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Optoelektronik: Osram will sich von AMS für 4,3 Milliarden kaufen lassen

Übernimmt AMS Osram für 4,3 Milliarden Euro? (Foto: Matyas Rehak / Shutterstock)

Der deutsche Lichttechnikkonzern Osram steht zum Verkauf. Jetzt will der österreichische Chip-Hersteller AMS 4,3 Milliarden Euro bieten.

Mit einem Angebot von 38,50 Euro in bar pro Aktie will sich das österreichische Unternehmen AMS mindestens 70 Prozent der im Umlauf befindlichen Wertpapiere sichern. So wäre Osram am Ende insgesamt mit 4,3 Milliarden Euro bewertet. Damit tritt es in Konkurrenz zu einem Angebot der beiden Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle, die 35 Euro zu ansonsten gleichen Konditionen angeboten hatten und so zu einem Unternehmenswert von vier Milliarden gelangen. Der Betrag von 35 Euro wird jedoch von Großaktionären, wie etwa der Allianz-Investmenttochter AGI, aber auch von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) als zu niedrig abgelehnt.

Osram-Übernahme: Einstieg von AMS letztlich überraschend

AMS war vor einigen Monaten bereits interessiert an der Übernahme gewesen. In diesem Zuge wurde ein Stillhalteabkommen unterzeichnet, um AMS einen Blick in die Bücher Osrams zu ermöglichen. Dieses Abkommen blockierte nun den Einstieg als Bieter, weshalb Osram sich jetzt zu seiner Aufhebung und zur Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung bereit erklärt hat.

Laut Osram-Manager Olaf Berlien sieht die Kooperationsvereinbarung Schutzbestimmungen für die Mitarbeiter, aber auch für wesentliche Unternehmensteile vor. AMS bekenne sich darin „ausdrücklich zur Aufrechterhaltung bestehender Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen und ähnlicher Abmachungen”, wie etwa bestehender Pensionsvereinbarungen. Zudem beabsichtige AMS keine Namensänderung hinsichtlich des Unternehmens oder der Marke.

Osram: Den charakteristischen Schriftzug hat wohl jeder schon mal gesehen. (Foto: 360b / Shutterstock)

Übernahme durch AMS: Gewerkschaft sieht Stellen in Gefahr

Gewerkschaftsvertreter sehen das AMS-Angebot skeptisch. Ihnen gehen die Job-Sicherheiten nicht weit genug. In der Tat ähneln sich Teile des Geschäfts von AMS, zu dessen Hauptkunden Apple gehört, und Osram so deutlich, dass ein Personalabbau geradezu zwangsläufig erscheint. Dessen Wahrscheinlichkeit schätzt auch Berlien bei AMS höher ein als beim Investorenkonsortium.

Bain und Carlyle verfügen bereits über die erforderliche Zustimmung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). AMS muss sich zunächst noch darum bemühen. Vorher ist ein offizieller Einstieg in den Bieterstatus nicht möglich. Dass die BaFin sich quer stellen wird, gilt indes als unwahrscheinlich.

Sollte es erwartungsgemäß zu zwei zugelassenen Angeboten kommen, bleibt abzuwarten, wie Bain und Carlyle reagieren. Es könnte zu einem Rückzug eines Bieters, aber auch zu einem Wettbieten kommen.

Osram-Aktionäre freuen sich offenbar bereits. Die Aktie legte nach Bekanntwerden der AMS-Offerte um fast zwei Prozent zu und schloss bei 36,85 Euro.

Osram will sich zum Hightech-Photonik-Unternehmen transformieren

Osram ist eine Größe der Lichttechnikbranche. Durch die Verschlechterung der wirtschaftlichen Entwicklung in der Automobil-, wie auch der Smartphone-Industrie ist das Unternehmen in Schieflage geraten und hatte nach strategischen Investoren gesucht.

AMS ist ein österreichischer Chiphersteller, der von den wirtschaftlichen Eckdaten her deutlich kleiner als Osram ist und mit seinem dominierenden Hauptkunden Apple als leicht verwundbar gilt. So hat das österreichische Unternehmen im Geschäftsjahr 2018 1,4 Milliarden Euro Umsatz mit 10.800 Mitarbeitern gemacht. Osram kann hier 4,1 Milliarden Euro mit 27.400 Mitarbeitern vorweisen. Lediglich beim Börsenwert liegen die Unternehmen mit 3,1 (AMS) und 3,4 (Osram) Milliarden nicht so weit auseinander.

AMS muss Übernahme voll aus Krediten finanzieren

Dabei ist AMS bereits hoch verschuldet. Die Osram-Übernahme müsste voll aus Krediten finanziert werden. Gewerkschaftsvertreter bezweifeln überdies, dass die Österreicher über hinreichend Erfahrungen verfügen, um Osram in seiner gesamten Ausdehnung gedanklich voll durchdringen und sachgerecht übernehmen zu können. Es kursiert auch die Befürchtung, AMS wolle Osram filetieren und durch Teilverkäufe den Kaufpreis refinanzieren.

So gibt es einige Gründe, weshalb auch der Osram-Vorstand und der -Aufsichtsrat zunächst eine Übernahme durch die amerikanischen Finanzinvestoren favorisiert hatten. Erst das höhere Angebot der Österreicher hat hier wohl zu einem Umdenken geführt.

Sonst so an der Börse:

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