Porträt

Lösen diese Gründer eines der größten Probleme von Facebook?

Die Passbase-Gründer Felix Gerlach, Mathias Klenk und Dave McGibbon. (Foto: Passbase)

Terrorpropaganda, Datenklau, Betrug: Tech-Firmen wie Facebook kämpfen seit Jahren mit den Auswüchsen von Fake-Accounts. Drei Gründer wollen das Problem lösen – mit wenigen Codezeilen.

Eines der größten Probleme von Facebook lässt sich in einer einzigen Zahl zusammenfassen: 1,3 Milliarden. So viele Fake Accounts hat das soziale Netzwerk allein im ersten Halbjahr 2018 gelöscht. Eine Sisyphusarbeit – werden nach Schätzungen doch jeden Tag Millionen Profile mit gefälschten Nutzerdaten neu registriert. Etwa, um Terrorpropaganda zu verbreiten oder zu betrügen. Auch andere Tech-Konzerne wie Amazon und Twitter kämpfen seit Jahren mit dem Problem.

Große Hoffnungen liegen deshalb auf Techniken, die die Anmeldung bei Onlinediensten vertrauenswürdiger machen. Zum Beispiel über einen Gesichtsscan oder einen Personalausweis, den Nutzer einmalig hinterlegen. Das geht schneller und ist womöglich auch sicherer als eine bloße E-Mail-Adresse samt Passwort.

Passbase will Online-Ident vereinfachen

Investoren aus dem Silicon Valley haben sich jetzt ein Startup ausgesucht, das der Technologie zum Durchbruch verhelfen könnte: Passbase. Die Jungfirma bietet eine Software-Schnittstelle an, die Entwicklern ermöglichen soll, Websites und Apps in Minuten mit einem sicheren Ident-Verfahren auszustatten. Einmal per Video-Selfie und Ausweis verifiziert, können Nutzer sich bequem über einen Button in Netzwerken anmelden oder in Onlineshops einkaufen. Die Betreiber wiederum haben die Gewissheit, dass hinter den Profilen auch echte Menschen stecken.

Nur wenige Zeilen Code seien dafür nötig, verspricht Passbase-Gründer Mathias Klenk. Er vergleicht seine Schnittstelle mit denen gängiger Bezahlanbieter: „Die Identitätsverifizierung im Netz steht heute dort, wo Überweisungen vor 20 Jahren standen, lange bevor es Anbieter wie Paypal und Stripe gab“, sagt Klenk. Mit Passbase sei es Unternehmen nun möglich, auch Verifizierungen online und einfach zu akzeptieren. Der Münchner hat den Login-Dienst zusammen mit Felix Gerlach und Ex-Googler Dave McGibbon entwickelt. Der Launch ist noch im April geplant.

Google-Manager und andere investieren

Zum Start haben Führungskräfte von Alphabet und dem renommierten US-Fonds Kleiner Perkins rund 600.000 Dollar in Passbase gesteckt. An der Erstrunde beteiligt sind zudem ein Professor der Eliteuni Stanford, Upheaval Investments und der Londoner Frühphasen-Investor Seedcamp. „Die digitale Welt, in der wir leben, braucht ein besseres Identitätssystem. Passbase ist nicht die erste Firma, die diese große Chance nutzt, aber wir glauben, dass bei all den jüngsten Datenskandalen der richtige Zeitpunkt für eine dezentrale Lösung gekommen ist, die die Kontrolle über sensible Daten ermöglicht“, kommentiert Seedcamp-Partner Sia Houchangnia das Invest.

Die Passbase-Gründer, die zuvor am Krypto-Startup Coinance arbeiteten, haben jedoch viel Konkurrenz. In den USA etwa ist Civic mit einem digitalen Ident-Verfahren aktiv, finanziert wurde die Firma mit 35 Millionen Dollar. 2018 startete in Deutschland zudem der Login-Dienst Verimi mit Partnern wie Axel Springer, Deutsche Bank und Telekom. Mit NetID kam im November ein weiterer europäischer Anbieter hinzu.

Allzu große Überschneidungen sieht Passbase-Gründer Klenk aber nicht: „Verimi und NetID richten sich mit ihrer Lösung vor allem an Verbraucher“, sagt er. Durch Werbekampagnen an Bahnhöfen hätten die Anbieter auch mit hohen Kosten zu kämpfen. Klenk will seine Software deshalb direkt an experimentierfreudige Entwickler verkaufen, die Probleme mit Fake-Accounts haben. Mit rund 200 Unternehmen ist Passbase derzeit im Gespräch. Darunter Bezahl- und Reiseanbieter sowie große Plattformen. Ob auch Facebook dazugehört? Dazu will sich Klenk nicht äußern. Nur so viel: „Soziale Netzwerke würden von unserer Lösung natürlich sehr profitieren.“

Zum Weiterlesen:

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Schreib den ersten Kommentar!

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.