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Paradox: Durch Maschinen ersetzbare Mitarbeiter bilden sich seltener weiter

(Foto: Shutterstock)

Eine IAB-Untersuchung zeigt, dass Arbeitnehmer, die leicht durch einen Algorithmus ersetzbar sind, sich seltener weiterbilden. Ein Ergebnis, das die Arbeitsforscher aufschrecken lässt.

Eines ist klar: Die Digitalisierung wird eine gehörige Anzahl an Jobs obsolet machen. Zwar stimmt es auch, dass neue Jobs entstehen und von Massenarbeitslosigkeit nicht unbedingt auszugehen ist, allerdings braucht es auch einen Überführungsprozess für betroffene Berufstätige vom aussterbenden Job in einen mit Zukunft. Das bedeutet gemeinsame Anstrengungen von Politik und Wirtschaft – jedoch auch des einzelnen Arbeitnehmers. Wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) jetzt herausgefunden hat, ist die Bereitschaft der Menschen jedoch oft nicht unbedingt vorhanden.

Weiterbildung: Nein, danke!

Weiterbildungsbeteiligung nach Art der Tätigkeit. (Grafik: IAB)

Auf Datenbasis des Nationalen Bildungspanels kamen die Studienautoren zu dem Ergebnis, dass gerade Berufstätige mit einem hohen Anteil an Routineaufgaben, die als besonders leicht ersetzbar gelten, am wenigsten Bereitschaft aufweisen, an Weiterbildungen teilzunehmen. Nur 27 Prozent der Mitarbeiter, die einer Risikogruppe angehören, besuchten innerhalb des vergangenen Jahres mindestens einen entsprechenden Schulungskurs. Unter den Beschäftigten, die einem geringeren Risiko unterliegen, von modernen Technologien ersetzt zu werden, waren es hingegen 41 Prozent.

„Lebenslanges Lernen und Weiterbildungen werden immer wichtiger.“

Dieses Ergebnis sei bedenklich, mahnen die Forscher. Nicht nur die Beschäftigungsfähigkeit der von Automatisierung betroffenen Arbeitnehmer stehe demnach auf dem Spiel, sondern auch die damit zusammenhängenden Erwerbs- und Einkommenschancen. Die Unterschiede in der Beteiligung lassen sich der Erhebung zufolge nicht durch unterschiedliche Qualifikationsniveaus erklären. So nahmen 37 Prozent der Geringqualifizierten mit wenig standardisierbaren Aufgaben an einer Weiterbildung teil. Unter Geringqualifizierten mit hohem Anteil an Routinetätigkeiten waren es sieben Prozent.

Ein ähnliches Bild zeigt sich für Erwerbstätige mit einem Hochschulabschluss oder einer abgeschlossenen Berufsausbildung. Auch das Alter oder ein Migrationshintergrund haben keinen großen Einfluss auf die Weiterbildungsbereitschaft. Es scheint somit vor allem um Menschen zu gehen, die sich wohlfühlen, lediglich Routineaufgaben zu erledigen. „Um die negativen Folgen für diese Beschäftigten abzufedern und technologiebedingte Arbeitslosigkeit zu vermeiden, werden lebenslanges Lernen und Weiterbildung immer wichtiger“, heißt es jedoch von den Studienautoren. Wie heißt es noch: Wer nicht mit der Zeit geht, geht.

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6 Kommentare
Benjamin Wagener
Benjamin Wagener

Ich würde mal behaupten, dass ein hoher Teil der leichter ersetzbaren Mitarbeiter sich häufig in Arbeitsverhältnissen befinden wo die Arbeit sehr anstrengend ist und nicht wenig Überstunden geleistet werden und dann nicht viel Raum für eine Weiterbildung nebenbei bleibt, weil man ja auch noch irgendwann mal leben will. Zudem kann ich mir gut vorstellen, dass es vielen da auch an Orientierung fehlt, was es denn an Alternativen gibt und welche dafür für sie geeignet sind und sich auch lohnt. Und last but not least, werden auch etliche einfach nur froh sein, dass sie gerade nen Job haben und wollen sich einfach nicht damit beschäftigen den wieder zu verlieren.

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Torsten der Zauberer
Torsten der Zauberer

„Zudem kann ich mir gut vorstellen, dass es vielen da auch an Orientierung fehlt, was es denn an Alternativen gibt und welche dafür für sie geeignet sind und sich auch lohnt.“

Richtig! Die meisten Jobs die wegfallen werden, fallen schließlich ersatzlos weg. Zwar entstehen auch neue Jobs, aber
a) in der Regel nicht am selben Arbeitsplatz und/oder
b) nicht in der gleichen Branche und/oder
c) mit dem gleichen Anforderungsspektrum

Das ist so wie bei anderen Disruptionen, wo keine Korbflechter oder Knechte mehr gebraucht wurden, dafür auf einmal Werkzeugmacher oder Landmaschinentechniker. Und A kommt eben nicht zwingend als B unter…

Dazu fallen vor allem mittlere Jobs weg, also Tätigkeiten wo die meisten jetzt schon am oberen Leistungsspektrum ihrer Klasse unterwegs sind und an gläserne Decken stoßen oder sich nur verschlechtern können und die durch teure (weil: hohe Gehälter) Redundanzen geprägt sind – Bankkaufleute, Versicherungskaufleute, Sachbearbeiter/kaufmännische Angestellte, Vertriebler wären da die sterbenden Klassiker.
Logisch dass so jemand keine große Lust zeigt sich verändern oder weiterbilden zu wollen.

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Torsten der Zauberer
Torsten der Zauberer

„Es scheint somit vor allem um Menschen zu gehen, die sich wohlfühlen, lediglich Routineaufgaben zu erledigen.“

Weswegen man wohl wenig Lust hat den gewohnten Trott durch so etwas Außergewöhnliches wie eine Weiterbildung zu unterbrechen.^^

Mich würde zudem nicht wundern, wenn diese Gruppe mit der der konstanten Erwerbsbiographien, wie es so schön heißt, korreliert. Sprich: Wo man gewohnt ist seit 20+ Jahren im gleichen Trott zu verharren und auch ein gewisser Unglaube vorherrscht dass das „wirklich alles so schlimm kommt“. Wer gewohnt ist alle paar Jahre den Job zu wechseln hat da eben eine ganz andere Grundhaltung (entwickelt).

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Titus von Unhold
Titus von Unhold

Es ist grundsätzlich die Aufgabe der Arbeitgeber seine Beschäftigten zu qualifizieren oder weiterzubilden. Wenn sich das mal wieder durchsetzt, hört auch das blöde Gejammer über den Porschemangel auf.

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BWelzel
BWelzel

„Es ist grundsätzlich die Aufgabe der Arbeitgeber seine Beschäftigten zu qualifizieren oder weiterzubilden.“

Und es ist grundsätzlich die Aufgabe des Staates seine Subjekte zu füttern, für ein Dach über den Kopf zu sorgen und mit detaillierten Anweisungen zu versorgen, wie zu leben und zu denken ist.

Oder anders gesagt: wer sich selbst als Sklave wahrnimmt und die Verantwortung für sein Leben an andere delegiert, sollte sich einfach nur klar darüber sein das der Wert eines Sklaven nach seinen Fähigkeiten bemessen wird.

Wer für sein eigenes Leben Verantwortung übernimmt, wartet sicherlich nicht darauf von seinem Arbeitgeber in eine Weiterbildung gezwungen zu werden.

Und: Fördermittel für berufliche Weiterbildung werden zumeist nicht abgerufen bzw. nur von einem kleinen Teil der Belegschaft. Sicherlich lässt sich das aber mit einem Gesetz regeln: Arbeitgeber werden gezwungen Ihre Mitarbeiter regelmäßig weiter zu bilden, weil wir ja alle wissen wie gut Zwang für Motivation & Lernen ist (siehe Schulsystem).

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Markus
Markus

Der Zusammenhang ist verkehrt herum analysiert. Abläufe die man leicht automatisieren kann sind eintönig und immer gleich. Damit braucht es auch keine ständige Weiterbildung um dies in immer gleicher Weise zu erledigen. Auf solche Jobs hat keiner Lust, aber es gibt welche die nichts anderes können oder wollen und deswegen diese Jobs machen. Solche Jobs gibt es übrigens viel mehr als man denkt.

Jetzt aber zu analysieren, dass die Leute sich weniger gern weiterbilden als andere, also an der Anzahl gemachter Weiterbildungen, ist eher lustig, den schlüssig. Niemand ändert gern etwas und die wie ich ständig etwas ändern möchten können diesen Drang auch nicht ändern, also andere Symptome, aber gleicher innerer Widerstand.

Am Ende sollte jeder für sich einen Drang nach Weiterbildung haben und nicht auf den Arbeitgeber warten. JEDER ist für seinen Bildungszustand verantwortlich und heute ist Weiterbildung leichter zugänglich als je zuvor.

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