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Ottos neuer Wurf: On-Demand-Commerce, das AWS für Fulfilment

Otto will mit einer skalierbaren Fulfilment-Plattform eine Marktlücke füllen. (Foto: Shutterstock.com/Baloncici)

Das ist neu: eine skalierbare Fulfilment-Plattform, die Logistik-Technologie und Fulfilment für Onlinehändler aus einer Hand anbietet.

Die neue Fulfilment-Plattform On-Demand-Commerce (ODC) will Händler mit freien Logistikkapazitäten bei Fulfilment-Anbietern versorgen, das Schema des Dienstes ist vergleichbar mit Amazons Web Services. Händler binden ihre Systeme an der Technologieplattform von ODC an und erhalten dann eine quasi-automatisch skalierende Fulfilment-Lösung. Gegründet unter dem Dach von Ottos Company-Builder Otto Group Digital Solutions (ODGS), verspricht ODC kleinen, mittleren und großen Händlern eine bezahlbare und schnell skalierbare Plattform.

On-Demand-Commerce: So funktioniert die Fulfilment-Plattform

Der Prozess ist simpel: Ein Onlineantrag für einen Vertrag mit der Plattform, und alle Formalitäten sind erledigt. Weitere Verträge mit den Paketdienstleistern oder den eigentlichen Fulfilment-Dienstleistern, die für die Lager zuständig sind, müssen die Kunden nicht abschließen. Darum kümmert sich die Plattform. Der Händler legt als nächsten Schritt nur noch fest, welche Warenbestände eingeliefert werden und welche Fulfilment- und Versanddienstleistungen er benötigt. Die Anbindung an das ERP- oder Shopsystem sowie an Marktplätze erfolgt dann über die Schnittstellen von ODC zu den jeweiligen Systemen.

Die Gründer der On-Demand-Commerce-Plattform, von links nach rechts: Christian Athen, Torben Lenhart und Torben Irmer. (Foto: OGDS)

Händler können beispielsweise definieren, in welchen Städten die Ware gelagert werden soll, ob Same-Day-Delivery in bestimmten Postleitzahlengebieten angeboten werden soll und ähnliches. ODC hat bei Partnern bis zum Jahresende vier Fulfilment-Standorte angemietet und will seinen Warehouse-Hub bei Bedarf erweitern. Auch Microhubs in Innenstadtstandorten sind langfristig geplant.

Die Abwicklung von gekühlten Waren und Gefahrengütern ist noch nicht von Anfang an möglich, ansonsten will die Plattform aber so gut wie alle Lagergüter behandeln, die auch bei den anderen Fulfilment-Diensten möglich sind.

ODC versendet über die gängigen Paketdienste DHL, DPD und Hermes, der Auslandsversand kann auch über den Paketspezialisten Parcel One erfolgen.

Schnittstellen für ERP, Middleware und Shopsysteme

ODC liefert als Plattformbetreiber vor allem Technologie. Die Plattform führt die einzelnen Systeme und Datenströme der Dienstleister und des Händlers über standardisierte Schnittstellen zusammen und bereitet die Daten entsprechend auf. Für die ERP- beziehungsweise Warenwirtschaftssysteme Plentymarkets, Weclapp und Billbee sowie für die Shopsysteme Shopware, Prestashop, Shopify und Woocommerce sind fertige Schnittstellen vorhanden, Plentymarkets kann sogar per Software-Assistent eingebunden werden. Zusätzliche Schnittstellen sind in Arbeit und werden auch bei Bedarf hinzugefügt.

Das Logistik-Cockpit (Händler-Frontend) für die Fulfilment-Plattform. (Screenshot: ODC)

Die Anbindung ist keine kostenpflichtige Projektarbeit, sondern eher ein Plug-and-Play-System ohne Zusatzkosten.

B2C-, aber auch B2B-Fulfilment

Kleine bis mittlere Händler oder Marken, die ihren Versand auslagern wollen, führen oft keine eigene Logistik mehr. Da wird die Ware vom Lieferanten direkt an den Fulfilment-Dienstleister gesandt, der dann nicht nur an Endkunden versendet – sondern auch an B2B-Multiplikatoren sowie Marktplätze. ODC verspricht auch B2B-Lieferungen an Zwischenhändler oder die Marktplätze von Amazon oder Otto. Und kann dabei auch spezielle Einlieferungsbedingungen wie beispielsweise für Amazon FBA beachten. Ebenso werden Amazon-Replenishments und Prime-by-Merchant angeboten.

Website der On-Demand-Commerce-Plattform. (Screenshot: ODC)

Preisgestaltung auch für kleine Händler marktgerecht

ODC will sich auch durch ein Angebot für kleine bis mittlere Händler von den Mitbewerbern abheben. Die Preise für kleine Händler orientieren sich am Markt und dem, die beispielsweise auch bei Amazons Fulfilment-Programm erhältlich sind.

Die Kosten pro Paket setzen sich zusammen aus einer Gebühr pro Sendung, einer pro Pick und pro Position. Für jeden genutzten Kubikmeter wird eine monatliche Lagergebühr berechnet, ansonsten fallen keinerlei monatliche Kosten oder Mindestumsätze an. Das Porto für die Sendungen wird ebenfalls über ODC abgerechnet, was gerade für kleine bis mittlere Händler mit geringen Versandmengen eine Ersparnis bringen soll.

Eine echte Marktlücke, die vor allem mit Sorgfalt gefüllt werden muss

Die Fulfilment-Plattform ODC füllt eine Marktlücke. Ein Dienst, der ab einem Paket pro Tag Fulfilment-Services bündelt und eine schnelle Skalierung verspricht, das erinnert wirklich an Amazon AWS. Der Vergleich illustriert zwar schön den Ansatz, hinkt aber etwas, denn Fulfilment ist keine IT, sondern manuelle Arbeit. Dass ODC mit seiner Plattform ein schönes Stück Technologie abliefert, scheint sich jetzt schon abzuzeichnen.

Die Herausforderung wird vermutlich eher darin liegen, bei den verschiedenen Fulfilment-Dienstleistern für ein gleichbleibendes Qualitätsniveau zu sorgen. Das zu gewährleisten, wird neben der Technologieplattform die wichtigste Aufgabe für ODC, denn nur wenn die Plattform auch im Fulfilment zuverlässig skaliert, wird sie erfolgreich sein.

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