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So wenig verdienen die Zusteller der Paketdienste

Nicht immer läuft es bei der Paketzustellung reibungslos. (Foto: © DHL)

Dass Zusteller der Paketdienste nicht nur vor Weihnachten viel Arbeit für wenig Geld leisten, dürfte allgemein bekannt ein. Wie prekär die Lage ist, hat jetzt die Bundesagentur für Arbeit auf Nachfrage bekannt gegeben.

Fast eine halbe Million Menschen arbeiten in der Vorweihnachtszeit für Post- und Paketdienstleister – so beziffert es die Bundesagentur für Arbeit. Und über die Hälfte der Aushilfen verdient weniger als 10,50 Euro, den stündlichen Satz der Niedriglohnschwelle in Deutschland. Zustande kommt das, weil die Paketunternehmen Paketzahlen vorgeben, die in der vorgegebenen Zeit nicht zu schaffen sind. Rund 200 bis 250 Pakete am Tag sind das Pensum, das laut übereinstimmenden Berichten verschiedener Untersuchungen ein Paketfahrer an den Tagen vor Weihnachten schaffen soll. Dass das mehr als optimistisch ist, lässt sich mit ein wenig gesundem Menschenverstand ausrechnen.

Im Schnitt, so erklärt die Bundesagentur für Arbeit, verdienen Aushilfen unter den Paketzustellern 2.044 Euro brutto im Monat, wenn sie Vollzeit arbeiten, wobei allerdings auch nur drei von zehn über eine passende Ausbildung verfügen – beim Rest handelt es sich um Hilfskräfte, die zum Großteil in Teilzeit oder als Minijobber tätig sind. Gelernte Kräfte arbeiten allerdings meist zu besseren Bedingungen und der Schnitt bei den Vollzeitbeschäftigten liegt bei 2.601 Euro, so die Bundesagentur für Arbeit.

Nicht berücksichtigt sind dabei jene, die selbstständig oder scheinselbstständig arbeiten – und auch die laut Verdi wachsende Zahl an ausländischen Dienstleistern, die die Paketunternehmen als Subdienstleister unterstützen, bleibt in der Statistik außen vor. Tatsächlich – das hatten DHL, Hermes und Co. bereits im vergangenen Jahr erklärt, ist der Markt leergefegt, weil die höhere Nachfrage vor Weihnachten so ziemlich alle verfügbaren Kräfte gebunden habe.

Faire Bezahlung: Paketdienste halten sich oft raus

Die Paketdienstleister stellen sich dabei oftmals auf den Standpunkt, dass die Entlohnung nicht ihr Thema sei, weil sie ja nur Verträge mit den Subunternehmern hätten. Haftbar sind sie deshalb nicht für die Verträge der Subunternehmer mit den Mitarbeitern – ein Umstand, den die Gewerkschaft Verdi gerne ändern würde. In der Tat ist es laut Süddeutscher Zeitung so, dass DHL und UPS den Großteil der Sendungen von eigenen Mitarbeitern transportieren lassen, während wir bei Hermes und DPD nur in den seltensten Fällen einen angestellten Paketausträger vor der Tür stehen haben.

Dass der Job hart ist und dass die fehlenden Mitarbeiter zu einem ernsten Problem für den E-Commerce werden könnten, hatten wir bereits im vergangenen Jahr prophezeit. Jetzt hat die UN-Handelsorganisation im Rahmen eines weltweiten Rankings nachgewiesen, dass Deutschland diese sinkende Zuverlässigkeit in der Zustellung einen der Top-10-Plätze im Onlineshopping-Ranking kostet. Demnach landet Deutschland nur noch auf Platz 11 – gemessen wurde dabei beispielsweise, wie schnell Ware geliefert wird und wie berechenbar der Liefertermin tatsächlich ist. Für das Gesamtbild zählten aber auch die Rate der Internetzugänge und die Dichte der sicheren Server.

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7 Kommentare
Marcel
Marcel

Ich zitiere mal „verdienen Aushilfen unter den Paketzustellern 2.044 Euro brutto im Monat“.
Woher haben die, diese Wunschzahlen?

Zumindest für Hermes &Co kann man sagen, es läuft alles über Substanz- oder Subsubunternehmen. Mehr als Mindestlohn ist nicht drin bei einer Arbeitszeit von mind. 48h/Woche. Ausgleich oder Ausbezahlung dieser, naja kommt halt drauf an bei welchem Subunternehmer man landet. Die einen bekommen es, die anderen nicht.

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Terdie
Terdie

Woher haben die, diese Wunschzahlen? Der „Durchschnitt“ ist immer irreführent.
Bekannte die bei DPD arbeiten (schuften) bekommen knapp 1600 Brutto als Festlohn für eine 60 Stunden Woche.
Wie kommt man damit auf den Mindestlohn?

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Titus von Unhold
Titus von Unhold

Die Zahlen ergeben sich aus den Lohnabrechnungen. Da mit diesen Zahlen auch die Finanzämter, Berufsgenossenschaften, Rentenversicherer, Krankenkassen und Pflegeversicherungen arbeiten, sind diese offensichtlich korrekt. Desweiteren sind die Zahlen öffentlich: https://entgeltatlas.arbeitsagentur.de/entgeltatlas/faces/index.jspx

Jan
Jan

Wir nutzen die Zustellung samstags bis abends, weil wir teilweise darauf angewiesen sind. Allerdings bekommen die Zusteller dann auch 5 Euro Trinkgeld. Und nicht nur dann. Deren Freude / Verwunderung zeigt mir jedoch, dass das nicht allzu häufig passiert.
Ich bin denen jedenfalls einfach nur dankbar, dass ich mich nicht durch das Getümmel in den Städten quälen muss.

Liebe Leute lasst Euch sagen, ein kleines Trinkgeld sorgt für Wohlbehagen! Und außerdem kommt es direkt an der richtigen Stelle an!

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Hans
Hans

Jan Böhmermann und sein Team haben sich auch dem Thema angenommen.

Link: https://www.youtube.com/watch?v=Rp1hERCvGKo

Die letzten drei Minuten sind sehr traurig.

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Peter
Peter

> Demnach landet Deutschland nur noch auf Platz 11

Laut dem UN Bericht doch auf Platz 16!?

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Guru
Guru

Immerhin ein Artikel darüber. Im Newsletter wird noch schwadroniert, dass alle Pakete von Amazon trotz Verdistreik sicher ankommen, ohne auf die Gründe einzugehen.

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