News

Otto-Chef Birken mit deutlicher Kritik an Amazon und Jeff Bezos

Die Otto Group fordert faire Steuerregeln und kritisiert das Verhalten von Amazon. (Bild: dpa)

Mit zunehmend harten Bandagen kämpft die Otto Group gegen Amazon. Otto-Chef Alexander Birken kritisiert die Steuervermeidungspraxis von Amazon. Ob die Kunden seine Anständigkeit honorieren?

Am Rande der Präsentation der Geschäftszahlen hat Alexander Birken, Vorstandsvorsitzender der Otto Group, den Mitbewerber Amazon scharf attackiert. „Wir bezahlen 100 Millionen Euro Steuern, die wir investieren könnten in die Digitalisierung oder in den Service oder in niedrigere Preise für die Verbraucher“, sagte Birken am Mittwoch in Hamburg. Dabei gehe es der Otto Group noch vergleichsweise gut, andere Einzelhändler hätten dieses Polster gegenüber ihren Mitbewerbern nicht. Man erleide gegenüber Amazon gravierende Nachteile, was auch Arbeitsplätze in Deutschland koste.

Otto-Chef: Kunden wollen anständiges Verhalten sehen

Dennoch hält die Otto Group an ihrem Wachstumsziel von vier bis fünf Prozent pro Jahr fest. Man wolle bis 2022 auf 17 Milliarden Euro Umsatz kommen, gleichzeitig sei es aber auch das Ziel, europäische Werte wie Rechtsstaatlichkeit und Nachhaltigkeit einzuhalten, so Alexander Birken. „Die Kunden wollen anständiges Verhalten bei uns sehen.“ Darin sehe er einen Wettbewerbsvorteil gegenüber global dominierenden Playern etwa aus den USA und aus China. Ob das die Kunden ebenso sehen oder mit den Füßen zugunsten Amazons abstimmen, bleibt abzuwarten. Dennoch hat sich der Ton seitens der Otto Group gewandelt: Wo lange Jahre immer nur hanseatische Höflichkeit herrschte, wird jetzt scharf geschossen. Schon vor einigen Monaten hatte die Otto-Führung gegen Amazon ausgeteilt.

Amazon will das natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Das Unternehmen zahle, so erklärt es öffentlich, alle gesetzlich vorgeschriebenen und anwendbaren Steuern. „Allein in Deutschland beschäftigt Amazon derzeit über 18.000 Mitarbeiter, seit 2010 hat Amazon mehr als zehn Milliarden Euro in hiesige Infrastrukturen und Anlagen investiert.“ Insbesondere für kleinere Onlinehändler hat Amazon in den letzten Jahren tatsächlich einiges geleistet, hier beziffert das Unternehmen einen Exportumsatz von 2,1 Milliarden Euro, die Arbeitsplätze in KMU geschaffen hätten. mit Material von dpa

t3n meint: Die Kritik von Alexander Birken ist nicht von der Hand zu weisen, weil Amazon aufgrund seiner internationalen Strukturen natürlich über deutlich weiter reichende Möglichkeiten der Steuervermeidung verfügt als andere Unternehmen (auch in der Größe der Otto Group). Dies allerdings alleine Amazon anzulasten, wäre auch zu kurz gegriffen. Denn dass ein Unternehmen die ihm legal zustehenden Freiheiten bei der Steuergestaltung nutzt (und hierfür sicherlich die besten Fachleute beschäftigt) ist im Prinzip allenfalls moralisch fragwürdig. Die Diskussion um Steuergerechtigkeit bei global agierenden Unternehmen werden wir noch lange führen – so lange, bis die Politik endlich für eine gerechtere Besteuerung der Konzerne sorgt. Das neue EU-Parlament könnte hier die ersten Weichenstellungen schaffen – zumindest haben sich das einige Parteien auf die Fahnen geschrieben. Tobias Weidemann

Das könnte dich auch interessieren:

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

4 Kommentare
Peter

Otto-Chef: Kunden wollen anständiges Verhalten sehen.
Ok, Otto, dann fangt mal bei damit für eure Mitarbeiter eurer Tochter Hermes damit an

Antworten
Titus von Unhold
Titus von Unhold

On point!

Antworten
Rebecca Hümmer
Rebecca Hümmer

Anständig ist das nicht, was ich beim Bestellen aus dem Otto-Online-Katalog schon erlebt habe, bevor ich dort alle meine Daten löschen ließ, weil ich sicher nie wieder bei Otto bestelle. Das ist mir mit noch keinem Amazon-Händler so gegangen.

Antworten
Luise
Luise

Ja….Hermes gutes Stichwort. Nicht nur das sie Jungs mit polnischen Kennzeichen und einer Rostlaube vorfahren….nein! Manchmal kommen sie überhaupt nicht um z.B die Koffer für die DB abzuholen etc.

Wie heisst es so schön………erstmal mit dem Besen vor der eigenen Haustüre kehren!

Über Amazon kann man sicherlich streiten, aber das Unternehmen nutzt ja nur Möglichkeiten die der Gesetzgeber offen lässt. Ein Unternehmen das versucht Steuern zu sparen ist ein gutes Unternehmen, das Geld kann der Unternehmer gut und gerne auch für interne Wohltaten ausgeben z.B die Kantinen subventionieren damit Mitarbeiter für 2,50 €pro ein gutes Mittagessen bekommen etc.

OTTO muss sich endlich neu erfinden und nicht den BIG Player kritisieren. Amazon ist auch so erfolgreich weil sie innovativ sind.

Amazon funktioniert mehr oder weniger, deshalb sind sie so erfolgreich.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung