne, um Open-Source-Wahlcomputer einzuführen.

Im Fall der Millionenmetropole L.A. sollen diese Bemühungen aber erst 2020 Früchte tragen. Es wird also spannend bleiben, welche Region zuerst quelloffene Systeme für die Durchführung von Wahlen einsetzt – und wie sich diese Systeme schlagen werden. Denn letztlich bleiben natürlich auch Open-Source-Systeme nicht vor Angriffen gefeit.

Ebenfalls spannend in diesem Zusammenhang ist unser Artikel „Bürgerbeteiligung im Netz: Wie GitHub Behörden und Bürger zusammenbringt“.

via www.sfexaminer.com

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Eine Reaktion
Tim Pritlove

Open Source ist keine “Einsicht” bei Wahlcomputern sondern genauso fahrlässig und gefährlich.

Ein "Open Source" Prozess garantiert gar nichts sondern versucht, in irgendeiner Form Vertrauen zu schaffen, welche Software auf den jeweiligen Maschinen zum Zeitpunkt des Abstimmens oder Auszählens zum Einsatz käme. Aber das ist eine Illusion: entscheidend wäre, dass man eine Kontrolle darüber hätte, welcher Code tatsächlich ausgeführt wird.

Wer hat die Software installiert? Welches Sicherheitsmodell hat das System? Welche andere Software (Firmware etc.) läuft noch? Wer hat Zugriff auf die Hardware der Geräte? Alles nicht überprüfbar und ein Computer lässt sich während der Operation schlicht nicht beobachten.

Eine Software kann A behaupten und B zählen. Ein Netzwerk von Computern kann sich über ein geheimes Netzwerk über eine nivellierte Modifikation eines Gesamtergebnisses abstimmen und beliebige Betrügereien ausführen, die sich statistisch kaum nachweisen lassen. Dass das alles nicht nur theoretisch möglich ist sondern eine ganz reales Bedrohungsszenario ist versteht man, wenn man sich nur kurz die heutige Realität rund um Botnetze oder NSA-Spionage anschaut. Und: was geht wird auch irgendwann gemacht.

Das Kernproblem ist: der Wahlprozess mit Computern ist nicht überwachbar. Während der Bleistift-und-Papier-Wahlvorgang letztlich von einer Gruppe untechnischer Senioren mit 100%iger Zuverlässigkeit überprüfen. Den Wahlprozess mit einem Wahlcomputer können auch 100 Computer- und Kryptografieexperten nicht abnicken.

Wahlcomputer sind ein Gefahr für die Demokratie, weil man kein Vertrauen mehr in den Wahlvorgang haben kann. Das hat der CCC schon vor Jahren greifbar und nachvollziehbar belegt und in der Folge hat das Bundesverfassungsgericht in einer wegweisenden Entscheidung so hohe Hürden für einen theoretischen Einsatz in Deutschland eingezogen, dass wir diese Geräte bei uns nicht mehr sehen werden. Und das aus gutem Grund.

Lasst Euch nicht von einer Open-Source-Chimäre oder anderen Tricks den Blick verstellen: Wahlcomputer lösen kein reales Problem, rufen aber eine Reihe anderer und vor allem grundsätzlicher Gefahren.

Siehe auch: http://cre.fm/cre118-das-wahlcomputer-urteil

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