Paydirekt und Sparkassen: Wer nicht bei drei auf den Bäumen ist, wird Kunde

Paydirekt verspielt das Vertrauen der Nutzer. (Screenshot: Paydirekt)

Der Paymentdienst der deutschen Banken Paydirekt greift jetzt zu völlig verzweifelten Methoden. Seit einiger Zeit ist bekannt, dass Paydirekt Sparkassen-Kunden zu Paydirekt-Nutzern machen möchte. Wie das genau abläuft, ist jetzt bekannt geworden und stellt gewissermaßen eine geistige Bankrotterklärung des Anbieters dar.

Paydirekt schiebt Sparkassenkunden Nutzerkonto unter

Über eine nachträgliche AGB-Änderung beim Girokontenvertrag der Sparkassen werden im November Millionen Sparkassenkunden zu Paydirekt-Nutzern, wenn kein Widerspruch erfolgt. Im Schreiben an die Sparkassenkunden, das t3n vorliegt, heißt es: „Wir bieten Ihnen hiermit als Änderung Ihres Girokontovertrags die Nutzung von Paydirekt ab 06.11.2017 an.“ Diesem harmlos klingenden Satz folgt dann etwas später der lapidare Hinweis: „Ihre Zustimmung zum Änderungsangebot gilt gemäß §675g Abs.2 Satz 1 BGB iV.m Nr.2 Abs.2 unserer AGB als erteilt, wenn sie nicht vor dem vorgeschlagenen Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Änderung (06.11.2017) Ihre Ablehnung angezeigt haben.“

Im Klartext: Wer nicht bei drei auf den Bäumen ist, wird Paydirekt-Nutzer. Jeder Sparkassenkunde, der bis zum Stichtag nicht widersprochen hat, bekommt automatisch ein inaktives Paydirekt-Nutzerkonto, das nur noch mit einem Klick aktiviert werden muss. Der Stichtag kann dabei variieren, da jedes Sparkassen-Institut selbst über die Umsetzung entscheidet.

Der Welt gegenüber gibt der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) an, das im ersten Schritt 2,6 Millionen Kunden das oben zitierte Anschreiben erhalten sollen.

Die Sparkassen rechtfertigen dies mit einem BGB-Paragrafen, der unter anderem Rahmenverträge für Girokonten rechtlich regelt. Dort wird dem Zahlungsdienstleister, in diesem Fall der jeweiligen Sparkasse, die Möglichkeit eingeräumt, Änderungen am Vertrag automatisch wirksam werden zu lassen, insofern der Kunde nicht widerspricht. Die Sparkassen haben einen solchen Passus in ihren AGB und betrachten die Einrichtung der Paydirekt-Funktion im Girokonto, sowie die damit verbundene Vorregistrierung eines Nutzerkontos bei Paydirekt als Änderung des Girokontenvertrages.

In einer heutigen Stellungnahme gegenüber t3n erklärt ein Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, dass der Kunde aus Sicht des Verbandes nur durch die Aktivierung der Vorregistrierung zum Nutzer von Paydirekt würde. Vorher sei lediglich ein vorregistriertes, inaktives Nutzerkonto bei Paydirekt angelegt.

Für den Endkunden dürfte der Effekt derselbe sein. Was bei einem vorregistrierten Konto und einem aktiven Konto gleich bleibt, ist die vorherige Übertragung der Nutzerdaten an Paydirekt.

Ein Vertragverhältnis zu Paydirekt soll laut der Sparkasse dabei in keinem Fall entstehen, die Sparkassen haben eine neue Lösung entwickelt, die vom DSGV wie folgt beschrieben wird: „Der Kunde unterhält vertragliche Beziehungen ausschließlich zu seiner Sparkasse, nicht zur Paydirekt GmbH. Bei dem Online-Bezahlverfahren Paydirekt handelt es sich um eine Funktion des Girokontos. Die Paydirekt GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen der Deutschen Kreditwirtschaft, ist  dabei lediglich technischer Dienstleister der Sparkassen, der im Rahmen eines Geschäftsbesorgungsvertrags tätig ist.“

Auch wenn kein direktes Vertragverhältnis entsteht, ein fader Beigeschmack bleibt. Es ist schlichtweg unnötig Stammdaten von Kunden für eine hypothetische Registrierung zu einem Drittanbieter zu senden – wenn der Kunde gar nicht vor hat, den Dienst dieses Anbieters zu nutzen. Dass die Sparkassen Paydirekt vertraglich zum internen Dienstleister erklären, mag den rechtlichen Rahmen für diese Vorgehensweise ebnen, im Kontext der Vorgehensweise stößt die Begründung bitter auf.

Geistige Bankrotterklärung für den selbsternannten Datenschutzkönig Paydirekt

Die Banken und Paydirekt betonen grundsätzlich den „besseren“ Datenschutz ihres Zahlungsverfahrens im Vergleich mit anderen Anbietern. Das sichere Zahlungsverfahren der deutschen Banken, das auf die Weitergabe von sensiblen Daten verzichtet.

Die „Zwangsregistrierung“ der Sparkassenkunden bei Paydirekt führt bei einem Ausbleiben des Widerspruchs dazu, dass „vorliegende Stammdaten“, wie es in dem Sparkassen-Schreiben heißt, an Paydirekt übertragen werden. Mit diesem ungeschickten Vorgehen beschädigt Paydirekt sein einziges Alleinstellungsmerkmal schwer: den Datenschutz. Laut der Lebensmittelzeitung ruft das Vorgehen schon Datenschutzbehörden auf den Plan, die das Vorgehen kritisch betrachten und das Verfahren jetzt prüfen wollen.

Das Ergebnis: Vollkommen nutzlose Benutzerkonten

Die Komfortregistrierung, wie die Zwangsverpflichtung euphemistisch bezeichnet wird, ist darüber hinaus vollkommen nutzlos. Der Kunde muss das Benutzerkonto nämlich nicht nur besitzen und aktivieren – sondern aktiv nutzen.

Tausenden Sparkassenkunden ungewollt ein Paydirekt-Konto unterzuschieben, verärgert bestenfalls die Kunden – bringt aber keine aktive Nutzung. Dazu hätten die Paydirekt-Konten aktiv von Beratern in der Filiale an den Mann gebracht werden müssen. Letztlich wäre das auch die weisere Vorgehensweise gewesen, so wird das nichts.

Update vom 24. August: Wir haben den Artikel um die Stellungnahme des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes erweitert.

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