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Paydirekt finanziert Studie, in der Paydirekt gewinnt

Paydirekt finanziert verdeckt eine Studie mit und gewinnt den Vergleich in der Studie.  (Bild: Paydirekt)

Der Zahlungsdienstleister Paydirekt hat eine Studie zu Zahlungskosten finanziert – und bei dieser am besten abgeschnitten. Herausgestellt hat sich das erst nachträglich.

Paydirekt hat eine  Studie von Ibi Research zu den Kosten von Zahlungsverfahren mitfinanziert, bei der der Online-Zahlungsanbieter am besten abschnitt, berichtet finanz-szene.de. Ibi Research ist ein bekanntes und renommiertes Forschungsinstitut an der Universität Regensburg, dessen Studien regelmäßig von Medien zitiert wird, auch von t3n. Dass Unternehmen Studien finanzieren ist nicht unüblich, in diesem Fall ist es aber bemerkenswert, dass der Finanzier Paydirekt nicht offengelegt wurde – und das Unternehmen den Vergleich dann mit Abstand gewann.

Die Studie „Gesamtkosten von Zahlungsverfahren im deutschen E-Commerce“

Die Studie untersuchte die Gesamtkosten der einzelnen Zahlungsverfahren, dazu zählte Ibi die direkten Kosten, also Kosten wie Transaktionskosten des Zahlungsanbieters, und indirekte Kosten wie verspäteter Zahlungseingang, Zahlungsausfälle, Mahn- und Inkassowesen und die Retourenabwicklung. Die Kosten berechnete Ibi dabei als Anteil an der durchschnittlichen Warenkorbhöhe. Die verwendeten Werte sind dabei entweder aus den Angaben der Händler ermittelt oder im Falle eines Wertes, der Kosten für externe Bonitätsprüfungen, durch eine Expertenschätzung eingesetzt. Paydirekt hatte zum Schluss 1,77 Prozent, Sofort 2,26 Prozent und die Lastschrift 2,63 Prozent Gesamtkostenanteil am Warenkorb.

(Screenshot: Ibi Research)

Paydirekt verdeckter Sponsor der Studie

Wie Heinz-Roger Dohms von Finanz-Szene.de schreibt, veröffentlichte Paydirekt am 10. Juli ein Interview mit dem Studienautor von Ibi Research, der das Ergebnis erklärte: „Im sogenannten Basisfall der Studie, der den ‚Durchschnitts-Händler‘ der Umfrageteilnehmer darstellt, schnitt Paydirekt daher am besten ab. Das liegt wohl hauptsächlich an der Art und Weise, wie das Verfahren abgewickelt wird: durch die Zahlungsgarantie fallen zum Beispiel die Kosten für Risiko- und Debitorenmanagement relativ gering aus.“

Dass Paydirekt die Studie mitfinanzierte, wurde nicht erwähnt. Als Dohms am 5. Juli nach dem Sponsor der Studie fragte, antwortete Ibi ausweichend und nannte den Verkauf der Studienexemplare, nicht-themenbezogene Finanzierung über das Partnernetzwerk des Instituts und eine themenbezogene Finanzierung. Bei der letzten Finanzierungsform sei es dem Sponsor möglich zu wählen, ob er nach außen erscheinen möchte oder nicht.

Dohms fragte am 9. Juli erneut nach dem Sponsor, Ibi verwies auf die vertraglich mit dem Sponsor vereinbarte Schweigeklausel – und schwieg. Das Institut betonte in der Antwort die Unabhängigkeit der Studie: „Um möglichen Missverständnissen vorzubeugen, möchten wir kurz klarstellen, dass die Unterstützer nie Zugriff auf die Daten (vor und nach Qualitätssicherung) hatten und auch die Auswertung nicht beeinflusst haben.“

Als Dohms dann bei Paydirekt anfragte, kam überraschend eine transparente Antwort: Paydirekt bestätigte ohne Zögern die Mitfinanzierung der Studie und betonte dabei auch die Unabhängigkeit der Studie.

Die Kommunikation wirft die Frage auf, wieso den Lesern der Studie diese Transparenz nicht gleich gewährt wurde. Es wäre empfehlenswert gewesen, das direkt zu kommunizieren.

t3n meint: Ibi Research ist für fundierte Studien bekannt. Dass die Studie von Paydirekt direkt beeinflusst wurde, ist daher eher unwahrscheinlich. Aber das Fragezeichen im Kopf des Lesers bleibt, darunter leidet die Glaubwürdigkeit.

Die Kommunikation ist hier unglücklich verlaufen. Wenn ein Unternehmenin einer Studie so gut abschneidet, dann sollte dem Sponsor geraten werden, Transparenz zu schaffen und das Institut aus der Vertraulichkeitsklausel zu entlassen. Im Ergebnis schadet die Verschleierung sonst allen Beteiligten – und der Glaubwürdigkeit der Studie.

Jochen G. Fuchs

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3 Kommentare
Interessent
Interessent

Bei allem Respekt, aber wer macht das nicht? Sogar Regierungen von Staaten nutzen diese Möglichkeit.

Nur weil Paydirekt halt leider kein „Startup“ ist, wird jetzt ne Meldung draus gemacht… Ich kann mich nicht erinnern, dass staatlich in Auftrag gegebene Studien so auseinandergezogen wurden/werden…

Siehe nur mal die Bertelsmann-Stiftung-Studien.

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Tom
Tom

@Interessent: D.h. nur weil es andere auch machen, ist das Verhalten legitim??

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Fester Bestertester
Fester Bestertester

Welche „Regierungen von Staaten“ – oder auch Staatsregierungen – machen das denn auch? Bitte Beispiele. Ich finde im WWW nichts dazu… #Dampfgeplaudere

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