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Payment-Dienst am Ende: Paymill ist insolvent [Update]

(Foto: Paymill)

Payleven und Zencap haben vor Kurzem einen Käufer gefunden, jetzt ist mit Paymill ein weiteres Rocket-Internet-Startup aus dem Fintech-Sektor auf Suche – nach einem bereits geplatzten Verkaufsversuch.

Der Untergang wurde mit Kanonenschlägen eingeläutet, als könnte eine API in die Zukunft schauen. Noch vor zehn Tagen stand der Zahlungsverkehr aufgrund technischer Probleme beim Münchner Startup Paymill für nahezu zwei Tage immer wieder still, jetzt steht das ganze Unternehmen still. Insgesamt 18 Millionen Euro Funding konnten das Rocket Internet Startup nicht aus der Flaute bringen, am 26. April musste Paymill Insolvenz anmelden, wie Gründerszene.de vermeldet.

Paymill meldet Insolvenz an

Paymill führt das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durch und hat sich dazu den auf Sanierungen und Insolvenzverwaltungen spezialisierten Rechtsanwalt Vincenz von Braun aus der Münchner Kanzlei anchor an Bord geholt.

Ziel des Insolvenzverfahrens ist der Verkauf des Unternehmens, wie der Rechtsanwalt sich gegenüber Gründerszene äußerte. Der potenzielle Käufer soll in einem sogenannten Asset-Deal die werthaltigen Unternehmensbestandteile samt der Mitarbeiterverträge herauskaufen und so von bestehenden Forderungen verschont werden. Ein Verkaufsversuch ist vor der Insolvenz bereits gescheitert.

Gründe für die Paymill-Insolvenz

Paymill agierte ohne Banklizenz am Markt, deshalb musste Paymill auf Partner setzen, die Leistungen abwickeln dürfen, die entsprechend lizensierten Unternehmen vorbehalten sind. Kreditkartenaquiring wickelte das Startup beispielsweise über die ehemalige Lufthansa-Tochter Acceptance ab, die jetzt zum Payment-Konzern Wirecard gehört.

Bilder aus besseren Zeiten: Die aktuelle Paymill-Führung mit den Gründern Mark Henkel, Jörg Sutara und Dr. Stefan Sambol (von links nach rechts). (Foto: Munich Startups)

Bilder aus besseren Zeiten: Die aktuelle Paymill-Führung mit den Gründern Mark Henkel, Jörg Sutara und Dr. Stefan Sambol (von links nach rechts). (Foto: Munich Startups)

Paymill Mitgründer Mark Henkel weist der fehlenden Banklizenz und damit indirekt den Partnern die Schuld am Misserfolg von Paymill zu. „Um im Fintech-Bereich groß zu werden, braucht man eine Banklizenz. Das hat aber zu viel Zeit gekostet“, erklärt Henkel dem Startup-Branchendienst Gründerszene. Und beklagt dort weiter, dass die Geschwindigkeit der strategischen Partner das Unternehmen ausgebremst hätte, was dazu geführt haben soll, dass keine weiteren Finanzierungsrunden flossen.

Laut Unternehmensangaben bedient Paymill aktuell rund 1.800 Kunden darunter das Münchner Startup Bragi, und die großen Namen Doodle und Freeletics.

Update vom 28. April 2016:

Paymill weist daraufhin, dass der von uns referenzierte Artikel der Gründerszene missverständlich aufgefasst worden sei und nimmt wie folgt Stellung:

Der kurzfristige, teilweise Netzwerkausfall vor 10 Tagen hat mit der aktuellen Situation nichts zu tun. Wir stehen nicht still, sondern arbeiten aktiv daran die laufenden Verhandlungen zu einem positiven Abschluss zu bringen und sind für unsere Kunden wie gewohnt erreichbar. Unser Ziel ist ein Asset-Deal, in dem der Betrieb inkl. aller werthaltigen Teile und der Mitarbeiterverträge herausgekauft werden. Im Gegensatz zu einem Share Deal, bei dem der Käufer auch die Forderungen übernehmen müsste. Bezüglich der Lizenz sagen wir folgendes: Wir haben seit zwei Jahren auf eine Zahlungsdienstleister-Lizenz hingearbeitet, das hat leider zu viel Zeit gekostet. Durch unsere strategischen Partner konnten wir dennoch unser Produkt am Markt erfolgreich anbieten, allerdings waren wir durch die fehlende Lizenz im nötigen Wachstum eingeschränkt. Die Schuld für unsere aktuelle Situation liegt keinesfalls bei unseren Partnern, die uns in den letzten Jahren tatkräftig unterstützt haben.

Im Interview mit t3n spricht Paymill-Gründer Mark Henkel über die aktuelle Situation und die Zukunftspläne des Startups.

In einer früheren Version dieses Artikels wurde der geplante Verkauf zwar korrekt beschrieben, aber als Share-Deal, nicht als Asset-Deal bezeichnet. 

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2 Kommentare
Peter
Peter

Was Rocket Internet macht, ist doch nichts weiter als Millionenverluste. Die meisten Firmen erwirtschaften keinen Gewinn und es wird nur mit Investitionen reingepumpt, in der Hoffnung das nächste Amazon, PayPal oder sonst was aufzubauen… das kann so doch nicht dauerhaft funktionieren.

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Teena
Teena

Tssss
Letztes Jahr wollte ich meine kleine Plattform mit ein kleinen 4 stelligen Umsatz pro Monat bei Paymill als billingprovider abklemmen
die anfrage wurde abgelehnt … Erst „einfach so“ und auf Rückfrage war ihn Ihren als Kunde wohl einfach zu gering. Geht’s noch?
Recht geschiehts ihnen!

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