Analyse

Paydirekt: Mit viel Geld gegen den Konkurrenten Paypal

Paydirekt: So macht die Kreditwirtschaft den Händlern das Bezahlverfahren schmackhaft. (Bild: Maxx-Studio / Shutterstock)

Paydirekt will offenbar in den Markt – koste es, was es wolle. Jetzt versucht die deutsche Finanzwirtschaft laut Medienberichten mit einem weiteren dreistelligen Millionenbetrag dem übermächtigen Konkurrenten Paypal Paroli zu bieten.

Die deutschen Banken wollen ihren Bezahldienst Paydirekt laut einem Medienbericht mit einer großen Finanzierung gegen Konkurrent Paypal in die Spur bringen. Die Süddeutsche Zeitung berichtete am Mittwoch unter Berufung auf Finanzkreise, Paydirekt könne auf einen dreistelligen Millionenbetrag hoffen. Alleine die Sparkassen könnten über 100 Millionen Euro geben. Wenn man berücksichtigt, dass der Anteil der Sparkassen bei 40 Prozent liegt, kann man sich also ungefähr ausrechnen, in welcher Größenordnung das Engagement sein wird, das da auf die Genossenschaftsbanken und die Privatbanken zukommen wird. Andererseits waren es in letzter Zeit vor allem die Sparkassen, die sich – obwohl spät eingestiegen – vehement zu dem Projekt bekannten.

Paydirekt, das von den Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Privatbanken getragen wird, trat dem Bericht entgegen. Paydirekt bekomme zwar als Dienstleister der Banken ein Entgelt für Betrieb und Weiterentwicklung des Systems, welches in den üblichen Finanzierungsrunden besprochen werde, erklärte eine Sprecherin. Die Dimension des angeblichen Betrags ist aber falsch. Ebenso seien Informationen falsch eingeordnet worden. Auch t3n gegenüber hatte das Unternehmen vor einigen Wochen noch abgewiegelt – die Zahlen von Paydirekt entsprächen durchaus den Erwartungen und man brauche sich angesichts des Vergleichs mit Mitbewerbern nicht zu verstecken.

Paydirekt als Konkurrenz gegen Paypal positioniert

Paydirekt wurde im November 2015 von den deutschen Banken gegründet, um dem US-Zahldienst Paypal Konkurrenz zu machen – ein ehrgeiziges Ziel, angesichts der Tatsache, dass dieser seit vielen Jahren etabliert ist und aufgrund seiner Marktmacht weltweit in vielen Märkten eine Schlüsselrolle einnimmt. Deutsche Verbraucher sollten damit eine Alternative beim Einkauf im Internet haben. Mit dem Dienst wollen die Banken zudem ihre wertvollen Kundenbeziehungen schützen und ihre Klienten im wachsenden Online-Handel an sich binden.

Jedoch lief das Projekt nur schleppend an. Paydirekt hat hierzulande zwar nach eigenen Angaben 1,3 Millionen Nutzer – gut 40 Prozent mehr als zu Jahresbeginn. Das seit langem in Deutschland agierende Paypal kommt aber auf 18,9 Millionen. Auch bei der Anbindung wichtiger Internet-Händler hinkt Paydirekt trotz einiger Fortschritte dem US-Wettbewerber noch hinterher. Vor gut einem Monat hatte das Unternehmen dann erneut für Schlagzeilen gesorgt, als man mit Otto einen großen Player überzeugen konnte, das Bezahlverfahren in den eigenen Shops zu unterstützen – das allerdings zu einem erstaunlich hohen Preis.

Paydirekt braucht längeren Atem als gedacht

Es ist halt das übliche Henne-Ei-Problem: Ein Bezahlverfahren, das von wenigen Händlern angeboten wird, findet auch nicht die begeisterte Akzeptanz bei den Kunden. Und wenn die Kunden nicht danach fragen, haben auch die Händler keinen konkreten Anreiz, es zu unterstützen. Insgesamt dürfte vielen Banken wohl im Vorfeld nicht bewusst gewesen sein, in welchem Umfang sie hier Anschubhilfe leisten müssen. Letztendlich ist Paydirekt nichts anderes als ein hoffnungsvolles Startup. Eines mit großen Namen im Hintergrund, aber zugleich auch mit der bei solchen Unternehmen typischen Eigenschaft, dass man im Vorfeld nur selten sagen kann, wie lange die Durststrecke bis zur Rentabilität dauern wird. (mit Material von dpa)

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7 Kommentare
alphatier
alphatier

Hoffen wir mal, dass PayPal auch wirklich mal Konkurenz bekommt. Die nutzen ihr Monopol ja voll aus.
PayPal wird so oft bei Spenden benutzt und es gibt bspw. so viele 1€-Spenden in Livestreams.

Gespendet: 1 €
– 0,35€ (fixe Gebühr)
– 0,02€ (prozentuale Gebühr)
——————————————
= 0,63€

Spendet man 1€ an einen YouTube-Streamer, kommen mit PayPal nur 63 Cent an.

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marco
marco

Es gibt bei PayPal auch Micropayments (MIcro Pricing) – das kostet bei 1€ nur 20 Cent. (10 Cent fix + 10% variabel).

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alphatier
alphatier

Also, meiner Meinung nach sind 20% auf 1€ ziemlich viel.

Und bei höheren Beträgen: Ich kann bspw. auch 500€ in Bitcoins mit einer Netzwerk-Gebühr von theoretisch sogar 3-7 Cent insgesamt übertragen. Mit PayPal würde das dann 1,35€ kosten.

Aber naja, ich nutze es ja nicht mehr (auch nicht mehr bei ebay).

igor435
igor435

Warum muss ich bei Shopware ein Plugin für 172.-€ zzgl. 19%MWSt. kaufen? Damit ich diese Bezahlart anbieten darf? Wäre nicht erstmal bei den Händlern einmal anzusetzen? Ich verstehe manchmal die Strategie / Sinn nicht von solchen Entscheidungen und dann wundert man sich warum kein Shop das anbietet.

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alles Fotzen außer Mutti
alles Fotzen außer Mutti

nun hauen die banken das geld ihrer kunden für eine sache raus die mittlerweile niemand mehr brauch. dafür werden dann gebühren für auszahlungen fällig? alles abzocke…

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Mark

Am Ende fehlt es momentan noch an Anreizen für Händler die Bezahlart überhaupt einzubinden. Sie müssen da schon mit mehr Sonderkonditionen kommen. Oder aber auch klassische Lösungen wie es die Reisebranche / Fluggesellschaften machen. EINE Zahlungsoption ist kostenlos alle anderen sind kostenpflichtig. Das funktioniert nur, weil sie Special Deals mit demjenigen haben und so deren Kunden sich auch oftmals beim Bezahlsystem anmelden.

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Dirk

Ich habe letzten PayPal & PayDirekt in ein Gutschein-Generator für einen Kunden eingebunden.

Dabei hab ich für PayPal nur 1/5 der Zeit gebaut wie bei PayDirekt, und warum?
Weil PayDirekt nur auf Technische Basis dokumentiert.

Bei PayPal hingegen gibt es Code-Beispiele und für jede Sprache und jeden Anwendungsfall.

Bei PayDirekt ist nichts zu finden, und wenn sind die Beispiele von andren Entwicklern, die auch schon ihre Probleme hatten. Hier muss PayDirekt echt mal kräftig nachlegen und nicht nur den Kunden/Verkäufern nahe bringen, sondern es auch den Entwicklern vereinfachen das Tool einzubinden.

Auch finde ich in PayDirekt ungünstig, dass man eine „Lieferadresse“ angeben muss, ohne die kann die Transaktion gar nicht durchgeführt werden. Wo ist hier bitte bei Digitalen Gütern der Sinn

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