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Analyse

Plötzlich größer als Spotify: Was die Pandora-Übernahme für die Musikwelt bedeutet

Pandora in neuer Box: Zusammen mit Sirius XM entsteht ein neuer Musikriese. (Foto: Shutterstock-Robert Kneschke)

Ein Veteran des Musik-Streaming kommt zurück: Pandora könnte demnächst vom Satellitenradio-Network Sirius XM übernommen werden. Aus zwei mittleren könnte ein richtig großer Player werden.

Schon seit Jahren hatte das Musiknetzwerk Pandora nach einem Käufer gesucht, jetzt ist er offenbar da: Das Satellitenradio-Netzwerk Sirius XM übernimmt den Streaming-Dienst Pandora für rund 3,5 Milliarden US-Dollar in Aktien. Das ist eine sportliche Bewertung: 9,09 Dollar hatten die Pandora-Aktien am Freitag noch gekostet, das von Sirius XM angestrebte Tauschverhältnis entspricht aber einem Wert von 10,14 Dollar. Interessant dürfte für Sirius XM, die selbst 36 Millionen Kunden in den USA mitbringen, die Reichweite von Pandora sein. Das Netzwerk kommt auf 70 Millionen aktive Nutzer und konkurrierte zuletzt mit gängigen Streaming-Diensten wie Spotify und Amazon Music.

Dabei ist das Geschäft, das nach dem Willen der beiden Beteiligten wohl im ersten Quartal 2019 finalisiert werden könnte, allerdings noch nicht unter Dach und Fach: Denn sowohl Pandora selbst könnte noch nach einem höheren Angebot suchen, als auch die Kartellbehörden könnten den beiden Unternehmen einen Strich durch die Rechnung machen. Dass es dazu kommt, ist nicht ausgeschlossen. Denn mit dem Zusammenschluss entsteht (rechnerisch) der weltgrößte Audio-Streaming-Konzern mit einem Umsatz in Höhe von sieben Milliarden Dollar. Dabei muss man allerdings sagen, dass das Geschäft vor allem auf die USA ausgerichtet ist und aus sehr unterschiedlichen Bereichen resultiert, da Sirius XM sein Geld mit Satellitenradiosendern verdient.

Pandora wurde durch andere Dienste obsolet

Allerdings stand es um Pandora in den letzten Jahren eher schlecht. Das bereits 2000 gegründete Unternehmen war einer der ersten Player, der auf Basis von Playlisten und Musikgeschmack entsprechende Vorschläge für interessante Musiktitel machte – quasi das, was früher ein guter Verkäufer im Plattenladen konnte. Anhand von mehreren Hundert Attributen und einer Titeldatenbank war es so schon früh möglich, zum Musikgeschmack passende Musikstücke vorgeschlagen zu bekommen. Ein USP, der die Künstler beschwichtigte, war dabei die Prämisse, dass man (ohne Tricksen) nur begrenzt Lieder überspringen konnte. Allerdings war es in Europa in den letzten Jahren recht still um Pandora geworden, da man den Dienst inzwischen nur noch mit VPN-Tunnels und IP-Tricks  nutzen konnte.

Dennoch hat es gerade Pandora nicht geschafft, den zweifellos vorhandenen Datenschatz auch zu heben: Weder ein nennenswertes Werbegeschäft ist in den letzten Jahren entstanden noch ein wirklich überzeugendes Abo-Modell. Während Spotify in 2016 rund 23 Millionen Abonnenten hinzugewann, waren es bei Pandora gerade einmal eine Million zahlende Abonnenten Zugewinn (bei einem deutlich höheren Verlust an nicht-zahlenden Hörern).

Abgesehen davon kam gerade in den letzten Jahren das Unternehmen allzu sehr unter die Räder – und musste gegenüber Streamingdiensten wie Amazon, Apple, Deezer, Tidal und Spotify Federn lassen. Diese wiederum adaptierten ihrerseits viele Funktionen, für die seinerzeit Pandora stand. Pandora versuchte zudem zu sehr, deren Erfolg monetär nachzueifern – und gab damit seine Alleinstellungsmerkmale auf und wurde zur schlechteren Kopie.

Pandora ergänzt das Geschäft von Sirius XM

Die zuletzt gemeldeten sechs Millionen Premium-Abonnenten sind offenbar zu wenig, um alleine erfolgreich weiter zu machen, aber immerhin noch genug, um zusammen mit dem Partner Sirius XM erfolgreich sein zu können. In dem Gemeinschaftsunternehmen dürfte jetzt der andere Partner vor allem von der in den USA durchaus noch vorhandenen Reichweite profitieren.

Sirius XM ist ebenfalls aus einem Zusammenschluss entstanden – die Konsolidierung im Satellitenradiogeschäft ist dem Unternehmen also nicht unbekannt. Der Dienst stellt seinen Kunden für fünf Dollar im Monat rund 140 Sender, die teilweise werbefrei produziert werden, zur Verfügung, darunter auch die Tonspuren einiger TV-Sender im News-Bereich. Das Angebot würde wohl angesichts der zahlreichen frei empfangbaren Radiosender in Deutschland hierzulande nicht funktionieren. Immerhin verspricht sich Sirius XM von der Übernahme wohl recht viel – das verrät der ambitionierte Übernahmepreis. Doch ob die Rechnung in den nächsten Jahren aufgeht, ist ungewiss angesichts der inzwischen durchaus umfangreichen Konkurrenz.

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